Freitag, 8. Juni 2007

Erfolgreiche Proteste, magere Beschlüsse: NGOs kritisieren Afrika-Hilfe & Patentschutz

  • Nichtbilligungs-Zeichen der ungerechten Weltordnung
  • Erschwerter Zugang zu günstigeren Medikamenten

Die globalisierungskritische Organisation Attac hat die zu Ende gegangenen Protestveranstaltungen zum G-8-Gipfel in einer Aussendung als großen Erfolg bezeichnet. "Ein Bündnis verschiedenster Gruppen hat in Rostock der G-8 und der Weltöffentlichkeit gezeigt, dass das große gemeinsame Anliegen - eine gerechte Gestaltung der Globalisierung - nicht ungehört bleibt", sagte Alexandra Strickner, Obfrau von Attac Österreich.

Zehntausende Menschen auf den Straßen seien der Beweis dafür, dass das derzeitige globale Wirtschaftssystem, in dem eine Minderheit gewinnt und die Mehrheit verliert, nicht kritiklos hingenommen werde. Die Politik der G8, welche zu den "unfairen Regeln, nach denen die Globalisierung heute funktioniert" maßgeblich beigetragen habe, sei nicht an Absichtserklärungen sondern an den konkreten Taten zu messen, meint Strickner weiter.

Kritik an Beschlüssen
"Jeder Dollar zusätzlich für Afrika ist zwar erfreulich. Neben der fraglichen Umsetzung darf dabei aber nicht übersehen werden, an welche Bedingungen diese Hilfe geknüpft ist", kritisiert Strickner die G-8 Beschlüsse weiter. Auch sei eine effektive Regulierung der Finanzmärkte in Heiligendamm nicht einmal angedacht worden: "Hedge-Fonds werden nach der G8-Erklärung weiterhin nicht einmal so streng reguliert wie Bausparkassen."

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisieren den Beschluss der G-8 eine gemeinsame Strategie mit Entwicklungsländern gegen Markenpiraterie zu entwickeln. In einer Aussendung äußerte die NGO die Befürchtung, eine Erhöhung des Schutzes von Geistigem Eigentum würde negative Auswirkungen auf den Zugang zu kostengünstigen Medikamenten in Entwicklungsländern haben. So seien etwa 80 Prozent der antiretroviralen Medikamente die von der Organisation bei der Behandlung von Aids Patienten benutzt werden Nachahmer von teuren Markenmedikamenten, so genannte Generika, aus Indien.

(apa/red)

8.6.2007 15:49