"Indy tut zu wenig": Poker um US-Grand-
Prix in Indianapolis geht munter weiter
- Hersteller und Sponsoren wollen gerne weiterfahren
·Formel 1: Grand Prix
in Indien ab 2009 fix
Ecclestone droht aber
Indianapolis mit Abzug
Der Poker um den US-Grand-Prix geht in die nächste Runde. Nach einem Treffen zwischen Indianapolis-Streckenchef Tony George und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wurde die Entscheidung über eine Verlängerung des zum Jahresende auslaufenden Vertrages vertagt. "Mal abwarten, was passiert", sagte George, der gehofft hatte, schon am Renn-Wochenende alles unter Dach und Fach zu bringen.
"Beim Treffen mit Bernie hat Tony betont, dass wir weitermachen wollen, und wir glauben, dass auch Bernie das will", teilte Joie Chitwood, der Geschäftsführer der berühmten Rennstrecke im Mittleren Westen der USA, nach dem 25 Minuten dauernden Gipfeltreffen mit.
Nach dem Korb von Ecclestone machen die US-Amerikaner Druck - bis zum 12. Juli soll eine endgültige Entscheidung getroffen werden. "Dann müssen wir mit der Arbeit beginnen", erklärte Chitwood. Man hofft auf die sechs Automobil-Hersteller BMW, Ferrari, Honda, Mercedes, Renault und Toyota, die unbedingt weiter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fahren wollen.
"Lieber zwei Mal als drei Mal", sagte etwa BMW-Motorsportchef Mario Theissen. Dabei sei es egal, ob in "Indy" oder auf anderen Strecken gefahren werde. "Der Automobilmarkt in den USA ist für Mercedes-Benz der größte außerhalb Deutschlands", unterstrich auch Motorsportchef Norbert Haug die Wichtigkeit eines Grand Prix in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Trotz der Bedeutung für Hersteller und Sponsoren geht Ecclestone auf Konfrontationskurs. Einer lokalen Fernsehstation sagte der Brite, dass er nicht auf die Auto-Konzerne hören werde. Außerdem glaube er, dass für den US-Grand-Prix nicht genügend Werbung gemacht werde.
"Indy tut zu wenig", betonte Ecclestone einmal mehr vor dem siebenten WM-Lauf der Saison. "Wir kommen in die Stadt - und was sehen wir? Werbe-Banner für das 'Indy 500'! Das ist nicht wirklich der ideale Weg, um die Formel 1 zu promoten." Deshalb könne der Grand Prix auch in einer anderen Stadt - wie Las Vegas oder New York - gefahren werden. Zudem benötige die Formel 1 nicht unbedingt ein US-Rennen.
"Wir können nicht alle Faktoren der öffentlichen Wahrnehmung kontrollieren", entgegnete George. Der Indy-Chef erinnerte an den Grand Prix 2002, als Michael Schumacher seinem Teamkollegen Rubens Barrichello den Sieg geschenkt hatte. Oder an das Reifen-Debakel im Jahr 2005, als nur sechs Autos am Start waren. Danach musste Ecclestone den Indianapolis Motorspeedway entschädigen - das Formel-1-Startgeld wurde erheblich reduziert.
Angeblich mussten die Indy-Macher mit umgerechnet 7,7 Millionen Euro weniger als ein Drittel dessen bezahlen, was Ecclestone für das Valencia-Rennen, das im kommenden Jahr erstmals im Formel-1-Kalender aufscheinen wird, bekommen soll. "Warum sollen wir in Amerika für die Hälfte des Geldes fahren, das wir anderswo bekommen?", fragte deshalb der Engländer.
In den USA hat die Formel 1 arge Akzeptanzprobleme. "Wir verkörpern nicht unbedingt den American Way of Life", sagte etwa der Wahl-Salzburger Ralf Schumacher. In den Staaten rasen Indy-Cars, Nascars oder Champcars auf der Überholspur. Zum "Indy 500" pilgern Jahr für Jahr rund 400.000 Zuschauer ins Motorsport-Mekka Indianapolis. Zur F1-Premiere im Jahr 2000 kamen zwar über 200.000 Zuschauer in den "Nudeltopf", im Vorjahr waren es aber nur noch halb so viel. Der Schnitt liegt bei 125.000 Besuchern. Dabei sind die Preise für die Eintrittskarten wesentlich günstiger als in Europa.
(apa/red)
