Dienstag, 5. Juni 2007

Al ladro. Italo-Diebe warten auf Touristen:
Alarm an Autobahn zur Adria & in der Bahn

  • Tatort sind oft die Autobahn-Raststationen im Kanaltal
  • Auch in der Ersten Klasse sind gut gekleidete Diebe

Schon jetzt, rechtzeitig vor dem Ferienbeginn, haben sich entlang der Autobahn zwischen Triest und Turin, die ersten Gauner-Banden eingefunden un dort ihr Unwesen zu treiben. Auch in den Staatsbahnen heißt es aufpassen! Hier sind immer gut gekleidete Diebe in der Ersten Klasse unterwegs, warnten am Motan italienische Medien.

Wer von Österreich auf dem Weg zur Adria, in die viel geliebte Toskana oder nach Süditalien die italienische A23 durchs Kanaltal fährt, sollte sich an den Autobahnraststationen in Acht nehmen. Der erste echte italienische Espresso kann nämlich unangenehm werden. "Autobahn - Boom der Diebstähle an den Raststätten - Verdopplung in den vergangenen sechs Monaten: Ein Viertel der Delikte allein im Mai", schrieb der "Messaggero di Udine" am Montag. Und wirklich: Bei den Tankstellen und Raststätten patrouillieren vermehrt Streifenwagen.

Tatort Raststation
"Wir haben im Mai einen echten 'Gipfel' registriert", erklärte Francesco Ponti, geschäftsführender Kommandant der Polizia Stradale von Triest. Krisenpunkte sind die vielen österreichischen Italien-Reisenden bekannten Raststätten wie Gonars (dort, wo südlich von Udine die A23 auf die A4 zwischen Turin und Triest trifft), Fratta bei Portogruaro (vor der Abfahrt nach Caorle) und Calstorta (etwas weiter westlich an der italienischen A4). Während die Touristen ihren Espresso trinken, werden deren Autos kurzerhand aufgebrochen und ausgeräumt. Selbst wenn jemand beim Auto bleibt: In manchen Fällen werden die Touristen von den Bandenmitgliedern einfach abgelenkt und bestohlen.

Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme
So irgendwie möglich, sollte einer der Insassen beim abgesperrten Wagen bleiben. Im Auto selbst darf kein auch nur annähernd lohnenswertes Objekt sichtbar liegen bleiben. Da genügt schon ein leeres Brillenetui, um die Gauner wie magisch anzuziehen. Die italienische Polizei machte zwar schon einige als Mini-Banden auftretende Diebe dingfest. Die Verdächtigen stammten zumeist vom Balkan. Doch die Situation wird sich wohl mit der beginnenden Reisesaison kaum bessern.

Al ladro
Wer statt auf das Auto bei seiner Ferienreise auf die bequeme Bahn vertraut, kann in punkto Sicherheit in Italien auf das sprichwörtlich falsche Pferd setzen. "Al ladro" ("Haltet den Dieb!"), heißt es auch dort.
"Anstieg bei Diebstählen und Rauben in den Zügen", schrieb am Montag die angesehene römische Tageszeitung "La Repubblica". Von Jänner bis April 2006 waren es 2.976 angezeigte Diebstähle auf dem Streckennetz der italienischen Staatsbahnen gewesen. Von Beginn 2007 bis Ende April waren es 4.031 Delikte, was einer Steigerung von rund 30 Prozent entsprach.

Neue Methoden
80 Prozent der Diebstähle im Zug gab es in den Sitzabteilen, der Rest entfiel auf Liegewagen etc. Wobei die Täter immer raffinierter werden. Neu ist der Trend, dass sie sich als Business-Reisende tarnen und zunehmend in der Ersten Klasse von Hochgeschwindigkeitszügen mit ihren Abteilen für Geschäftsreisende unterwegs sind. Das Computer-Notebook, das kurz beiseite gelegt wird, die Brieftasche im Geschäftsanzug samt den Kreditkarten oder andere Wertgegenstände sind dann plötzlich weg. Auch der nette und zuvorkommende Manager vom Nebensitz! Bei 7.000 Zügen pro Tag in Italien und 1,5 Mio. Reisenden ist die Überwachung natürlich schwierig. Aber erst im Jahr 2005 haben die italienischen Staatsbahnen 200 Kontrollore aus Kostengründen in Pension geschickt. (apa/red)

5.6.2007 09:10