Montag, 4. Juni 2007

Ab & zu lieben Frauen Pheromon-Protzer: Bei längeren Beziehungen Langweiler besser

  • Frauen und Männer können den Sex immer riechen!
  • Vor & nach Eisprung: Männer als Geruchsbelästigung!

Auch wenn die Menschen im Vergleich zu Tieren nur wenige Geruchsrezeptoren besitzen: Sex riechen Mann und Frau. Letztere entscheiden sich beim Nachwuchs dadurch instinktiv für Machos. Doch für die Aufzucht bleiben sie lieber bei "faden" Partnern. Das sind die neuesten Erkenntnisse der Fachleute vom Wiener Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie um Karl Grammer.

Völlig unterschiedliche Signale werden bei Tieren und Menschen mittels Duftstoffen, so genannten Pheromonen, vermittelt. Und da geht's gleich an Arterhaltung und Sex. Männer haben mit Androstenol und Androstenon Lockstoffe, die ihre Wirkung auf das andere Geschlecht nicht verfehlen. Sie werden mit dem Schweiß ausgeschieden, Kopf- und Körperhaar sorgen für eine besonders intensive Verdunstung des "Sex-Parfüms". Im Vaginalsekret hingegen ist "Copulin" enthalten, ein Gemisch aus Fettsäuren, das wiederum auf den Mann wirkt.

Eva steht auf Düfte!
Entwicklungsbiologisch ist das recht einleuchtend zu erklären: Im Gegensatz vielen Tierarten, zum Beispiel Affen, entwickelt "Eva" in den Tagen der Empfängnisbereitschaft keine äußeren Merkmale, welche die Ovulation anzeigen. Da setzt die menschliche Natur eben auf den Duft von Mann und Frau.

Geruchsempfindlicher während des Zyklus
Dabei sind Frauen den Geruchssignalen der ständig auf der Suche nach fortpflanzungswilligen Partnerinnen befindlichen Männer keinesfalls hilflos ausgeliefert. Der Wiener Stadtethologe Karl Grammer: "Diese Wahrnehmung (des männlichen Pheromons Androstenon im Schweiß, Anm.) ist zyklusabhängig." Die Wissenschafter prüften das mit zahlreichen Experimenten: Trägt man Frauen auf die Lippen männlichen Schweiß oder Androstenon auf, tut sich Erstaunliches. Der Experte: "Frauen werden gesprächiger. Es kommt zu einer Stabilisierung des (Ovulations-)Zyklus, zu einer gesteigerten Fertilität und zu einer höheren sexuellen Aktivität."

Rechnungen mit Sex-Duft
So ist das Androstenon der Duft der Lust auf Sex macht. In Experimenten besprühte man einen von zwei Zahnarztsesseln mit dem Stoff. Probandinnen nahmen - selbst vor dem Bohren - lieber auf dem mit dem Pheromon imprägnierten Sessel Platz. US-Wissenschafter bewiesen: Mit männlicher Sex-Duft-Marke versehene Rechnungen wurden von Frauen prompter bezahlt.

Männer als Geruchsbelästigung
Doch das funktioniert bei den Frauen nur um den Zeitpunkt des Eisprungs. Dann riechen für sie die Lockstoffe eines potenziellen männlichen Partners gut, sonst sind die Herren der Schöpfung eher eine Geruchsbelästigung. So entfaltet auch der am stärksten Androstenon absondernde Mann seine Wirkung - ohne dass er es weiß - im Sinne der Fortpflanzung und nicht, weil er so gescheit, charmant etc. ist.

Pheromon-Protzer vs. Langweiler
"Während der Ovulation werden von den Frauen Machos bevorzugt", so Karl Grammer. Sie wollen unbewusst die verlockendsten Gene an ihre Nachkommen weiter geben und so über die Generation ihrer Nachkommen hinweg ihre Erbanlagen weiter reichen. Doch für die möglichst friktionslose Langzeit-Partnerschaft, die auch die erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses gewährleistet, wenden sich die Frauen eher - natürlich nur duftmäßig - "faden" Partnern zu. Abseits der Tage rund um den Eisprung, und das ist die Mehrheit, halten sie Pheromon-Protzer nicht aus. Sie stinken ihnen.

(apa/red)

4.6.2007 15:21