Flugreisen, Staus und Unfälle: Wenn der verdiente Urlaub nur mehr Angst bereitet
- Psychologin: Furcht darf nicht zum Wegweiser werden
- Statistik: 30% der Menschen leiden unter Flugangst

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Flugreisen, lange Staus auf Autobahnen, Unfälle und fremde Kulturen - für manche Menschen bringt der alljährliche Urlaub statt Erholung und Entspannung vor allem potenzielle Gefahren und Angst. Grundsätzlich stecken hinter diesen "Sorgenmachern" Bedrohungen, mit denen man sinnvollerweise rechnen muss, sagte die Psychologin Sonja Kinigadner im APA-Gespräch. "Problematisch wird es dort, wo die Angst zum bestimmenden Wegweiser wird und nicht die Toleranz für ein Risiko."
"Viele Menschen halten es nicht aus, im Stau zu stehen oder im Flugzeug zu sitzen", erklärte Kinigadner. Die dahinter stehende Angst, jemand anderem die Kontrolle überlassen zu müssen oder "nicht raus zu können", entspreche einem uralten Instinkt: durch Flucht in Sicherheit bringen. Atemnot, Herzrasen, Schwindel und Taubheitsgefühle sind als Stressreaktionen die Folge.
Helfen kann gegen die bedrohlichen Ängste meist nur eine medikamentöse oder psychologische Behandlung, so Kinigadner. Befindet man sich im Flieger oder Bus allerdings plötzlich in einer "Notsituation", können ablenkende Gespräche und ruhige Atmung die Panik lindern.
Die große Furcht vor Flugzeugabstürzen, schrecklichen Unfällen, Überfällen oder Krankheiten kann verschiedene Ursachen haben. Manche Menschen wollen uneingeschränkt Kontrolle behalten oder jegliches Risiko vermeiden, so die Psychologin. Andere gestalten Gefahren im Kopf zu wahren Katastrophen aus.
Insgesamt leiden 30 Prozent der Bevölkerung - quer durch alle Berufe und Gruppen, unter Flugangst, sagte Expertin Irene Rausch zur APA. "Das ist doch ein sehr hoher Prozentsatz. Die Hälfte aller Menschen fühlt sich beim Fliegen nicht wohl." Flugangst entsteht aus verschiedenen Gründen. Manche Betroffene leiden einfach an Höhenangst oder haben Panik vor engen geschlossenen Räumen.
Grundsätzlich bleibe die Luft für den Menschen immer ein fremdes Element, so die Notfall- und Gesundheitspsychologin. Vielen helfen daher schon Erklärungen wie Flugzeuge funktionieren und "warum ein so schweres Ding in der Luft bleiben kann". Dabei wird zum Beispiel klar gemacht, dass Turbulenzen durch "Luftlöcher" keine Gefahr darstellen, auch wenn sie noch so gravierend sind. "Das Flugzeug liegt in der Luft wie ein Fisch sich im Wasser bewegt", betonte Rausch.
Keinesfalls sollten Betroffene versuchen, ihre Ängste mit Alkohol oder Medikamenten zu betäuben, warnt die Psychologin. "Das wirkt meist nur kurzfristig oder gar nicht." Langfristig habe der Konsum von Wein oder Spirituosen außerdem einen aktivierenden Effekt.
Panik kann sich nicht nur bei der Anreise, sondern bereits vor dem Urlaub breit machen. Wer glaubt, für den perfekten Ferientrip das richtige Reiseziel und beste Hotel finden zu muss, kann schon bei der Planung mit Versagens-Ängsten konfrontiert werden. Statt als Misserfolg könnten kleine Unzulänglichkeiten viel mehr als Herausforderung gesehen werden, empfiehlt die Psychologin. Auch der "Perfektionsanspruch" sollte überprüft werden.
Als Erholungs-Killer schlechthin gilt natürlich auch der Stress kurz vor dem Aufbruch in die Ferien. Gegen die quälende Frage "Hab ich alles mit" hilft eine kleine Tasche, in der das Allerwichtigste - Pass, Tickets, Geld - extra zurechtgelegt und jederzeit überprüft werden kann, so Kinigadner. Die Panik lässt außerdem nach, wenn man sich vergegenwärtigt, das man trotz des Vergessenen überleben wird. Damit man die eigenen vier Wände guten Gewissens verlassen kann, sollte man Nachbarn oder gute Freunde bitten, ab und zu nach dem Rechten zu sehen.
(apa/red)
