Montag, 4. Juni 2007

Klassischer Urlaub wird bald aussterben:
Freizeit und Arbeit gehen ineinander über

  • Klimaerwärmung könnte Österreich Touristen bringen
  • Künftig werden die Menschen noch mobiler sein

Wie sieht der Urlaub der Zukunft aus? Werden Herr und Frau Österreicher auch im 22. Jahrhundert noch auf Badeurlaub und Wellnesswochen sparen? Laut dem Wiener Freizeitforscher Peter Zellmann wird sich der Urlaub grundlegend ändern. Arbeitsalltag und Freizeit könnten künftig immer mehr in einander übergehen und längere Erholungsphasen ersetzten, meinte er zur APA. Ein solches Szenario sei wahrscheinlicher als beispielsweise eine Änderung des Urlaubsverhaltens durch den Klimawandel.

Künftig werden die Menschen noch mobiler sein und häufiger Kurzurlaube machen, so der Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung. Denn an Destinationen, die man heutzutage in sechs Flugstunden erreiche, könnte man in Zukunft durch technischen Fortschritt vielleicht bereits in 60 Minuten sein, erläuterte er. Das Leben werde ganzheitlicher - zur Erholung könnten freie Vormittage oder einzelne Tage dienen. Der ausgiebige, 14-tägige Relax-Urlaub sei dadurch nicht mehr vonnöten. Klassische längere Reisen würden nur mehr zu bestimmten Zwecken - wie etwa Besichtigungen - angetreten werden.

unerträgliche Hitze im Süden
Eine solche Reise sei zudem Wetter-unabhängiger als ein klassischer Badeurlaub am Meer. Dieser könnte künftig durch die Klimaerwärmung und möglicherweise unerträgliche Hitze im Süden ohnehin nicht mehr derart beliebt sein wie noch heute. "Davon würde Österreich mit seinen Seen und Bergen profitieren", meinte der Freizeitforscher. Die Österreicher dürften dann vermehrt im Inland bleiben, um Stress und Hitze zu entgehen, Deutsche könnten öfter auf Kurzbesuch in die Alpenrepublik kommen. Eine solche Verschiebung werde sich allerdings nicht in den kommenden fünf bis zehn Jahren ereignen, so Zellmann.

Problem - Algenplage
Probleme mit der Hitze gab es aber auch schon in Österreich: "Kippen von Seen haben wir in heißen Sommern bereits erlebt und auch Algenplagen - zum Beispiel in Kärnten am Ossiacher See", so Zellmann. Umweltschonende Möglichkeiten zu entwickeln, stehende Gewässer sauber zu halten und im Winter ausbleibenden Schnee zu produzieren, seien das "Gebot der Stunde". Hier müsse künftig mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden, schlug der Experte vor.

Klimafreundliche Reisen noch nicht in
Von "grünen", klimafreundlichen Reisen, um die Umwelt etwa mit Rad-Trips oder dem Verzicht auf Fernflüge zu schonen, sei "das Gros der Urlauber weitestgehend unbeeindruckt", meinte Zellmann. Dafür seien klassische Reisen noch zu wichtig. (apa/red)

4.6.2007 10:49