Mittwoch, 13. Juni 2007

91.000 Menschen in Wien sind akut arm: Armutskonferenz anlässlich Ausstellung

  • Auch zahlreiche Kinder sind "armutsgefährdet"
  • Ursache sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse

91.000 Menschen in Wien sind akut arm - dies betonte die Armutskonferenz anlässlich des Beginns der Wiener Ausstellung "Ganz unten. Die Entdeckung des Elends" in einer Aussendung. Dies sind laut Armutskonferenz sechs Prozent der Menschen in der Bundeshauptstadt. 204.000 Personen bzw. 12,7 Prozent seien in Wien armutsgefährdet.

Ein Viertel der "Armutsbevölkerung" würden Kinder darstellen. Ihre Eltern seien alleinerziehend, erwerbslos, zugewandert, oder hätten Jobs, von denen sie nicht leben könnten, hieß es. Eine Ursache für Armut sieht die Armutskonferenz auch in den prekären Beschäftigungsverhältnissen: 130.000 Menschen seien in Wien vollzeitbeschäftigt mit einem Bruttoverdienst unter 1.000 Euro, geringfügig oder nur unregelmäßig beschäftigt. Ihr Armutsrisiko sei mit 23 Prozent sehr hoch.

"Vieles hat sich mit den modernen Sozialstaaten geändert. Hunger und Frieren gibt es nicht mehr als Massenphänomen. Aber auch heute leben in Millionenstädten wie Wien Menschen unter schwierigsten sozialen Bedingungen", erklärte Martin Schenk von der Armutskonferenz.

Die Betroffenen können laut Schenk abgetragene Kleidung nicht ersetzen, die Wohnung nicht angemessen warm halten, keine unerwarteten Ausgaben tätigen und würden einen schlechten Gesundheitszustand aufweisen. Sie würden in überbelegten, feuchten, schimmligen Wohnungen leben. "Armut macht krank, Armut macht einsam. Armut nimmt Zukunft", betonte Schenk.

Das Risiko, ohne Halt abzustürzen, sei gestiegen, auch für Leute, die es sich für ihr Leben nie gedacht hätten, so das Netzwerk. Armut bedeute Stress, um die notwendigsten Grundbedürfnisse zu befriedigen. 14 Prozent der Wiener Bevölkerung lebten mit feuchten Wänden, zehn Prozent in äußerst beengten Verhältnissen in überbelegten Wohnungen.

(apa/red)

13.6.2007 14:05