Montag, 10. Dezember 2007

Teurer Rohrkrepierer statt Quoten-Rakete:
"Mitten im Achten" extrem teurer ORF-Flop

  • Kosten sollen 6,5 Millionen Euro betragen haben
  • Statt 400.000 Zuschauern zuletzt nur noch 100.000

Der ORF sagt sich vom einstigen Herzstück der Programmreform los und zieht die Konsequenz aus der anhaltenden Quotenmisere. Für "Mitten im Achten" fällt dieser Tage die letzte Klappe. Ursprünglich wollte ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz mit der Sitcom "Qualität und Mehrwert" in den Unterhaltungsbereich bringen. Bei der Präsentation von "MiA" sprach er noch von einer "Talentprobe für den ORF" und ORF-Chef Alexander Wrabetz hoffte, mit Hilfe der Serie und der neuen "Zeit im Bild" den Marktanteil in der Zeitzone zwischen 19.00 und 20.15 Uhr um zwei Prozentpunkte von 55 auf 57 Prozent erhöhen zu können. Die ursprüngliche Zielvorgabe für "Mitten im Achten" lag bei 400.000 Sehern - die das Format jedoch nie erreichte.

Hatte Lorenz zunächst noch im Programmausschuss des Publikumsrats seine "persönliche Haftung" für den Erfolg der Daily Sitcom angekündigt, ruderte er unmittelbar vor dem Start der Reform zurück und betonte: "Wahr ist, MiA liegt uns am Herzen, aber es ist nicht das Herzstück der Programmreform." Es habe im Vorfeld einen Wirbel um die Serie gegeben, "als ginge es um die Rettung der Nation, oder als hätten wir hier eine Geheimwaffe".

Dass es sich bei der Sitcom um alles andere als eine "Geheimwaffe" handelte, wurde bereits in den ersten Tagen nach Start der Programmreform am 10. April deutlich. Während "MiA" am ersten Tag noch 364.000 Neugierige vor dem Bildschirm versammeln konnte, ging es bereits am zweiten Tag bergab auf 289.000. Am dritten Tag wollten nur mehr 187.000 Zuseher einschalten. "Wir brauchen jetzt gute Nerven und Zeit", gab Lorenz zu diesem Zeitpunkt die Devise vor. Das Aussitzen konnte die Quoten-Talfahrt freilich nicht stoppen. In der zweiten Woche der Programmreform purzelte "Mitten im Achten" auf rund 160.000 Zuseher.

Bei einer Sitzung des Publikumsrats Anfang Mai wurden auch erste kritische Stimmen aus den ORF-Gremien laut. Der bürgerliche Publikumsrat Andreas Kratschmar, Vorsitzender des Programmausschusses, sprach von einem "Bauchfleck mitten im Seichten". Als die rekordverdächtig schlechten ORF-April-Quoten bekannt wurden, räumte Wrabetz ein, dass die Reichweite der Serie "insgesamt noch steigerbar sei. In der Folge feilte man im ORF an Sprache und Themen der Sitcom und versuchte, das Format "soapiger" zu gestalten. Außerdem lud man Promis wie Armin Assinger oder Starmaniac Mario Lang ein.

An den Quoten änderte das nichts. Nach nur zwei Monaten gab der ORF das Ende der Sitcom bekannt. Am 29. Juni wurde "MiA" das letzte Mal um 19.20 Uhr auf ORF 1 ausgestrahlt. "Mitten im Achten" erlitt damit ein ähnliches Schicksal wie sein holländisches Vorbild "Samen", das aber immerhin vier Monate überlebte, bevor es wegen schlechter Quoten aus dem Programm genommen wurde. Die Kosten für "Mitten im Achten" wurden mit 6,5 Millionen Euro angegeben. Damit verschlang das Soap-Experiment einen Großteil der rund zehn Millionen Euro teuren Programmreform.

(apa/red)

10.12.2007 16:15