Streitgespräch zwischen Stenze. & Stickler: Jahrhundert-Event oder Gefahr für die City?
- Pro und Contra zur Europameisterschaft '08 in Wien
- Stenzel sorgt sich wegen Fanmeile auf Ringstraße

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Das große EURO-Streitgespräch in NEWS: Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin des ersten Wiener Gemeindebezirkes, macht sich Sorgen um die EURO 2008 Fanmeile auf der Wiener Ringstraße, ÖFB-Präsident Friedrich Stickler hält dagegen.
NEWS: Frau Stenzel, jetzt sind auch Sie Botschafterin der Leidenschaft der EURO 08. Haben Sie sich mit dem Fußball versöhnt?
Stenzel: Ich war nie mit dem Fußball zerstritten, ganz im Gegenteil. Fußball ist ein wunderbarer Teamsport, ideal für Jugendliche, die nach Motivation und Leistung suchen. Ich will auch nicht den Fun-Faktor leugnen, Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Ich bin auch für diese Europameisterschaft in Wien. Ich bin nur gegen den geplanten Standort der Fanmeile auf dem Ring von Heldenplatz über Rathausplatz bis Schottentor. Das ist eine Fehlentscheidung.
Stickler: Ihr Satz "Ich fürchte mich vor der EURO", mit dem Sie zitiert wurden, hat mich zutiefst verstört. Mit solchen Aussagen fördern Sie ein Klima der Angst: Um Gottes willen, was kommt da alles auf uns zu! In Wahrheit sollten wir uns alle schon jetzt irrsinnig auf dieses Ereignis freuen, denn diese EURO wird unglaublich schön und ein unwiederholbares Erlebnis. Die Berliner zum Beispiel sind von ihrer Fanmeile in der Stadt derart begeistert, dass sie auch während der EURO 2008 dort eingerichtet wird und nicht irgendwo auf der grünen Wiese.
Stenzel: Ich kenne Berlin ganz gut und auch die Bilder der Freude und Begeisterung vor dem Brandenburger Tor während der WM 2006. Nur muss man wissen, dass dieses Parkareal am Berliner Tiergarten 200 Hektar groß ist und unsere ganze City nur 300 Hektar hat. Und während in Berlin das Brandenburger Tor den Abschluss bildet, berührt unsere Fanmeile das Regierungsviertel, das Burgtheater bis hin zum Heldenplatz, gar nicht zu reden von den notwendigen Verkehrsumleitungen. Also allein von den Dimensionen her kann man das nicht vergleichen.
Stickler: Natürlich sind das alles Probleme, die wir lösen müssen und auch lösen werden. Es wird zum Beispiel ausreichend Toiletten geben, wir werden die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen treffen, Zugangskontrollen durchführen, damit die Menschen auf der Fanmeile keine Angst vor den paar verhaltensgestörten Menschen haben müssen, die solche Events als Plattform für ihre Aggressionen nutzen wollen.
Stenzel: Um die behördlichen Auflagen zu erfüllen, brauchen Sie für die bis zu 350.000 Menschen, die auf der Fanmeile erwartet werden, weit über 4.000 Mobilklos. Hat man das bei der Standortwahl wirklich berücksichtigt? In Berlin hat man trotz des riesigen Areals im angrenzenden Tiergarten bis zu eineinhalb Meter tief das Erdreich abtragen müssen. Ich frage Sie also, Herr Präsident: Wer kommt nach der EURO für die Verätzung des Rasens im Volksgarten oder am Heldenplatz auf? Wer kommt in dieser sensiblen Gegend für Schäden durch Vandalismus auf, den wir ja leider nie ganz ausschließen können? Das alles sind legitime Sorgen der Anwohner und Geschäftsleute der Inneren Stadt.
NEWS: Wer hat diesen Standort überhaupt ausgewählt?
Stickler: Daran war ganz wesentlich die UEFA beteiligt, die im Host-City-Vertrag mit der Stadt Wien eine entsprechende Vereinbarung getroffen hat. Da geht es ja auch um die Präsenz der Sponsoren an einem der schönsten Plätze dieser Stadt. Die Bilder, die von hier rund um die Welt gehen, sind eine unbezahlbare Werbung für Wien und für Österreich. Wir sind gut beraten, wenn wir die Fanmeile nicht auf irgendeine Wiese vor die Stadt oder auf die Donauinsel verlegen. Daher meine Bitte an Sie, schauen wir auf das Ganze, verlieren wir uns nicht in Details. Auch wenn ein paar Fans nicht die Toiletten benutzen und in den angrenzenden Park pieseln.
Das ganze Streitgespräch lesen Sie in NEWS 23/07!










