Donnerstag, 28. Juni 2007

Schock-Fund am Ufer des Tigris im Irak:
20 enthauptete Leichen in Zivilkleidung

  • Autobombenanschlag in Bagdad: Mindestens 30 Tote
  • Sprengsatz: Drei britische Soldaten in Basra getötet

Am Tigris-Ufer wurden 20 enthauptete Leichen in Zivilkleidung entdeckt. Bei einem Anschlag im südlichen Bagdader Schiitenviertel Bayaa sind mindestens 30 Menschen getötet und 50 weitere verletzt worden. In den USA wachsen inzwischen trotz Milliarden-Investitionen in den Aufbau der irakischen Streitkräfte die Zweifel an deren Leistungsfähigkeit. Mehr als 19 Milliarden Dollar (14,1 Mrd. Euro) hätten die USA bereits in die neue irakische Armee gesteckt und dennoch sei diese noch immer nicht in der Lage, die Sicherheit im Land zu gewährleisten, heißt es in einem Bericht des US-Kongresses.

Die Autobombe in Bagdad explodierte am Morgen während der Hauptverkehrszeit bei einem Taxi- und Kleinbus-Stand. In der Nacht zuvor war ein anderer schiitischer Stadtteil Schauplatz eines Anschlags. In Kadhimiya starben bei einem Bombenanschlag zehn Menschen. Drei britische Soldaten wurden in Basra getötet, als ein Sprengsatz neben ihrem Fahrzeug explodierte. Ein weiterer Soldat erlitt bei dem Anschlag Verletzungen, bestätigte ein Sprecher der britischen Truppen in Basra. Das angegriffene Fahrzeug war Teil eines Nachschubkonvois.

Enthauptete Leichen entdeckt
Südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad sind nach Polizeiangaben 20 enthauptete Leichen entdeckt worden. Die männlichen Toten wurden in der Ortschaft Salman Pak von Einwohnern am Ufer des Tigris gefunden, teilte die Polizei mit. Identifiziert worden seien die Leichen noch nicht. Die Hände waren auf dem Rücken gefesselt. Der Hintergrund des Massakers war unklar.

Al-Kaida-Führer tot?
Die US-Streitkräfte haben den Tod eines Al-Kaida-Führers im Irak bekannt gegeben. Der Türke Mehmet Yilmaz, auch bekannt als Khalid al-Turki, sei gemeinsam mit einem Helfer von Koalitionstruppen im Nordirak getötet worden. Yilmaz leitete den Angaben zufolge eine Gruppe, die ausländische Kämpfer in den Irak einschleuste. Die Streitkräfte erklärten weiter, Yilmaz habe 2001 eine Gruppe von Türken in den Kampf gegen US-Truppen in Afghanistan geführt. 2004 wurde er in Pakistan festgenommen und in die Türkei ausgeliefert, wo er ein Jahr später wieder freikam.

Versöhnungskonferenz geplant
Der irakische Staatspräsident Jalal Talabani hat in Genf Möglichkeiten für die Einberufung einer Versöhnungskonferenz ausgelotet. Er war anlässlich einer Versammlung der Sozialistischen Internationale (SI) in der Schweiz eingetroffen. Neben Talabani, der Chef der Patriotischen Union Kardistans (PUK) ist, sind auch der Kurdenführer Massoud Barzani, Chef der Demokratischen Partei Kurdistans, und mehrere sunnitische und schiitische Abgeordnete nach Genf gekommen.

Starke Zweifel in US-Kongress an irakischer Armee
In der Analyse des Streitkräfteausschusses des US-Repräsentantenhauses heißt es, bisher seien 346.500 irakische Soldaten und Polizisten ausgebildet worden. Unklar sei jedoch, wie viele von ihnen überhaupt einsatzbereit seien. Der Bericht zeige "deutlich", dass das Ansinnen von US-Präsident George W. Bush "bisher fehlgeschlagen" sei, die US-Truppen in dem Maße zu verringern, in dem irakische Sicherheitskräfte die Lücke füllen könnten, sagte der demokratische Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses, Martin Meehan.

Die US-Streitkräfte haben Aufträge im Gesamtwert von fünf Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) für logistische Unterstützung ihrer Soldaten im Irak, Afghanistan und Kuwait an drei Privatunternehmen vergeben. Darunter ist die Firma KBR, die bereits seit 2001 solche Geschäfte mit dem Pentagon macht. Sie gehörte früher zu Halliburton, die einmal vom heutigen US-Vizepräsidenten Dick Cheney geführt wurde.

(apa/red)

28.6.2007 14:03