Montag, 4. Juni 2007

Urlaub kann Liebesleben neu beleben:
Reisen als Paartherapie, Erotik auffrischen

  • Psychologin rät: Konflikte zulassen und austragen
  • Dem Alltag entkommen und sich Freiräume schaffen

Ein kurzer Trip unter die südliche Sonne kann so manche "eingeschlafene" Beziehung wieder neu beleben. Fern von den Sorgen des Alltags bietet ein Urlaub die Möglichkeit, Liebe und Erotik aufzufrischen, sagte Sonja Kinigadner, Sexualtherapeutin im Berufsverband der österreichischen Psychologen (BÖP), im Gespräch mit der APA. "Wichtig ist, dass man in Urlaub die Balance hält zwischen Freiräumen und Gemeinschaft." Dabei ist auch Streiten erlaubt.

"Der Partner wird zum Geliebten und ist nicht mehr nur der Mistkübel rausbringende Familienvater", so die Psychologin. Ein Urlaub ist die Chance, andere Seiten am Lebensgefährten zu sehen. Die Alltagszwänge fallen weg, man muss nicht Kochen oder Putzen sondern wird im Hotel bedient. Diese Freiräume lassen neue Eigenschaften zum Vorschein kommen und können auch abgeflauter Erotik neuen Schwung verleihen.

Dem Alltag entkommen
Um der Beziehungsroutine zu entkommen, sollte man den Urlaub auf jeden Fall so planen, dass man ein Stück aus dem Alltag schlüpfen kann, rät Kinigadner. Ein Campingplatz, bei dem wie zu Hause gekocht und geputzt werden muss, ist für eine Familie mit drei Kindern so gesehen nicht ideal. Für ein junges Pärchen mit vollem Terminkalender könne ein rustikaler, abenteuerlicher Ausflug mit dem Wohnwagen hingegen eine willkommene Abwechslung bieten.

Konfliktgefahr
Die traute Zweisamkeit im Urlaub kann sich allerdings nicht nur positiv auf Liebesleben und Partnerschaft auswirken. Unterschiedliche Vorstellungen, zu viel Nähe oder Streitereien drohen den wolkenlosen Beziehungshimmel zu trüben. Man muss bewusst darauf zugehen, dass auch Konflikte auftreten können, erklärte Kinigadner. "Die wird's im Urlaub genauso geben wie zu Hause." Besonders Menschen, die miteinander in einem Machtkampf leben, müssen mit Auseinandersetzung rechnen.

Probleme bereden
Einen Streit zu unterdrücken sei völlig falsch, warnt die Psychologin. Fern vom Alltagsstress könne man Problemen ruhiger begegnen und in gelassener Atmosphäre ausräumen. Dabei entstünden oft langfristige Lösungen, die auch nach der Rückkehr in die Heimat für friedliche Stimmung sorgen.

Freiraum schaffen
Die Vorgabe "So jetzt haben wir Urlaub, jetzt müssen wir alles gemeinsam tun" sei ebenfalls nicht ratsam, betonte die Psychologin. Die ständige Nähe könne einfach zu viel werden. Dagegen helfe oft schon eine Auszeit von einer halben Stunde in der jeder etwas alleine unternimmt. "Normalerweise sieht man sich dann gerne wieder", so Kinigadner. Auch unterschiedliche Interessen können zum Zündstoff werden. Gegensätzliche Ansprüche sollten daher schon bei der Planung berücksichtigt und entsprechende Freiräume eingeräumt werden. (apa/red)

4.6.2007 08:50