Mittwoch, 13. Juni 2007

Schwere Vorwürfe gegen Grenz-Akw: Hat Temelin einen Zwischenfall verheimlicht?

  • "Südböhmische Mütter": Akw gab Info nicht weiter!
  • AKW bestätigt manuelle Abschaltung des Reaktors

Das südböhmische Atomkraftwerk Temelin hat nach Auffassung der tschechischen ökologischen Bewegungen "Südböhmische Mütter" und "Calla" einen Zwischenfall verheimlicht. Dazu sei es am 19. Mai gekommen, als Mitarbeiter des Kraftwerks den Reaktor des ersten Blocks bei Tests wegen des nicht funktionierenden Schutzes des Generators manuell abschalten mussten. Allerdings habe der Tschechische Energiekonzern (CEZ) über das Ereignis nicht informiert. In einer Presseaussendung der Plattform "atomstopp_oberoesterreich" hieß es zu dem Vorfall, "leicht radioaktiv kontaminierter Dampf" dürfte "bewusst in die Atmosphäre abgelassen worden sein".

Der Sprecher des AKW Temelin, Marek Svitak, bestätigte gegenüber der APA die manuelle Abschaltung des Reaktors. Diese sei im Rahmen der im Voraus geplanten Tests erfolgt. Da der elektrische Schutz des Generators nicht gewirkt habe, sei dies manuell getan worden. "Dies ist im Einklang mit den Vorschriften geschehen, und die Staatliche Behörde für atomare Sicherheit (SUJB) wurde darüber informiert", betonte Svitak.

Er versicherte weiters, dass der Vorfall keine Auswirkung auf die Sicherheit des Kraftwerks gehabt habe. Laut der internationalen INES-Skala sei er mit der Stufe 0 (Null), der niedrigsten Stufe, bewertet worden. Gleichzeitig dementierte der Temelin-Sprecher, dass es zum Entweichen eines leicht radioaktiv kontaminierten Dampfes gekommen sei.

Die tschechischen Atomgegner warfen auch der SUJB vor, das Geschehene verheimlicht zu haben. Der Sprecher von SUJB, Pavel Pittermann, beharrte jedoch darauf, dass es in diesem Fall keine Pflicht gegeben habe, die Öffentlichkeit zu informieren. "Dazu hat es keine technischen Gründe sowie keine Gründe aus der Sicht der atomaren Sicherheit gegeben", sagte Pittermann gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

Die tschechischen Atomgegner gaben an, CEZ sei es gelungen, den Zwischenfall wegen der geplanten Blockabstellung geheim zu halten. CEZ habe die Medien nur über die erfolgreiche Probe der Cluster im ersten Block und über den Rotorenaustausch der Turbine im 2. Block informiert. CEZ bemühe sich, Temelin in möglichst gutem Licht zu präsentieren, und eine Meldung über einen weiteren Zwischenfall würde das Image des Kraftwerkes sicher nicht verbessern, so die Vertreter der tschechischen ökologischen Vereinigungen.

Die Plattform "atomstopp_oberoesterreich" bezog sich in ihrer Aussendung auf Informationen von tschechischen Anti-Atom-Organisationen. Erst auf deren Anfrage habe die Aufsichtsbehörde SUJB den bereits rund vier Wochen zurückliegenden Zwischenfall bestätigt. Das Informationsabkommen mit Österreich sei "wissentlich nicht erfüllt" worden, so die Atomgegner weiter: "Die Reaktion der Atomaufsichtsbehörde zeigt, dass man die Probleme in Temelin nach wie vor nicht ernst nimmt."
(APA/red)

13.6.2007 16:33