Nein zu einem Meer hinter Zaun und Gitter:
In Bella Italia bricht der Krieg der Strände aus
- Zugangsbeschränkungen erschweren Bad im Ozean
- Regierung will ersten 5 Meter Strand für alle öffnen

·Ein Strandtag kostet für Familien 100 Euro
Preise an italienischen Stränden steigen stetig
·Blaue Flaggen zieren italienische Strände
Gute Wasserqualität: 96 Fahnen wehen in Italien
·Sonne, Süden, Adria & ganz viel Italianitá
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Italien, das ist für viele - Sommer, Sonne und das blaue Meer. Rund 3.500 Kilometer Strände hat Italien, jedoch ist fast ein Drittel davon seit Jahren fest in den Händen von Strandbädern, die von ihren Kunden immer saftigere Eintrittspreise verlangen. Diesen Trend will die Regierung jetzt stoppen und zu den ersten fünf Metern Strandlinie für alle Badefreunde gratis sein muss. Dagegen machen aber die Besitzer der so genannten "stabilimenti" mobil - einige drohten jetzt bereits, ihre Anlagen aus Protest zu schließen.
"Anders als in fast allen anderen Ländern der Welt werden die Strände in Italien immer teurer und immer weniger zugänglich", brachte es die Zeitung "La Repubblica" auf den Punkt. Mittlerweile verlangen die Strandbäder durchschnittlich Preise von 15 bis 20 Euro Eintritt - und für Liegen und Schirme müssen die Kunden oft noch extra bezahlen. Viele Italiener, die ein Sommerhaus in Strandnähe haben, ziehen es hingegen vor, in einem "stabilimento" gleich für die ganze Saison zu buchen. Inklusive Liegestuhl, Umkleidekabine und Sonnenschirm müssen sie dabei mittlerweile Spitzenpreise von 1.500 bis 3.000 Euro pro Person hinblättern.
Kein Ticket - kein Strand
Und die Regel ist: Wer kein Ticket bezahlt, darf auch nicht zum Strand. Nur die so genannten "freien Stände", wo Sonnenhungrige sich auf einem Handtuch im Sand ausbreiten dürfen, sind weiterhin kostenlos - jedoch liegen diese oft eng und eingequetscht zwischen zwei Badeanstalten. Außerdem sind sie von all denjenigen, die für ihr Bad im Meer kein Geld ausgeben wollen. Das Faulenzen am Strand wird so häufig zum Stress. "Das Meer gehört allen und wir wollen es uns zurückholen!", erzürnte sich der Grünen-Politiker Angelo Bonelli.
Wir sagen Nein zu einem Meer hinter Gittern!
Deshalb hat seine Partei ein "Handbuch zur Selbstverteidigung der Badegäste" entworfen. Darin erklären die Abgeordneten den Bürgern, wie es eigentlich um ihre Strand-Rechte bestellt ist: "Das Meer ist ein Recht für alle" und "Wir sagen Nein zu einem Meer hinter Gittern!" sind nur einige der Slogans in dem Büchlein. Bonelli erläutert: "Wir kämpfen gegen völlig veraltete Normen, durch die ein Gemeingut, wie es Strände nun einmal sind, komplett in die Hände von Bade-Unternehmern gelegt wurde."
Die Badeanlagenbetreiber
Ganz anders sieht das die Gewerkschaft der italienischen Badeanlagenbetreiber. Sie argumentiert, dass allein in der auch bei Deutschen beliebten Region Toskana etwa 53 Prozent der Tourismus- Einnahmen von den Strandbädern herrühren. "Wenn wir mehr Geld umsetzen als die Kunststädte, dann muss das wohl an den guten Dienstleistungen liegen, die wir unseren Kunden bieten", sagte Graziano Giannessi, der in der Gegend von Versilia eine Anlage betreibt. "Wir bezahlen Steuern und Verwaltungskosten, wer soll das denn machen, wenn die Strände plötzlich allen gehören?"
Freier Zugang für alle
Die Verbrauchervereinigung Codacons räumte unterdessen ein, dass es schon seit Jahrzehnten Gesetze gibt, die den freien Zugang zum Meer sichern sollen - "nur werden die nie richtig respektiert". Der Präsident der Vereinigung, Carlo Rienzi, versucht nun, die Wogen zu glätten. Er schlug vor, den freien Stränden künftig einfach mehr Platz einzuräumen und in den Strandbädern spezielle Wege anzulegen. Auf diesen sollen nicht zahlende Badegäste problemlos das Meer erreichen können, ohne einen Liegestuhl mieten zu müssen. In Bella Italia bahnt sich ein heißer Sommer an - wer den "Krieg der Strände" letztlich gewinnt, ist völlig offen. (apa/red)
