Donnerstag, 28. Juni 2007

Neo-Sondergesandter hochmotiviert: Blair möchte bereits im Juli in Nahen Osten reisen

  • Sieht neue Aufgabe als "große Herausforderung"
  • Britischer Ex-Premier hofft auf baldige Fortschritte

Der britische Ex-Premierminister Tony Blair will unverzüglich seine neue Tätigkeit als Sondergesandter des Nahost-Quartetts aus USA, UNO, EU und Russland aufnehmen. "Das ist eine fundamentale Frage - ich fange sofort an", sagte der aus dem Amt geschiedene Regierungschef, der auch sein Unterhausmandat niederlegt, in einem Interview mit der englischen Zeitung "The Northern Echo". Bereits im Juli werde er möglicherweise in die Krisenregion reisen. Seine neue Aufgabe bezeichnete Blair als "große Herausforderung".

Das Nahost-Quartett hatte Blairs Bestellung bekannt gegeben. Er werde sich um internationale Unterstützung für die Palästinenser bemühen. Im Vorjahr hatte er zu einer Initiative aufgerufen, um "das Leid und die Not der palästinensischen Bevölkerung zu lindern" und sie beim Wiederaufbau zu unterstützen. Besonders wichtig sei, dass die Initiative einen politischen Rahmen bilde, um Fortschritte für eine Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen. Blair hatte in seiner Abschiedsrede vor dem Unterhaus in London eine Zwei-Staaten-Lösnung als "absolute Priorität" bezeichnet. Die Schaffung eines palästinensischen Staates neben Israel sei nach internationalem Konsens der einzig mögliche Weg zu Frieden und Stabilität in der Krisenregion.

Israels Regierungschef Ehud Olmert wünschte Blair Erfolg bei seinen Bemühungen, "den Palästinensern beim Bau eines Fundaments für ihren Staat" zu helfen. "Israel wird Blair jede benötigte Unterstützung gewähren, damit er seine Aufgabe erfüllen kann", verlautete aus Olmerts Büro in Jerusalem. Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas erklärte in Gaza, Blair sei "nicht willkommen". "Blair ist keine willkommene Person, da er hinsichtlich der Bestrebungen der Palästinenser nicht glaubwürdig war", sagte Hamas-Sprecher Fawzi Barhum. Der frühere britische Premier habe stets "unter dem amerikanischen Schirm" gearbeitet und sei für Israel voreingenommen.

UNO weitet Hilfe aus
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) weitet seine akute humanitäre Hilfe für die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen aus. Laut einer Aussendung sollen neun Lastwagen mit insgesamt 225 Tonnen Nahrung die Grenze am israelischen Übergang Kerem Shalom überqueren. Insgesamt hängen derzeit 80 Prozent der Bevölkerung im Gaza-Streifen von Nahrungsmittelhilfe ab. Gaza ist vom Import aller grundlegenden Wirtschaftsgüter abhängig. Durch die kürzliche Schließung der Grenze nehmen die Nahrungsmittelvorräte schnell ab. "Im Gaza-Streifen entwickelt sich eine ernsthafte humanitäre Krise auf Grund der Aufstände in letzter Zeit und der geschlossenen Grenzübergänge", sagte WFP-Direktor Arnold Vercken. WFP unterstützt derzeit 275.000 der eineinhalb Millionen Menschen im Gaza-Streifen.

(apa/red)

28.6.2007 14:22