Mittwoch, 13. Juni 2007

ORF-Quotenkiller wird nun abgesetzt: Letzte
Klappe für "Mitten im Achten" am 29. Juni!

  • Alter Bekannter als Ersatz: "Malcolm" kommt zurück!
  • Nachfolgesendung "Made in Austria" erst Ende 2008?

"Mitten im Achten" (MiA) wird eingestellt. "Nach Analyse des Programmerfolgs der Serie habe ich beschlossen, dass die Sendung der Serie MiA am derzeitigen Sendeplatz per 29. Juni beendet wird", teilte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit. Ab 2. Juli wird um 19.20 Uhr auf ORF 1 stattdessen die x-te Wiederholung der US-Serie "Malcolm mittendrin" zu sehen sein. Grund für die unerwartet plötzliche Entscheidung: Trotz des "sehr konkurrenzstarken Sendeplatzes und der notwendigen Anlaufzeit" lag das Format "zu deutlich unter den Erwartungen".

Außerdem fürchtet der ORF den Imageverlust: Auf Basis umfangreicher Marktforschung sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit "zu groß" ist, dass das Format auch in absehbarer Zeit nicht den gewünschten Erfolg haben wird. Belastend wirkte sich außerdem die "anhaltende negative öffentliche Diskussion" in Zusammenhang mit "MiA" aus, die "zu einem negativen Imagefaktor für das Gesamtprogramm des ORF wird", so Wrabetz. Es sei seine Aufgabe, "auf vorliegende Fakten konsequent zu reagieren", auch wenn er bedauere, "dass der erste Versuch, eine tägliche österreichische Unterhaltungsserie zu etablieren, nicht gelungen ist".

Produktionsfirma überrascht
Für die Produktionsfirma von "MiA" dürfte die Entscheidung des ORF-Chefs überraschend gekommen sein. Sie wurde erst jetzt darüber informiert, dass die Produktion der Serie so rasch wie möglich einzustellen ist. Jene Folgen, die schon produziert beziehungsweise in der Fertigstellungsphase sind, werden vom ORF noch abgenommen. "Über deren Einsatz wird zu entscheiden sein", ließ sich der ORF-Chef die Möglichkeiten offen.

Kommt "MiA"-Nachfolger?
Trotz des Flops mit der österreichischen Daily will der ORF von diesem Projekt grundsätzlich nicht ablassen: Wrabetz kündigte an, die zuständigen Abteilungen zu beauftragen, Alternativen für eine österreichische Produktion für den "MiA"-Sendeplatz zu entwickeln. Allerdings will man sich diesmal Zeit lassen: "Dieser Prozess wird mehrere Monate in Anspruch nehmen, so dass ein durchgängiges eigenproduziertes Format realistisch erst gegen Ende 2008 zur Verfügung stehen wird", kündigte der ORF-General an.

"Malcolm" löst ORF-Flop ab
Statt "Mitten im Achten" bekommen die Zuseher demnächst die x-te Wiederholung von "Malcolm mittendrin" zu sehen. Das bestätigte Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Der Programmchef, der die Verantwortung für den Serienflop auf seine Kappe nimmt, bedauert das Ende der Sitcom, hält es aber für den richtigen Schritt. "Leider Gottes hat der Plan nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass "MiA" dieses Schicksal nicht verdient hat."

"MiA"-Format verteidigt
"Mitten im Achten" sei ein Format "wie jedes andere auch" gewesen. "Ich sehe noch immer keine Qualitätsunterschiede zwischen "MiA" und "GZSZ" oder "Verliebt in Berlin'". Dass die Zuseher trotzdem lieber bei der RTL-Serie "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" eingeschaltet haben, erklärt Lorenz damit, "dass in dieser Zeitzone im ORF bisher nichts funktioniert".

Weder "Newton" noch "Vera exklusiv" noch eben "MiA" kämen auf die erwünschen Quoten. "Offenbar sind die Umgewöhnungsschwierigkeiten des Publikums größer, als wir erwartet haben."

"Malcolm" als Quotengarant
Weshalb man bei der Kaufserie auf "Malcolm" setzt, das selbst im ORF schon einige Male wiederholt wurde? "Es gibt nichts Erfolgreicheres. 'Malcolm' erzielt bei allen anderen Sendern immer noch super Quoten", erläuterte der Programmchef, dem selbst "zugegebenermaßen ein neues Format lieber gewesen" wäre.

Die groteske US-Sitcom soll zunächst im Rahmen der Sommerprogrammierung laufen, wie es danach weitergeht, sei noch zu entscheiden.

Rückendeckung für Wrabetz aus Stiftungsrat
Für seine Entscheidung, "Mitten im Achten" abzusetzen, bekommt ORF-Chef Alexander Wrabetz Rückendeckung aus dem Stiftungsrat. Karl Krammer, Leiter des roten "Freundeskreises" betonte gegenüber der APA, es sei wichtig und begrüßenswert, "dass eine konsequente Entscheidung getroffen wurde". Auch Franz Medwenitsch, Leiter des VP-"Freundeskreises" sprach von einem "richtigen Schritt aber auch einer riesen Blamage für den ORF".

Es sei wichtig, Entscheidungen "in time" zu treffen und nicht zuzuwarten, wenn ein Format nicht die erhofften Erwartungen erfüllt, meinte Krammer. Von einer Blamage will er freilich nichts wissen. "Ich finde nichts dabei, dass ein Format abgesetzt wurde. Es ist nicht so, dass da irgendwas gescheitert ist" - und vor allem dürfe man nicht gleich die ganze Reform verurteilen.

Kostenfrage
Zumindest teilweise gescheitert sieht Medwenitsch die Reform, deren zentrales Element das Ende der ZiB-Durchschaltung und die Stärkung von Eigenproduktionen war. Dieses Ziel sei nicht erreicht. Wie auch der ÖVP-Mediensprecher Franz Morak fragte Medwenitsch nach den Kosten für das gefloppte Experiment, die der Generaldirektor offen legen müsse. Morak forderte Alexander Wrabetz auf, die Verantwortung zu übernehmen und warnte davor, "den 'Schwarzen Peter' an der 'Mitten im Achten'-Katastrophe anderen in die Schuhe zu schieben".

Wrabetz selbst meinte zu diesem Vorwurf: "Natürlich bin ich für alles im Unternehmen zuständig und werde jetzt nicht behaupten, dass 'MiA' an mir vorbei ins Programm geschmuggelt wurde. Zurufe von der Politikgalerie halte ich aber für entbehrlich." Seinem Programmdirektor will Wrabetz nicht in den Rücken fallen und verwies auf dessen "schwierige und ambitionierte Projekte", die eben manchmal auch schief gehen könnten. Auf die Frage, inwiefern etwa die Programmierung von "Julia" als schwieriges Projekt zu werten sei, meinte er knapp: "Ich freue mich, dass wir jetzt richtig planen".

"Nichts in den Wind geschossen"
Davon dass er mit dem Soap-Flop Geld in den Wind geschossen habe will der ORF-Chef nichts wissen: "Wir haben nichts in den Wind geschossen. Wir werden alle Folgen, die produziert wurden, auch irgendwann einmal im Programm einsetzen". Wann das sein wird, stehe noch nicht fest. Krammer erwartet mit dem Ende von "MiA" eine positive Wirkung auf den Finanzplan des ORF, der dadurch noch gestärkt werde.

Wie auch Krammer sieht Wrabetz seine Entscheidung als logische Konsequenz aus der anhaltenden Diskussion um "MiA", die es abzukürzen galt. "Wir müssen jetzt sehen, dass wir in eine Positivdiskussion kommen". Schließlich habe sich mit "Sommerzeit", das seit Montag statt "Julia" ausgestrahlt wird, gezeigt, dass man positive Wirkung erzielt, wenn man es nur richtig anpackt und "einen Problempunkt ausmerzt", so Wrabetz.

(apa/red)

13.6.2007 22:53

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