Merkel soll bei Klimaschutz Vorreiterrolle übernehmen: Appell vom Alternativgipfel
- Soll beim G-8-Gipfel nicht um "heißen Brei" reden
- Nobelpreisträger Bello nannte Klimaziele zu niedrig
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Kritik vor allem an den Agrar-Exportsubventionen
Zum Auftakt eines Alternativgipfels zu G-8 in Rostock haben Globalisierungskritiker an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Die Kanzlerin müsse sich für klare Reduktionsziele für Treibhausgase einsetzen und beim G-8-Gipfel in Heiligendamm nicht um den heißen Brei herumreden, forderte Karsten Smid von Greenpeace in Rostock.
Lippenbekenntnisse reichten nicht, damit delegitimierten sich die Staats- und Regierungschefs der G-8 selbst. Allein die G-8-Staaten seien für den Ausstoß von 50 Prozent der Treibhausgase weltweit verantwortlich.
Beim Alternativgipfel wollen zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen darüber diskutieren, wie sich die Globalisierung gerechter gestalten lässt. Die G-8-Kritiker werfen der Gruppe der Acht vor, sich ohne Legitimation zur Weltregierung aufzuschwingen und durch ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrößern.
Der Soziologie-Professor und Träger des alternativen Nobelpreises, Walden Bello, nannte Merkels Klimaziele zu niedrig. Experten gingen davon aus, dass eine Verringerung der Treibhaus-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent nötig sei, nicht nur 50 Prozent, sagte er. Im Grunde verfolge Merkel das gleiche Ziel wie US-Präsident George W. Bush: Wachstum um jeden Preis. Merkel will beim G-8-Gipfel in Heiligendamm klare Verpflichtungen zur Senkung der Emissionen erreichen. Eine solche Festlegung ist wegen der Haltung der USA jedoch fraglich.
Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, forderte die EU auf, ihre "mörderische Dumpingpolitik" bei den Agrarexporten zu beenden. Alle fünf Sekunden sterbe ein Kind unter zehn Jahren, obwohl die Landwirtschaft eigentlich zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte, das doppelte der derzeitigen Weltbevölkerung. Einer der Gründe seien die hohen Exporthilfen der Industriestaaten, die sich 2006 auf 349 Milliarden Dollar summiert hätten. Damit könnten europäische Früchte auf afrikanischen Märkten weit billiger als einheimische Produkte angeboten werden, afrikanische Bauern hätten keine Chance.
(apa/red)
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