Montag, 9. Juli 2007

Federer bleibt der König von Wimbledon: Schweizer ringt Nadal in fünf Sätzen nieder

  • Weltranglisten-Leader holt fünften Titel in Folge
  • Angeschlagener Spanier brachte Federer ins Wanken

Seriensieger Roger Federer bleibt der Gigant auf dem "Heiligen Rasen" von Wimbledon. Der 25-jährige Schweizer schaffte nach einem spannenden Fünf-Satz-Finalkampf, dem ersten in London seit dem Erfolg von Goran Ivanisevic 2001, das Kunststück, das zuvor in der Profi-Ära nur Björn Borg gelungen war: Mit dem 7:6(7),4:6,7:6(3),2:6,6:2-Zittersieg über den auch auf Rasen immer stärker werdenden Rafael Nadal holte Federer den fünften Einzel-Titel in Wimbledon en suite.

"Ich war heute ganz einfach der Glücklichere. Rafael hätte es auch verdient gehabt. Wenn man einen Champion wie ihn schlagen kann, bedeutet der Sieg gleich noch mehr", freute sich Federer nach der gewonnenen Neuauflage des Vorjahres-Finales. Die 2007er-Edition war allerdings weit besser. Mit dem Gewinn seines 11. Grand-Slam-Titels und dem 1,05-Mio-Euro-Siegerscheck schraubte er sein Karriere-Preisgeld bereits auf 24 Mio. Euro bzw. 32,67 Mio. US-Dollar.

Bei allem Respekt vor Golf-Superstar Tiger Woods: Der witzige Nike-Werbespot, bei dem Woods Federer zu weiteren Siegen anspornt, aber gleichzeitig meint, dass er selbst schon 12 Major-Turniere gewonnen hat, wird wohl bald nicht mehr aktuell sein. Denn Federer wird am 8. August erst 26 Jahre alt und hat noch einige Jahre Zeit, sämtliche Rekorde zu brechen, u.a. auch die Wimbledon-Bestmarke von Sampras (7 Titel).

Federer wankte, fiel aber nicht
Auf dem Center Court kam Nadal der Sensation allerdings sehr nahe. Der Sand-"König" brachte den Rasen-"Kaiser", der nun schon bei 54 Siegen en suite auf seinem Lieblingsbelag hält, gehörig ins Wanken. Vielleicht war jene kleine Blessur im vierten Satz, nach der der Spanier eine dreiminütige Auszeit wegen eines Problems im rechten Knie genommen hatte, ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum Sieg Federers. Doch Nadal war im fünften Satz trotzdem wieder voll da. Und da hatte Federer alle Mühe, als er zwei Mal bei eigenem Aufschlag 15:40 in Rückstand geraten war. Federer wehrte aber alle vier Breakbälle ab, schaffte selbst das Break zum 4:2 und war dann urplötzlich in absoluter Bestform.

Tränen des Glücks
Nach dem verwerteten Matchball ließ sich Federer auf den Rasen fallen, und all die Anspannung musste heraus. Tränen des Glücks und Riesenfreude bei dem Weltranglisten-Langzeitführenden. Es zeigte auch, welchem Druck er sich auch selbst ausgesetzt hatte. Bei der Siegerehrung war er freilich wieder ganz Gentleman, nicht nur wegen seines Outfits in langer weißer Hose und weißem Sakko. "Er hätte es auch verdient gehabt", meinte Federer. "Rafael wird noch viel länger spielen. Ich bin froh über jeden Titel, bevor Rafael ihn mir wegnimmt", sagte der Schweizer.

Und auch für den anwesenden Björn Borg hatte er ein paar Worte übrig. "Ich kann zwar kein schwedisch, aber danke fürs Kommen", scherzte er in die Richtung des Schweden.

Sampras-Rekord in Reichweite
Zuvor hatten die beiden derzeit besten Spieler ein hochklassiges Finale geboten. Seit dem Achtelfinal-Erfolg über Pete Sampras 2001 hatte Federer in seinem "Garten" nicht mehr über fünf Sätze gehen müssen - und seine Bilanz in dieser Wertung war 9 Siege zu 10 Niederlagen. Auf den Major-Rekord des großen Sampras fehlen ihm jetzt nur drei Titel.

Nadal weiter mit positiver Bilanz
Auch der seit rund zwei Wochen dreifache French-Open-Sieger Nadal zeigte mit 21 Jahren Größe: "Fünf Siege in Serie: Ich gratuliere Roger, das ist fantastisch", sagte Nadal. Er kann sich mit über 500.000 Euro trösten - und mit der Tatsache, dass er trotzdem einer von nur vier Spielern bleibt, die gegen Federer eine positive Head-to-Head-Bilanz haben. Federer verkürzte in dieser auf 5:8.

Dabei hatte sich Federer, der auch in seinem zweiten Paris-Endspiel gegen Nadal den Kürzeren gezogen hatte, diesmal nicht wie üblich auf Wimbledon vorbereiten können. Federer klagte nach dem Paris-Finale über Müdigkeit und leichte Adduktorenschmerzen. Daher verzichtete er diesmal auf Halle, wo er vor seinen vorangegangenen vier Triumphen gewonnen hatte, und bestritt vor Wimbledon kein einziges Rasenmatch. Man darf gespannt sein, ob Federer nun auch seinen Titel bei den US Open (ab 27. August) erfolgreich verteidigen kann.

(apa)

9.7.2007 09:26