Mittwoch, 13. Juni 2007

Immer mehr Gewalt in Österreichs Schulen:
"Bullying" betrifft schon alle Altersklassen

  • Körperliche Attacken und Verbreiten von Gerüchten
  • Gegenmaßnahme: An neuer Strategie wird gefeilt

Bis Oktober soll das vom Unterrichtsministerium in Auftrag gegebene Konzept für eine Gesamtstrategie gegen Gewalt an Schulen stehen. Als Vorbilder dafür dienen laut der mit der Ausarbeitung beauftragten Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) unter anderem Modelle wie das "Zero"-Programm in Norwegen oder das "friendly schools"-Programm in Australien.

Das Phänomen Gewalt in seinen unterschiedlichsten Ausformungen sei in Österreich im internationalen Vergleich stark ausgeprägt, so Spiel am Mittwoch vor Journalisten: "Wir können nicht sagen, bei uns ist es nicht so schlimm."

Als Beleg führte sie etwa eine vor einigen Jahren erschienene WHO- Vergleichsstudie an, laut der Österreich beim so genannten "Bullying", also dem Ausüben physischer oder psychischer Gewalt, sowohl bei Tätern als auch Opfern im absoluten "Spitzenfeld" liegt. So sind etwa 14 Prozent der elfjährigen Mädchen und 20 Prozent der elfjährigen Burschen zwei- bis drei Mal im Monat Opfer von "Bullying", bei den 13-Jährigen sind es 17 (Mädchen) bzw. 23 Prozent (Burschen) und bei den 15-Jährigen zehn (Mädchen) bzw. 15 Prozent.

Der Gewaltbegriff wird von Spiel dabei weit gefasst. Darunter fallen nicht nur körperliche Attacken, sondern etwa auch das Verbreiten von Gerüchten über andere Schüler oder das Ausschließen vom Spielen. Der Strategieplan soll einschlägige wissenschaftliche Befunde sowie Erfahrungen anderer Ländern berücksichtigen. Diese müssten dann an die österreichische Situation angepasst und für die verschiedenen Altersstufen ab dem Kindergarten entwickelt werden.

Außerdem müssten sämtliche Beteiligten eingebunden werden - von der Polizei über Eltern- und Lehrervertreter, Schulpsychologen- und - ärzten bis zu den Unis und Pädagogischen Hochschulen. Wichtig sei auch die "systematische Perspektive".

(apa/red)

13.6.2007 14:45