Sonntag, 17. Juni 2007

Misshandlungen in Guantanamo: Spezielle Schläger-Teams auf Gefangene angesetzt

  • Ex-US-Armeeangehöriger berichtet über das Grauen
  • Zustände in Isolationshaft seien menschenverachtend

Ein ehemaliger US-Armeeangehöriger hat Misshandlungen im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba bestätigt. Spezielle Teams hätten willkürliche Strafaktionen gegen Gefangene vorgenommen, sagte der einstige US-Militärseelsorger James Yee, der auch den aus Bremen stammenden Gefangenen Murat Kurnaz betreut hatte, in der Aufzeichnung der ARD-Sendung "Beckmann".

Die Wärter hätten sich Vorwände ausgedacht, damit die so genannten IRF-Teams (Immediate Reaction Force) gekommen seien, um die Gefangenen zu verprügeln, sagte Yee, der damals den Rang eines Captains hatte. Die Zustände in der Isolationshaft seien menschenverachtend gewesen. "Das sind auf jeden Fall die schlimmsten Bedingungen in Guantanamo." Deshalb würden die entsprechenden Hafträume vor der Weltöffentlichkeit geheim halten. Journalisten und andere Besucher bekämen diese Räume nicht zu sehen.

Yee traf in der Sendung nun auch Kurnaz wieder. Murat Kurnaz habe er vor der Sendung "sofort" erkannt, auch wenn der türkischstämmige Bremer heute "viel kräftiger und stärker" aussehe. Die meisten Inhaftierten seien sehr schwach gewesen.

Alle Missstände hat Yee laut eigener Aussage einst seinen Vorgesetzten gemeldet - worauf er selbst ins Visier der US-Armee geraten sei: "Als ich diese Sachen gesehen habe, habe ich das natürlich bei meinem Kommandanten angesprochen", sagte Yee. "Ich denke, das war einer der Gründe, warum ich selbst unter Verdacht geriet und zum Ziel wurde." Nach zehn Monaten Dienst im Gefangenenlager wurde Yee unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet. Doch die Anklage erwies sich als haltlos. Im Jänner 2005 wurde er ehrenhaft aus der US-Armee entlassen.

Kurnaz war 2001 nach Pakistan gereist, dort festgenommen und US-Militärs übergeben worden. Er wurde erst in Afghanistan festgehalten und saß danach mehr als vier Jahre lang im US-Gefangenenlager Guantanamo - ohne Beweis für ein Vergehen. Erst nachdem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang 2006 den Fall bei einem Besuch in den USA angesprochen hatte, kam der heute 24-Jährige am 24. August 2006 frei. Nach fast fünf Jahren kehrte Kurnaz nach Deutschland zurück.
(Schluss) fre

17.6.2007 17:21