Samstag, 16. Juni 2007

Polizistinnenmord in Deutschland: Polizei verhaftet zwei Verdächtige in Oberösterreich

  • Gehören zu Bande, die den Mord verübt haben soll
  • Hauptverdächtige ist aber noch immer auf der Flucht

Das Landeskriminalamt Oberösterreich hat zwei Verdächtige ausgeforscht, die einer Bande angehören, die in Verbindung zu dem Aufsehen erregenden Mord an einer jungen deutschen Polizistin stehen soll. Die beiden Männer seien überhaupt nicht kooperativ und würden sich ausschweigen, berichtete der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl. Die Frau, die die Beamtin Ende April in Heilbronn (Baden-Württemberg) umgebracht und einen Kollegen schwer verletzt haben soll, konnte vorerst nicht gefasst werden.

Sie sei "die Spitze des Eisbergs", betonte Lißl. Er beschrieb die Frau als "äußerst brutal". Spuren der vermutlich drogenabhängigen Mordverdächtigen fanden sich in verschiedensten Gegenden Österreichs: Ihre DNA wurde von 2005 bis Anfang März 2007 an zwölf Tatorten in Oberösterreich und bereits 2004 in Tirol sichergestellt. Durch grenzüberschreitende Ermittlungen stellte sich heraus, dass der genetische Fingerabdruck auch bei zwei Raubmorden in Deutschland im Jahr 1993 und 2001 gesichert wurde. Zudem soll eine Vielzahl an Einbrüchen und Überfällen auf ihr Konto gehen.

Die Ermittlungen haben ihren Schwerpunkt in Österreich, wo Ende April durch das Bundeskriminalamt eine eigene Soko gegründet worden war, und Deutschland. Man stehe aber auch in persönlichem Kontakt mit angrenzenden Staaten, so Lißl. Die Fahnder gehen von einer kriminellen Gruppierung aus, der u.a. die mutmaßliche Mörderin und die beiden gefassten Tatverdächtigen - ein Serbe und Pole - angehören, die Eigentumsdelikte verübt, aber auch vor schweren Gewalttaten nicht zurückschreckt.

Da das Duo "keinerlei Kooperationsbereitschaft" zeige, würden sich die Ermittlungen derzeit auf Spurenvergleiche konzentrieren, erklärte Lißl. Die deutschen Ermittler haben für Hinweise, die zur Ermittlung und Ergreifung der Täter führen, 100.000 Euro ausgesetzt.

Am 25. April war die 22 Jahre alte Polizistin in Heilbronn mit Kopfschüssen getötet worden. Ihr 24-jähriger Kollege, der ebenfalls am Kopf getroffen wurde, überlebte schwer verletzt. Ein Passant fand die Opfer neben ihrem Dienstwagen liegend. Ihre Dienstwaffen und die Handschellen fehlten.

Spur führt nach Frankreich
In den Ermittlungen gibt es auch eine Spur nach Frankreich: Dort sei ebenfalls DNA der Verdächtigen sichergestellt worden, berichtete der Leiter des Landeskriminalamtes, Rudolf Keplinger. Details konnte er aber aus ermittlungstechnischen Gründen nicht nennen.

Keplinger beschrieb die Gruppierung, der eine Vielzahl von Verbrechen angelastet wird, als sehr mobil. Aus diesem Grund arbeite man auch intensiv mit anderen Staaten zusammen. In einem anderen Land außer Deutschland, Österreich und Frankreich sei aber vorerst kein Treffer erzielt worden, so der Kriminalist.

Eine Angabe zur Größe der Bande könne er nicht machen. Eine Schätzung wäre "unseriös", so Keplinger.

(apa/red)

16.6.2007 16:11