Freitag, 22. Juni 2007

Verheerende Bilanz nach Unwetter: Drei Menschen wurden getötet, enorme Schäden!

  • Zwei Tote in Wien, ein Opfer in Niederösterreich
  • Überraschender Sommersturm sorgte für Chaos
    PLUS: Alle BILDER der großräumigen Verwüstungen!

Drei Todesopfer und enorme Sachschäden: Das ist die traurige Bilanz der schweren Unwetter, die mit Sturmböen bis zu 123 km/h und heftigen Niederschlägen über Ostösterreich niedergegangen sind. In Wien kamen zwei Personen ums Leben, in Schwechat wurde ein Pkw-Lenker von einem umstürzenden Baum erschlagen. Es gab zahlreiche Verletzte, Feuerwehr und Rettung standen im Dauereinsatz. In Wien brach der Verkehr zusammen, am Flughafen in Schwechat war für eine Stunde kein Starten und Landen möglich. Auch am Donauinsel-Festgelände gab es Schäden. Betroffen waren auch Ober- und Niederösterreich.

Die Gewitter- und Sturmfront hat die Bundeshauptstadt Donnerstag kurz vor 17.00 Uhr erreicht. Am Hof in der Innenstadt stürzte ein Baukran direkt auf die Hauptfeuerwehrwache. Dabei kam der Kranführer ums Leben.

Der Turmdrehkran in der Wiener Innenstadt war direkt vor der Hauptfeuerwache postiert gewesen, weil derzeit Sanierungsarbeiten am Gebäude durchgeführt werden. Eine Böe hat den Kran erfasst, der dann auf die Feuerwehrzentrale gestürzt ist.

Wien: Frau von Baum erschlagen
Beim Ruderclub am Dampfschiffhaufen in der Donaustadt erschlug ein Baum eine 60-jährige Frau, ein 40-jähriger Mann wurde schwer verletzt. Der Sturm verwüstete Teile des Donauinsel-Festgeländes, auch Bühnen zog er in Mitleidenschaft.

Das Fest kann aber pünktlich starten und wird plangemäß über die Bühne gehen, teilte SPÖ-LAbg. Harry Kopietz mit. Das erste Österreich-Konzert von Barbra Streisand musste "aus baupolizeilichen Gründen" verschoben werden.

Lebensgefahr am Gürtel
Lebensgefahr hat auf dem Wiener Gürtel an den Grenzen zwischen den Bezirken Margareten und Meidling geherrscht. Binnen weniger Minuten wurden zahlreiche Bäume geknickt und stürzten zu Boden. Auch die Fahrleitung der Straßenbahn wurde getroffen. Die Linien 6 und 18 standen still.

Der schwere Sturm war innerhalb weniger Minuten hereingebrochen. Der Gang durch den Haydn-Park erwies sich als wenig klug, dafür viel mehr als "Spießrutenlauf". Eine Vielzahl von abgerissenen Ästen, ein bereits teilweise geknickter Baum. Es krachte und knackte überall. Einziger Gedanke vieler Passanten: Nichts wie raus aus dem Park.

Verkehrschaos und zahlreiche Unfälle
"Chaotische Zustände" herrschten laut ÖAMTC im Straßenverkehr. Es staute in ganz Wien auf allen Hauptverkehrsrouten. Für Strecken, die normalerweise in einer halben Stunde befahren werden, mussten Pkw-Lenker zwei Stunden einplanen.

Probleme bei den "Öffis"
Zu Problemen kam es auch auf allen Bus- und Straßenbahn-Linien. Beschädigte Leitungen beeinträchtigen laut ÖBB den Zugverkehr: Die Wiener S-Bahn wurde abschnittsweise eingestellt, bei den Verbindungen zwischen Wien und Niederösterreich kam es ebenfalls zu Ausfällen und Verzögerungen.

Flugverkehr in Schwechat unterbrochen
Am Airport Wien in Schwechat war von 17.01 bis 17.35 Uhr kein Landen und Starten möglich. Da die Unterbrechung in die Abendspitzen fiel, kam es zu zahlreichen Verzögerungen. Auch nach der Landung mussten Passagiere und Personal längere Zeit in den Maschinen ausharren.

Mehrere Häuserblöcke ohne Strom
Mehrere Häuserblöcke in verschiedenen Wiener Bezirken waren ohne Strom. Durch das Unwetter sind Bäume und Äste auf einzelne Leitungen gestürzt. Betroffen waren vor allem Randgebiete der Stadt mit freistehenden Leitungen.

Extreme Sturmböen
Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik wurden in Unterlaa im Süden der Bundeshauptstadt 123 km/h gemessen, in der Innenstadt 114 km/h und auf der Hohen Warte 113 km/h.

Ursache für die Heftigkeit der Windböen waren die extremen Temperaturunterschiede, die in der Ostregion Österreichs aufeinander prallten.

Zahlreiche Verletzte in Niederösterreich
Außer in den Bezirken Gmünd, Waidhofen an der Thaya und Zwettl ist ganz Niederösterreich von schweren Unwettern heimgesucht worden. Rund 4.400 Feuerwehrleute standen im Einsatz, um umgestürzte Bäume und Plakatwände von den Straßen zu entfernen, überflutete Keller auszupumpen oder abgedeckte Dächer zu sichern. Es gab 18 Leicht- und zwei Schwerverletzte.

Insgesamt fast 360 Feuerwehren rückten mit 960 Fahrzeugen landesweit aus. Besonders stark von Niederschlägen und Gewittern betroffen waren die Bezirke St. Pölten, Tulln, Baden, Korneuburg und Wiener Neustadt. Sturmböen erreichten Spitzen von bis zu 120 km/h. Im Mostviertel kam es zu Stromausfällen.

Schwimmer und Boote in Seenot
Die meisten Unfälle mit Personenschaden passierten in der Umgebung rund um Wien. Im Altarm der Donau bei Greifenstein (Bezirk Tulln) gerieten mehrere Schwimmer und Boote in Seenot. Alle Personen wurden von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht.

Gegen 16.30 Uhr zog die Unwetterfront über den Bezirk St. Pölten hinweg. Binnen kürzester Zeit knickte der Sturm Bäume wie Streichhölzer, mehrere Straßen wurden durch Starkregenfälle überflutet. In der Landeshauptstadt wurde ein Teil des Domdachs abgedeckt.

Spektakuläre Rettungsaktion in Mödling
Eine schwierigen Einsatz hatten die Rettungskräfte bei Mödling zu verzeichnen: Dort hatte gegen 16.45 Uhr ein Kranausleger die Fahrleitung der Südbahn beschädigt. Im Transportkorb des Turmdrehkranes war zunächst noch eine Person eingeschlossen, nach erfolgter Abschaltung der Fahrleitung wurde der unverletzte Mann von der Feuerwehr gerettet.

Glück hatte ein Ehepaar in Ernstbrunn (Bezirk Korneuburg) während der Fahrt mit einem Pkw. Ein umgestürzter Baum fiel auf die Vorderseite des Autos der Wiener, durch die Beschädigung entstand ein Brand im Motorraum. Dieser wurde von einem zufällig vorbeikommenden ÖAMTC-Mitarbeiter gelöscht, die beiden Personen blieben unverletzt.

Bootsbergungen am Neusielder See
Im Burgenland konzentrierten sich die Gewitter zunächst auf den Bezirk Eisenstadt-Umgebung. Am Neusiedler See mussten einige Bootsbergungen durchgeführt werden, Boote der Feuerwehr und der Polizei waren dabei im Einsatz.

Überflutungen in Oberösterreich
In Oberösterreich waren die südlichen Bezirke von den Unwettern betroffen. Es gab Schäden, blockierte Straßen und Bahnstrecken, überflutete Keller und einen Waldbrand. Auf der Eisen-Straße zwischen Großraming und Losenstein (Bezirk Kirchdorf an der Krems) stürzte ein großer Felsbrocken auf die Straße. Auch in Kleinreifling gab es einen Felssturz. Auf die Pass-Gschütt-Straße im inneren Salzkammergut (Bezrk Gmunden) ging eine Mure ab.

Unwetterschäden in Tirol, Salzburg und Steiermark
Tirol, Salzburg und die Steiermark sind schon am Mittwoch und Donnerstagvormittag von schweren Unwettern heimgesucht worden. Heftige Niederschläge haben Keller überschwemmt, Muren blockierten Straßen, Hagelkörner zerstörten Hausdächer.

(apa/red)

22.6.2007 11:03