Freitag, 22. Juni 2007

Schweres Bus-Unglück in Reutte: Kollision
mit Lkw-Anhänger als Ursache gehandelt

  • Transporter war zu schnell und überladen unterwegs
  • Noch sechs Verletzte zum Teil in kritischem Zustand
    PLUS: Die Bilder vom tragischen Unglück in Tirol

Nach dem schweren Busunglück südlich der Tiroler Bezirksgemeinde Reutte liefen die Untersuchungen von Polizei und dem vom Gericht beauftragten Sachverständigen auf Hochtouren. Wie bekannt wurde, war der talwärts fahrende Lkw sowohl überladen als auch zu schnell unterwegs. Ob dies zum Unglück geführt hat, muss nun vor Gericht geklärt werden. Die sechs Schwerverletzten, die in umliegende Krankenhäuser in Tirol und Bayern eingeliefert wurden, befanden sich laut Polizei zum Teil weiter in kritischem Zustand.

Am Donnerstag hatte ein 28-Jähriger aus Deutschland einen Sattelzug auf der Fernpassbundesstraße im Gemeindegebiet von Reutte im Bereich des "Katzenbergs" talwärts in Richtung Norden gelenkt. Das Fahrzeug war in Landeck mit Aluspänen voll beladen und hätte lediglich 40 Tonnen schwer sein dürfen. Es wies nach Angaben der Polizei ein Gesamtgewicht von 41.700 Kilogramm auf.

Der Fahrer sei auf der Strecke mehrmals unterwegs gewesen. Seine Firma habe sich unter anderem auf den Transport von Aluspänen zwischen Landeck und Deutschland spezialisiert und fahre die Fernpassroute mehrmals in der Woche.

Zur selben Zeit wurde ein deutscher Reisebus mit insgesamt 51 Personen besetzt von einem 46-Jährigen aus Deutschland in Richtung Innsbruck gelenkt. Das um zehn Kilometer zu schnell fahrende Schwerfahrzeug geriet vermutlich auf Grund der überhöhten Geschwindigkeit (laut Tachoscheibe 80 km/h) in einer lang gezogenen Rechtskurve auf der regennassen Fahrbahn ins Schleudern, wobei der Anhänger ausbrach und auf die Gegenfahrbahn schleuderte.

Bus stürt über Böschung
Dort kam es zum Zusammenstoß des Anhängers mit dem entgegenkommenden Reisebus, wobei der Bus über den rechten Fahrbahnrand geriet, 50 Meter über eine steile Böschung fuhr und schließlich auf der rechten Busseite liegend zum Stillstand kam. Das Schwerfahrzeug geriet in weiterer Folge neuerlich ins Schleudern, wobei ein entgegenkommender Pkw vom Anhänger erfasst und schwer beschädigt wurde. Die Insassen dieses Fahrzeuges blieben unverletzt.

Es wurden alle 51 Businsassen verletzt - 44 leicht, sechs schwer. Ein 69-jähriger Deutscher starb. Von den Businsassen konnten 13 nach einer Nacht in Reutte die Heimreise nach Deutschland antreten. Die übrigen befanden sich zur stationären Beobachtung weiter in den Krankenhäusern.

Lkw-Fahrer schwer geschockt
Der Reisebus wurde wieder von den Behörden freigegeben. An ihm seien keine Mängel festgestellt worden, hieß es. "Gewisse Mängel" hätten beim Lkw gefunden werden können. Ob diese unfallrelevant waren, muss nun vom Sachverständigen überprüft werden.

Den Lkw-Fahrer beschrieben die Beamten als "bei der Einvernahme sehr gelassen". Er habe die Unfallstelle selbst nicht gesehen und erst später die Folgen realisiert. Der 28-Jährige sei mittlerweile "schwer geschockt", hieß es.

An den Bergungsmaßnahmen waren insgesamt sechs Rettungshubschrauber, 15 Rettungsfahrzeuge, Feuerwehren und Polizeikräfte beteiligt. Durch die gesperrte Fernpaßstraße kam es zu kilometerlangen Rückstaus bis in die Abendstunden.

(apa/red)

22.6.2007 12:24