Samstag, 16. Juni 2007

Nächstes Kapitel in der Doping-Affäre: ÖSV-
Disziplinarkommission verfolgt heiße Spur

  • Richter Riebenbauer: "Das Bild rundet sich ab"

Unter dem Vorsitz des Kärntner Richters Arnold Riebenbauer hat die Disziplinar-Kommission des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) erneut Befragungen im Zuge der Turiner Doping-Affäre vorgenommen. "Es war interessant und sehr informativ. Wir haben einiges weitergebracht, das Bild rundet sich ab. Vor allem verfolgen wir eine gewisse Spur im Blutdoping", lautete das Resümee von Riebenbauer.

So konnte etwa schon eingegrenzt werden, von wo Biathlet Wolfgang Perner, der des Blutdopings überführt worden ist, seine Blutbeutel bezogen hat, wie Riebenbauer im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur betonte. Perner selbst sollte am Freitag ebenfalls von der Kommission befragt werden, fehlte aber ebenso entschuldigt wie die ehemaligen Langlauftrainer Emil Hoch und Walter Mayer. Auch Dieter Kalt, der als Mitglied der Sportkommission des ÖOC als interessierter Zuhörer und Berichterstatter geladen war, konnte den Termin in Innsbruck nicht wahrnehmen.

Ein Carabinieri aus Italien war dagegen anwesend und bestätigte in seiner Einvernahme, dass Biathlet Wolfgang Rottmann jenen Plastiksack, in dem der verbotene Blutplasmaexpander Human-Albumin gefunden wurde, aus dem Fenster geworfen habe. Zu den acht Personen, die am Freitagvormittag befragt wurden, gehörten weiters die Biathleten Fritz Pinter, Daniel Mesotitsch, Christoph Sumann und Ludwig Gredler sowie Trainer Alfred Eder und auch noch ein Vertreter jener Firma, die die inkriminierten Blutbeutel erzeugt und vertreibt. "Es gibt aber keine neue Evidenz, dass andere außer Perner und Rottmann Doping betrieben haben", erklärte Riebenbauer.

Weiters wurde ein Experte der Blutbank in Eugendorf (Salzburg) vernommen sowie ein Sportagent, von dem angenommen wird, dass er ein Mittelsmann zwischen Blutbank und Sportlern gewesen sei. "Während die Aussagen des Experten der Blutbank sehr hilfreich waren, war uns der Agent keine große Hilfe, wenngleich wir uns auf Grund seiner Reaktionen ein gewisses Bild machen konnten", erläuterte Riebenbauer.

Bezüglich der vier Langläufer Roland Diethart, Johannes Eder, Jürgen Pinter und Martin Tauber, die so wie Perner und Rottmann vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) lebenslang für Olympische Winterspiele gesperrt wurden, hofft Riebenbauer, dass schon bald Urteile von Seiten des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne vorliegen werden.

"Das IOC wirft ja den vier Langläufern vor, dass sie eine unerlaubte Methode besessen hätten. Und bei diesem Vorwurf des Besitzes gehen die Rechtsmeinungen auseinander, da gibt es unter den Juristen Auffassungsunterschiede", präzisierte der Richter aus Kärnten, der mit den anderen Mitgliedern der Disziplinar-Kommission im Juli einen Gesamtbericht veröffentlichen will. "Ich hoffe, dass wir im Juli einen Schlussstrich unter diese Causa ziehen können. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass wir mit mühsamer kriminalistischer Kleinarbeit erfolgreich sein werden."

Den Anwälten der vier Langläufern wird im Hinblick auf die CAS-Anhörung auch jenes DNA-Gutachten von Dr. Walter Rabl, gerichtsmedizinischer Sachverständiger und DNA-Experte, als Beweismaterial zur Verfügung gestellt werden, laut dem Diethart, Eder, Pinter und Tauber keine DNA-Spuren zugeordnet werden konnten. "Es gibt also Spuren, die nicht unseren Athleten zuordenbar sind", betonte Riebenbauer, der in diesem Zusammenhang mit einem interessanten Detail aufwartete: "Emil Hoch hat bei seiner ersten Vernehmung angegeben, dass sich der (von ihm betreute, Anm.) Liechtensteiner Markus Hasler selbst eine Kochsalzinfusion gelegt hat. Doch damit muss sich der Liechtensteiner Verband bzw. das IOC beschäftigen."

Da diese Art der Infusion im Jahr 2006 bereits verboten war, droht also auch Hasler eine Sperre. Johannes Eder war etwa ein Jahr lang gesperrt worden, weil er sich bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin am Vorabend des Staffelbewerbs wegen Durchfalls im Quartier in Pragelato eine Infusion mit Kochsalzlösung verabreicht hatte. Neben dem Liechtensteiner haben aber auch noch andere Athleten mit den Österreichern trainiert, von denen die nicht zuordenbaren DNA-Spuren ebenfalls stammen könnten.

"Das IOC wird sich viele Fragen gefallen lassen müssen, auch weil das CAS über dem IOC steht", sagte Riebenbauer, für den das Gutachten von Rabl besonderes Gewicht hat. "Das IOC hat ja wie das ÖOC bisher selbst nichts untersucht und sich nur auf die italienischen Gutachten verlassen, die aber zum Teil fehlerhaft sind."

(apa/red)

16.6.2007 11:07