Freitag, 29. Juni 2007

Spurlos verschwunden: Seit einem Jahr fahndet die Kripo nach der 16-jährigen Julia

  • Julias Eltern zu NEWS: "Wir spüren, dass sie lebt"
  • Mysteriös: Schülerin verschwand am hellichten Tag

Der kleine Raum im ersten Stock des gemütlichen Einfamilienhauses im niederösterreichischen Pulkau sieht aus wie Tausende andere Jungmädchenzimmer auch. Die Tür und die Wände sind mit bunten Postern beklebt, mit Bildern von Popgruppen, von Wasserfällen, von einsamen Strandlandschaften. Am Bett liegen ein paar Stofftiere, in den Laden stapeln sich Schminkutensilien und Parfumfläschchen, in dem Regal über dem Schreibtisch stehen Harry-Potter-Bücher. Und an der Kastentür hängt das bodenlange weiße Satinkleid, das Julia bei ihrem ersten Ball, nur wenige Monate vor ihrem Verschwinden, getragen hat.

"Alles hier", sagen die Eltern des Mädchens, "sieht noch genauso aus wie an dem Tag, als unsere Tochter das Haus verlassen hat."

Und durch nichts, einfach durch nichts wäre damals, vor einem Jahr, am 27. Juni 2006, das entsetzliche Drama vorhersehbar gewesen. "Denn Julia war doch an diesem Dienstagmorgen wie immer."

"Wie sonst auch" stand sie um 6.15 Uhr auf, duschte, zog sich an, graue Jeans und ein weiß-rosa gestreiftes Top. Sie band ihr dunkles Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, frühstückte schweigend, "aber in der Früh war sie ja nie sehr gesprächig", packte noch eine Tube Lipgloss in ihre olivgrüne Umhängetasche, schlüpfte in Flip-Flops, rief ihrer Mutter ein kurzes "Ciao" zu - und schloss die Tür hinter sich.

"Um 6.45 Uhr", erinnert sich der Vater, "hab ich das Schlafzimmerfenster aufgemacht und die Straße entlang-geschaut, Julia marschierte da gerade ums Eck zum Hauptplatz." Es war das letzte Mal, dass Anton Kührer seine Tochter gesehen hat.

Dokumentiert ist: Etwa zehn Minuten vor 7 Uhr bestieg die 16-Jährige den Bus nach Horn, eine halbe Stunde später traf sie dort im Gymnasium ein und begann in einer Projektgruppe zu arbeiten.

Fest steht: Nach Unterrichtsschluss, kurz nach 13 Uhr, fuhr Julia nach Pulkau zurück. Da ihre Klasse zu Beginn des neuen Schuljahres in ein anderes Zimmer übersiedeln sollte, hatte sie in den Stunden davor ihre Fächer ausgeräumt, sie trug mehrere schwere Lexika, einen weißen Arbeitsmantel und gelbe Turnschuhe bei sich. Damit bepackt, stieg sie um 13.30 Uhr - laut mehreren Zeugen - am Hauptplatz ihres Heimatorts aus dem Bus. Danach verliert sich die Spur des Mädchens.

Weder die Dutzenden Suchaktionen mit Hunden im Weinviertel noch österreichweite und internationale Fahndungen haben einen Hinweis auf den Verbleib des Mädchens gebracht. Monatelang wurde im Umfeld der Schülerin recherchiert, übrig bleibt die Erkenntnis: Julias Verschwinden ist ein Rätsel.

"Wir spüren es: Unser Kind lebt", erklären die Kührers und klammern sich fest an den Gedanken, dass ihre Tochter irgendwann zu ihnen zurückkehren wird.

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29.6.2007 17:22