Mittwoch, 13. Juni 2007

Anschlag auf Goldene Moschee in Samarra:
Zwei Minarette des Heiligtums eingestürzt!

  • "Terroristischer Akt um religiöse Gewalt anzufachen"
  • Irakische Regierung hat Ausgangssperre ausgerufen

Extremisten haben erneut einen Sprengstoffanschlag auf die Goldene Moschee von Samarra verübt, eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten der Schiiten im Irak. Nach Polizeiangaben wurden die beiden vergoldeten Minarette der Moschee vollständig zerstört. Bei einem ersten Attentat auf die Grabmoschee im Vorjahr war die vergoldete Kuppel des Bauwerks stark beschädigt worden.

Dies hatte im Februar 2006 eine verheerende Welle der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten ausgelöst, der seither mindestens 15.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Polizei berichtete, diesmal seien vor der Explosion der Sprengsätze auf dem Gelände der Moschee mehrere Mörsergranaten eingeschlagen. Das Areal sei seit dem ersten Anschlag von Einheiten der Armee und des Innenministeriums bewacht worden.

Ausgangssperre
Die irakische Regierung hat nach dem Attentat für die Hauptstadt Bagdad eine Ausgangssperre ausgerufen. Ab 15.00 Uhr nachmittags Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) dürften die Menschen ihre Häuser bis auf weiteres nicht mehr verlassen, teilte das Büro von Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Mittwoch mit.

Die Bewegung des Schiitenführers Moktada al-Sadr hat ihre Anhänger dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Gleichzeitig kündigte die Partei Sadrs am Mittwoch an, sich aus Protest gegen das Attentat in Samarra aus dem irakischen Parlament zurückziehen zu wollen. Kämpfer von Sadrs Mahdi-Miliz hatten sich nach dem Attentat im Februar 2006 an der sunnitischen Bevölkerung in der Hauptstadt Bagdad gerächt. Das Land schlitterte an den Rand eines Bürgerkriegs.

In der auch als Goldene Moschee bekannten Askariya-Moschee von Samarra befinden sich die Grabstätten des 10. und 11. Imams der Schiiten, die 868 beziehungsweise 874 starben. Beide sind Nachkommen des Propheten Mohammed und gelten im schiitischen Islam als dessen rechtmäßige Erben. Die Schiiten stellen im Irak die Bevölkerungsmehrheit und waren einst von dem Regime Saddam Husseins unterdrückt worden.

Der Vorsitzende der religiösen Stiftung der Sunniten in Samarra, Scheich Ahmed al-Samarai, verurteilte den Anschlag und rief die Iraker auf, "sich nicht in Konflikte zwischen den Religionsgruppen hineinziehen zu lassen".

In Bagdad wurde unterdessen der Herausgeber der regierungsnahen Tageszeitung "Al-Sabah" entführt. Ein Mitglied der irakischen Journalistengewerkschaft teilte mit, Falih Wadawi Majdhaf sei im Osten der Hauptstadt verschleppt worden.

Mit mehreren Sprengsätzen zerstörten Extremisten am Mittwoch im Nordirak eine Brücke, die die wichtigste Verbindung zwischen den Städten Tikrit und Kirkuk war. Es war bereits der vierte Anschlag auf eine Brücke im Irak innerhalb von vier Tagen.

Zwei weitere US-Soldaten getötet
Bei der Detonation von Sprengsätzen am Straßenrand wurden zwei weitere US-Soldaten getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Die Anschläge ereigneten sich im Osten und im Süden von Bagdad. Des weiteren kam bei Kämpfen in der Unruheprovinz Anbar ein Marineinfanterist ums Leben.

(apa/red)

13.6.2007 12:55