Fioranellis Sohn entlastet Kurt Jara: "War eine Lüge - Hatten ihn nicht unter Kontrolle"
- "Wollte mich mit falscher Aussage wichtig machen"
- Prozess Ex-Salzburg-Trainer gegen Firma Red Bull

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Im Prozess Kurt Jara gegen Red Bull sorgte der Sohn des Schweizer Spielerberaters Vincio Fioranelli für einen Knalleffekt. Die Behauptung in einem Mail vom 16. Dezember 2005 an den amerikanischen Manager Richard Motzkin, wonach Fioranellis Vermittlungsagentur "FIO Agency GmbH" Jara unter Kontrolle habe, "war eine Lüge", gab der 26-jährige Kevin Fioranelli zu. Der Salzburger Fußballclub hatte dem 56-jährigen Trainer "Ungereimtheiten bei Spielertransfers" vorgeworfen und ihn im Juni 2006 gefeuert. Jara wehrte sich gegen die Vorwürfe und klagte den Getränkekonzern-Chef Dietrich Mateschitz wegen Kreditschädigung.
Er habe sich mit dieser falschen Aussage nur wichtig machen wollen, um für die Vermittlung des argentinischen Fußballers Carlos Ruiz eine Vollmacht zu erhalten. Auch die Behauptung in dem Mail, dass die FIO bisher schon 14 Spieler zum FC Red Bull gebracht habe, sei falsch, beteuerte Kevin Fioranelli. "Das war eine Fantasiezahl."
Richter: E-Mail Auslöser für Dilemma
Das verhängnisvolle Mail an Motzkin war im Mai 2006 in der Tageszeitung Kurier aufgetaucht, der Artikel war laut Richter Gruber "der Auslöser für dieses Dilemma" (gemeint war der Streit zwischen Red Bull und Jara um "Ungereimtheiten", Anm.) Vincio Fioranelli schlüpfte in die Vaterrolle, als er im Zeugenstand seinen Sohn in Schutz nahm: "Obwohl er der Jüngste ist, wollte er zeigen, dass er Erfolge aufweisen kann. Ihm tut das Ganze fürchterlich leid. Wenn er nicht mein Sohn gewesen wäre, wäre er nicht mehr in dieser Firma." Der Vater bestätigte, dass die Behauptung in dem Mail "nachweislich falsch ist - niemand besser als Red Bull weiß das".
Mit Hilfe Vincio Fioranellis versuchte der Richter auch herauszufinden, ob und welche geschäftliche Beziehungen der ehemalige Manager von FC Tirol, Robert Hochstaffl, und dessen Management-Agentur "ConSport" mit der FIO unterhielt. "Die FIO GmbH hat niemals Geld von ihm und seiner Firma erhalten, noch habe ich ihm Geld gegeben. Er ist sicher nicht mein Partner", betonte der 57-jährige Schweizer. Und von Urkunden, die ihm der Richter vorhielt, wonach die ConSport "exklusiv mit der FIO zusammenarbeitet", und die FIO eine Subagentur sei, wisse er auch nichts. "Es hat weder eine exklusive noch eine nicht exklusive Zusammenarbeit gegeben."
Es war ihm auch nicht bekannt, dass Hochstaffl keine FIFA-Lizenz hatte. "Darum habe ich mich nicht gekümmert. Der österreichische Markt ist für uns nicht sehr attraktiv", sagte Fioranelli, "ohne überheblich zu wirken". Dann gab er jene Spieler bekannt, die er für seinen Freund Jara vermittelte und dabei "eine Kommission" kassierte: Bodnar, von Schwedler, Manninger und Mirandes. Bemüht habe er sich weiters um die Vermittlung von fünf weiteren Spielern, darunter Schopp, Gercaliu und Carboni. Hochstaffl hatte bereits angegeben, er habe Mayrleb, Kirchler und Jesek vermittelt.
"Jetzt gibt es ja einen Sportdirektor"
Interessant war auch die Aussage von dem Rechtsberater der FIO, Werner Rempfler, der den Arbeitsvertrag für Jaras Tätigkeit bei Red Bull erstellt hatte: "Laut ursprünglichem Vertrag war er als Cheftrainer angestellt, von Vertragsverhandlungen war mit keiner Silbe die Rede." Er habe sich gewundert, dass man bei diesem Weltkonzern mit einem Budget von 60 Mio. Euro keinen Sportdirektor anstelle. "Jetzt gibt es ja einen Sportdirektor - vielleicht viele." Rempfler plauderte noch ein kleines Detail aus: Mateschitz habe einmal zu Jara gesagt, wenn er "bei den Leuten in finanzieller Hinsicht anstößt, soll er direkt zu ihm kommen".
Red Bull bezifferte den Schaden, der durch "überhöhte Honorare und Provisionen an Spielervermittler" entstanden sei, in einer Sachverhaltsmitteilung laut Jara-Anwalt Karl Schelling mit rund 2,5 Mio. Euro. Jara hatte bisher alle Vorwürfe als haltlos bezeichnet und Mateschitz auf "Unterlassung und Widerruf kreditschädigender Äußerungen" geklagt. Der Trainer mache einen Verdienstentgang in der Höhe von 450.000 Euro netto geltend. Das Urteil wird voraussichtlich Ende September den Streitparteien zugestellt.
(apa/red)
