Samstag, 16. Juni 2007

Krisenherd Naher Osten: Fatah-Kämpfer stürmen Hamas-Einrichtungen in Ramallah

  • Arafats Haus von Hamas-Kämpfern geplündert
  • Hamas-Anhänger entführt, Fatah-Mitglieder getötet

Die Kluft zwischen den palästinensischen Gebieten Gaza-Streifen und Westjordanland wird immer größer. Hunderte Fatah-Kämpfer stürmten Einrichtungen der Hamas in Ramallah. In Nablus bemächtigten sich Fatah-Aktivisten der Stadtverwaltung, sieben Hamas-Aktivisten wurden entführt. In Hebron übernahmen Fatah-Anhänger nach eigenen Angaben die Kontrolle in Büros des Innen- und des Bildungsministeriums. Sie warnten Angestellte, die loyal zur Hamas stehen, vor einer Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Nach der Niederlage der Fatah im Gaza-Streifen beruhigte sich die Lage etwas. Milizen der Hamas gingen in den Straßen von Gaza gegen Plünderer vor, berichteten Augenzeugen. Ein Polizeikommandant ließ vom Westjordanland aus die Polizisten im Gaza-Streifen anweisen, in den Wohnungen zu bleiben und Hamas-Befehle nicht zu befolgen.

Arafats Haus geplündert
Hamas-Kämpfer sprengten das Haus eines prominenten Fatah-Mitglieds und plünderten auch das Haus des verstorbenen palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Gaza. Beobachter werteten dies als Versuch, nach dem Sieg der Hamas auch das höchste Symbol der geschlagenen Fatah zu zerstören.

Auch das Haus des früheren Fatah-Sicherheitschefs Mohammed Dahlan in Gaza wurde geplündert. Rund 50 führende Fatah-Vertreter aus dem Gaza-Streifen, die vor der Gewalt flohen, trafen in Ramallah ein. Zahlreiche Bewohner des Gaza-Streifens drängten sich am Übergang Erez an der Grenze zu Israel, wo es ebenfalls zu Plünderungen kam. Israel ließ nach eigenen Angaben einige wenige aus "humanitären Gründen" einreisen.

Geld für Regierung ohne Hamas
Der US-Generalkonsul in Jerusalem, Jacob Walles, stellte Präsident Mahmoud Abbas ein Ende des Finanzboykotts im Bereich des Westjordanlandes in Aussicht. Das Embargo solle aufgehoben werden, sobald eine neue Regierung ohne Beteiligung der Hamas stehe, erklärten Vertraute des palästinensischen Präsidenten nach dessen Treffen mit Walles in Ramallah.

Vier Tote im Gazastreifen
Hamas-Kämpfer haben im Gazastreifen mindestens vier Fatah-Mitglieder getötet und elf weitere verletzt. Nach Angaben aus Krankenhauskreisen kam es unter anderem in Khan Yunis im Süden zu Auseinandersetzungen, als die Hamas-Kämpfer weiter Waffen beschlagnahmten.

Unterdessen versuchten hunderte der Fatah nahe stehende Palästinenser über Israel aus dem Gazastreifen ins Westjordanland zu entkommen, wie Augenzeugen berichteten. Sie saßen den Angaben zufolge am Grenzübergang Erez fest. Israelische Soldaten hätten Warnschüsse abgefeuert, um Dutzende Flüchtlinge daran zu hindern, nach Israel einzudringen.

(apa/red)

16.6.2007 22:56