ÖVP weicht ihre Vorschul-Haltung auf: Kein klares Nein mehr gegenüber Pflichtangebot
- Molterer ist für Pflicht-Sprachkurse bei Defiziten
- Vorgezogene Einschulung wäre mögliche Lösung
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ÖVP-Chef Vizekanzler Molterer rückt ein wenig von dem bisherigen strikten Nein der ÖVP-Spitze zu einem verpflichtenden Vorschuljahr ab. In einem Interview plädiert er für verpflichtende Angebote für Kinder mit Sprachdefiziten im Kindergarten.
Der "Grad der Verpflichtung" müsse verstärkt werden, da freiwillige Angebote zu wenig genutzt worden sein, meint Molterer im "Neuen Volksblatt". Auch Wirtschaftsminister Bartenstein plädiert in den "Oberösterreichischen Nachrichten" für eine Verpflichtung zu Sprachkursen.
Konkret verweist Molterer auf Tickets für Sprachkurse. Der Bund habe zuletzt rund 8.500 solcher Tickets angeboten, von denen nur ein Bruchteil eingelöst worden sei. Und wenn das Sprach-Ticket nur von wenigen genutzt wird, "muss offenbar der Grad der Verpflichtung für die, die es benötigen, verstärkt werden".
Schuleinschreibung vorziehen
In der Praxis könnte es so funktionieren, dass die Schuleinschreibung - wie in den meisten Bundesländern - um ein Jahr vorgezogen wird. Stellt der Schulleiter dabei Sprachdefizite fest, "ist das Jahr bis zum Schuleintritt zu nutzen - für Sprachvermittlung im Kindergarten", sagte der Vizekanzler. Und befragt, ob dies für Ausländer- und Inländerkinder gelten soll, meinte er: "Das ist keine Frage der Staatsbürgerschaft, sondern einzig, ob das Kind ausreichend Deutsch beherrscht, um dem Unterricht folgen zu können."
Bartenstein spricht sich gegen ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder aus, aber ist für Maßnahmen "zielgerichtet" in Richtung der Kinder mit Sprachproblemen. "Wenn es Defizite gibt, muss es eine Verpflichtung zu Sprachkursen geben, aber eher im Kindergarten", sagt der Wirtschaftsminister.
Zuvor hat die ÖVP in ihrem Vorstandsbeschluss nicht nur der Gesamtschule, sondern auch dem verpflichtenden Vorschuljahr eine Absage erteilt.
(apa/red)
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