Dienstag, 3. Juli 2007

Alinghi verteidigt America's Cup mit Erfolg: Schweizer besiegen das Team New Zealand

  • 5:2 nach knappem Sieg in siebenter Wettfahrt

Das Schweizer Syndikat Alinghi hat die 32. Auflage des America's Cup der Hochseesegler gewonnen. Die Mannschaft des Titelverteidigers setzte sich vor Valencia in der siebenten Wettfahrt gegen das Team New Zealand nach Fotofinish mit nur einer Sekunde Vorsprung durch und entschied damit die "best of nine"-Serie mit 5:2-Siegen für sich.

Als die schwarz-rote SUI 100 die Ziellinie mit dem Minimalvorsprung auf Herausforderer Team New Zealand überquerte, entlud sich die seit Tagen kaum mehr erträgliche Spannung rund um den Hafen von Valencia mit gewaltigen Jubelschreien an Bord und an Land. Unter Feuerwerk und Champagnerfontänen freuten sich Zehntausende Segel-Fans mit den Eidgenossen - im Lager der rund 3.000 mitgereisten Neuseeländer flossen dagegen Tränen.

"Es ist fantastisch, dass der Cup nun in Europa bleibt", jubelte Alinghis deutscher Sportdirektor Jochen Schümann. Das Schweizer Syndikat hatte vor vier Jahren für den ersten europäischen Triumph in der America's-Cup-Geschichte gesorgt.

Das siebente Duell der Giganten machte seinem Namen alle Ehre. Nachdem die NZL 92 mit leichten Vorteilen gestartet war, erreichte die SUI 100 in frischen Winden um 16 Knoten die erste Wendemarke mit sieben Sekunden Vorsprung. Doch Team New Zealands Skipper Dean Barker und seine Crew schlugen zurück und erreichten die zweite Wendemarke 14 Sekunden vor den Schweizern.

Im anschließenden Kopf-an-Kopf-Rennen kam es vor Rundung der dritten Marke beinahe zur Kollision. Alinghi musste ausweichen. Neuseeland wurde von den Schiedsrichtern für die Verletzung der Vorfahrtsregeln mit der rennentscheidenden Strafe belegt.

Das Team Alinghi feierte damit den nächsten großen Triumph seiner einmaligen Erfolgsstory. Die mit sechs erfahrenen Neuseeländern besetzte multinationale Crew des Genfer Milliardärs Ernesto Bertarelli setzte sich gegen das durchschnittlich vier Jahre jüngere Team New Zealand durch.

Damit bleibt der Name Alinghi weiter das Symbol für Höchstleistung im Segelsport. Als Kinder hatten Bertarelli und seine Schwester Donna zunächst ihren imaginären Spielfreund Alinghi genannt. Später wurden alle Familienboote so getauft.

Ein Produkt Schweizer Segelkunst ist Alinghis zweiter Erfolg en suite aber auch dieses Mal nicht. Team-Gründer Bertarelli war in allen sieben Final-Duellen der einzige Schweizer der 17-köpfigen Besatzung. Das Duell der Cup-Giganten markierte eher die Fortsetzung der Auseinandersetzung zwischen Neuseelands Segelhelden wie Skipper Brad Butterworth oder Stratege Murray Jones an Bord der "Alinghi" und der jungen "Kiwi"-Generation um Team New Zealands erst 34-jährigen Skipper Dean Barker.

Als Land mit Spitzentechnik konnte die Schweiz im America's Cup jedoch punkten: Auch dieses Mal waren die Ingenieure der EPFL in Lausanne maßgeblich in Forschung, Tests und Entwicklung der jeweils rund vier Millionen Euro teuren Cup-Jachten unter Schweizer Flagge involviert. Gebaut wurde die SUI 100 genau wie ihre Vorgängerin SUI 64 in Präzisionsarbeit in Fenil-sur-Corsier oberhalb Verveys. Für die Linien der rasanten Hightech-Jacht zeichnete Chefdesigner Rolf Vrolijk verantwortlich.

Auf dem Weg zur 32. Cup-Auflage machte Bertarelli sein Versprechen wahr, das er vor vier Jahren gegeben hatte: "Wir werden die alte Silberkanne entstauben und die Veranstaltung modernisieren." In seine Ära fällt die Streichung der Nationenregel, die erstmalige Rechtevergabe an eine Stadt außerhalb des Landes der Titelverteidiger, die Cup-Testregatten in ganz Europa und der Bau der weltgrößten rund 300 Millionen Euro teuren Segelarena in Valencia.

(apa/red)

3.7.2007 18:06