Freitag, 22. Juni 2007

"Sie forderten meinen Kopf": Kulterer
fühlte sich von Finanzmarktaufsicht verfolgt

  • Ausschuss: Erfolgreiche Bank geriet ins schiefe Licht
  • Ex-Hypo-Vorstandsvorsitzender "kein Haider-Banker"

Deutliche Kritik am Vorgehen der Finanzmarktaufsicht ihm gegenüber und gegenüber der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank übte im Banken-Ausschuss der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank, Wolfgang Kulterer. Die FMA habe seinen Kopf gefordert, so Kulterer, der noch bis zum Abschluss des mehrheitlichen Verkaufs an die Bayerische Landesbank (BayernLB) Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo-International bleiben wird.

"Ich hatte den Eindruck, ich werde persönlich verfolgt", sagte Kulterer. Bereits vor dem Ende der Prüfung der Bank und der Stellungnahme habe es einen FMA-Aktenvermerk gegeben, wonach Aufsichtsrats-Vize und Grawe-Chef Othmar Ederer ihm ausrichten soll, dass er bis spätestens Juli 2006 zurücktreten soll. Dies habe er abgelehnt, zuerst sollten die Unterlagen auf den Tisch gelegt werden. Die Vorgangsweise der FMA sei sehr persönlich orientiert gewesen. Nicht einmal in der Phase der Bilanzierung habe er mit der Behörde reden können.

In seinem Eingangsstatement meinte Kulterer, es sei ihm heute ein persönliches Anliegen, dass das Bild der Bank, die so erfolgreich war, in der Öffentlichkeit zurechtgerückt wird. Zudem wolle er einen Beitrag leisten, dass die FMA in Zukunft vielleicht professioneller und umsichtiger agiere. Er übernehme für alles, was passiert ist, die Verantwortung. Im Zusammenhang mit den verlustreichen Swap-Geschäften stehe er zu den Fehlern, er sei zuständig für das Treasury gewesen. "Aber den Umgang mit der Bank durch die Behörde werde ich nie akzeptieren", so Kulterer.

Erfolgreiche Bank geriet ins schiefe Licht
Kulterer zeichnete von der Kärntner Hypo das Bild einer erfolgreichen Bank, die ins schiefe Licht gestellt worden sei, deren Standing aber in den vergangenen 15 Monaten gelitten habe. Er werde in den nächsten Monaten sämtliche Funktionen an den neuen Mehrheitseigentümer, die BayernLB, übergeben. Mit ihr sei ein phantastischer Partner gefunden worden.

Zu seinem Werdegang meinte Kulterer, er sei 1992 in eine nicht gerade erfolgreiche Bank mit 265 pragmatisierten Mitarbeitern gewechselt. Die Bank sei vor dem Zusperren gestanden, mit der Entscheidung, sich nicht aus Italien zurückzuziehen, habe damals der Aufschwung begonnen.

Heute beschäftige die Bank 6.200 Mitarbeiter - davon 1.000 in Kärnten, betreue 1,2 Millionen Kunden in zwölf Ländern und habe Englisch als Konzernsprache. Der Wert für das Land Kärnten entspreche etwa dem Schuldenstand des Landes, der Wert des Anteils der Grazer Wechselseitigen Versicherung (GraWe), den diese 1992 um 35 Mio. Euro gekauft habe, habe sich in der Zwischenzeit auf jenseits von 1,5 Mrd. Euro mehr als vervierzigfacht.

"Kein Haider-Banker"
In die neuen Märkte sei man in der Aufbauphase immer mit sehr geringem Risiko gegangen, indem man mit Leasinggeschäften begonnen habe. Damit sei man heute in Slowenien, Kroatien, Bosnien und Serbien absoluter Marktführer mit 35 bis 60 Prozent Marktanteil. "Ich sage dies nicht, um zu beschwichtigen, kleinere und größere Fehler sind auch passiert", so Kulterer. Diese hätten aber bis 2006 immer in Absprache mit der FMA geregelt werden können.

"Ich habe nie akzeptieren können, dass, wenn man in diesem Land tätig ist, dann als Haider-Banker bezeichnet wird", meinte Kulterer. Er müsse mit jedem Landeshauptmann zusammenarbeiten, acht Jahre lang habe er etwa mit LH Christof Zernatto, dann mit Finanzreferent Karl Pfeifenberger (damals FPÖ, jetzt BZÖ) gearbeitet. Er stehe auch zu allen Projekten, die zur Unterstützung des Landes Kärnten gemacht worden sind, alle seien betriebswirtschaftlich erfolgreich, andere seien abgelehnt worden.

Zu den oftmals kritisierten Kroatien-Geschäften meinte Kulterer, die Hypo habe ab 1993 als erste Bank in Kroatien Geschäfte gemacht, als andere noch nicht an das Land geglaubt hätten, und geholfen, das Land aufzubauen. Bis 2002 habe man noch günstig Grundstücke kaufen können, die zu hohen Zusatzerträgen geführt habe. "Danach haben alle an Kroatien gekauft, jetzt gibt es Neider", so Kulterer.

(apa/red)

22.6.2007 14:11