Mittwoch, 27. Juni 2007

Internationale Flucht in urbanen Bereich: 50% der Weltbevölkerung leben in Städten

  • 3,3 Milliarden teilen sich Fläche von nur 377.000 m²
  • Mehrheit der Neo-Stadtbewohner wird in Armut leben

Bald schon wird mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben - erstmals in der Menschheitsgeschichte. Laut dem in Wien, New York und London präsentierten Weltbevölkerungsbericht des United Nations Population Fund (UNFPA) teilen sich mittlerweile 3,3 Milliarden urbane Erdenbewohner eine Fläche von lediglich 377.000 Quadratkilometer, was nicht einmal der Größe Japans entspricht. Experten gehen davon aus, dass es 2030 rund 4,9 Milliarden Stadtmenschen geben wird.

"Wir befinden uns mitten in einer dramatischen geopolitischen Wende", sagte SP-Entwicklungssprecherin Petra Bayr im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. 90 Prozent aller Slum-Bewohner leben in Entwicklungsländern, 72 Prozent aller Stadtbewohner in Afrika vegetieren in Slums. "Umweltprobleme konzentrieren sich heute vornehmlich auf die Großstädte. Genau darin steckt aber auch die Chance", so Bayr. Mit kluger Stadtpolitik, die eine "gesunde" Architektur mit viel Grünflächen forciert, sei diesen Schwierigkeiten beizukommen.

Derzeit leben in 20 so genannten Mega-Citys, also Städten mit zehn Millionen Einwohnern und mehr, vier Prozent der Weltbevölkerung - fünf Mal so viel wie noch im Jahr 1950. Berechnungen zufolge wird die Stadtbewohnerzahl zwischen 2000 und 2030 um 72 Prozent wachsen und die bebaute Fläche von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern um 175 Prozent zunehmen. Schon jetzt steigt die Bevölkerungszahl in den Metropolen Asiens und Afrikas um je eine Million Menschen pro Woche.

Die Landflucht ist für VP-Jugendsprecherin Silvia Fuhrmann kein alleiniges Problem der Entwicklungsländer. Auch in Österreich sei das Phänomen verbreitet, dass vor allem junge Menschen in die Städte ziehen. "Die Stadt hat jobmäßig mehr zu bieten, die Landbevölkerung wird dadurch immer älter - das ist eine große Herausforderung für die Politik."

Die scheinbar magnetische Anziehungskraft der Metropolen ist für Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen, "der Megatrend der nächsten Jahrzehnte", weshalb es "dringende" Gestaltungsanforderungen an die Politik gebe. "Diese Entwicklung hat sehr wohl auch Auswirkungen auf Europa und wird selbst für Wien nicht ohne Folgen bleiben. Die Migrantenpopulation an den Stadträndern sind nach wie vor von der Mitbestimmung ausgeschlossen", so Öllinger. (apa/red)

27.6.2007 11:26