Samstag, 9. Juni 2007

Bush tritt auch im Vatikan ins Fettnäpfchen:
US-Präsident nennt Heiligen Vater nur "Sir"!

  • Diplomatischer Fauxpas bei erstem Zusammentreffen
  • BILDER: Krawalle bei Anti-Bush-Protesten in Rom

Bei seinem ersten Treffen mit Papst Benedikt XVI. im Vatikan hat US-Präsident George W. Bush einen Fauxpas begangen. Bush sprach den Papst während des Treffens versehentlich mit "Sir" statt mit "Holyness" (Heiligkeit) an, berichteten jene Journalisten, die dem Beginn des privaten Gesprächs im Vatikan beiwohnen durften. Auf die Frage des Papstes, ob er die Vertreter der katholischen Gemeinschaft Sant Egidio in der US-Botschaft in Rom treffen würde, antwortete Bush deutlich: "Yes, Sir".

Den Fauxpas von Bush hat ihm der Papst aber offenbar nicht weiter übel genommen. Benedikt XVI. schenkte seinem Gast einen Stich des Petersdoms aus dem 17. Jahrhundert.

Auch Bush übergab dem Papst ein Geschenk: Ein früherer Obdachloser hatte auf den für Benedikt XVI. bestimmten Stab die zehn Gebote geschrieben. Auch wenn es sein erstes Treffen mit Benedikt XVI. war, hatte Bush bereits Gelegenheit, den Umgang mit einem Papst zu üben. Schließlich war er bereits drei Mal von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. empfangen worden. Ungeachtet des kleinen Fehlers verlief die halbstündige Unterredung in herzlicher Atmosphäre, versicherte der Vatikan.

Der US-Präsident sorgte bereits mehrmals in seiner Amtszeit für Stirnrunzeln, unter anderem beim jüngsten Besuch der britischen Queen Elizabeth II. in den USA. Als er an das Jahr des letzten USA-Besuchs der bereits 81-jährigen Königin - 1976 - erinnern wollte, sagte er: "17 -, err, 1976." Als die Queen daraufhin unter ihrem schwarzen Hut hervor zu Bush aufsah, sagte dieser: "Sie sah mich an, wie nur eine Mutter ihr Kind anschauen kann." 2005 schüttelte er seinem slowakischen Amtskollegen Ivan Gasparovic und dem damaligen Ministerpräsidenten Mikulas Dzurinda die Hand, ohne seine schwarzen Handschuhe abzustreifen - auch ein klarer Verstoß gegen die diplomatische Etikette.

Treffen mit Papst, Prodi und Napolitano
Bei der Audienz in Rom habe der Papst friedliche Lösungen für den Nahen Osten eingemahnt und sich beunruhigt über die Lage im Irak geäußert, teilte der Vatikan mit. Anschließend traf sich Bush mit Italiens Regierungschef Romano Prodi, wobei es unter anderem um das italienische Afghanistan-Engagement ging. In der Früh war der US-Präsident bereits von Staatschef Giorgio Napolitano empfangen worden. Bushs Rom-Besuch wurde von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet.

Papst über christliche Minderheit im Irak besorgt
In seinem Gespräch mit Papst Benedikt XVI. versicherte Bush, dass die irakische Führung hart um eine Tolerierung der christlichen Minderheit im Irak ringe. Der Papst habe "große Besorgnis" geschildert, dass die Christen im Irak schlecht behandelt werden könnten, berichtete Bush. Die irakische Regierung wolle, so Bush, eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlichen Glaubens und Herkunft akzeptiert würden. Bush nannte den Papst einen beeindruckend "klugen und liebenswürdigen Mann".

Zugleich erkundigte sich der katholische Kirchenführer eingehend nach den beim G8-Gipfel beschlossenen Hilfen für Afrika. "Es war ein Gipfel mit Erfolg", meinte Bush. Vor allem für die Armen und die Aids-Kranken in Afrika sei in Heiligendamm eine "starke Initiative" auf den Weg gebracht worden. Die 35 Minuten lange Privataudienz in der päpstlichen Privatbibliothek war der Höhepunkt des Bush-Besuchs in der italienischen Hauptstadt.

Prodi: Keine bilateralen Probleme
Vor dem Besuch im Vatikan war Bush mit Staatspräsident Napolitano zusammengetroffen. Der US-Präsident würdigte dabei den italienischen Beitrag in den Krisenregionen Afghanistan und Libanon. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi, den Bush ebenfalls traf, hatte nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr die italienischen Truppen aus dem Irak abgezogen, die rund 1.900 Soldaten in Afghanistan blieben aber trotz massiven Widerstands in seiner Mitte-Links-Koalition weiterhin dort stationiert. Prodi versicherte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bush, dass es keine bilateralen Probleme mit den USA gebe.

Bei der Pressekonferenz mit Prodi sprach sich der US-Präsident gegen eine neue Verzögerung in der Diskussion über den Status des Kosovo aus. Die Zeit sei gekommen, um den Ahtisaari-Plan umzusetzen; man müsse den Willen der Region zur Unabhängigkeit berücksichtigen. Wichtig sei, dass die Serben der NATO und der EU beitreten könnten, betonte Bush.

Bis zu 100.000 demonstrieren gegen Bush
Währenddessen demonstrierten in Rom Zehntausende gegen den US-Präsidenten - laut den Organisatoren gar Hunderttausend. Die Kundgebung gegen Bush und seine Außenpolitik wurde vom linken Flügel der Prodi-Koalition unterstützt. Mehrere Spitzenpolitiker der Linken, darunter auch einige Minister, nahmen an der Demonstration teil. Dabei hatte Prodi seine Regierungsmannschaft aufgefordert, dies nicht zu tun. Auch in anderen italienischen Städten kam es zu Protesten von Globalisierungsgegnern gegen Bush. In den Bahnhöfen in Venedig, Mestre und Padua blockierten zumeist junge Menschen zeitweilig den Zugverkehr. Auch in Florenz und Ancona gab es Zwischenfälle.

Ausschreitungen in Rom
Am Ende der Großdemonstration in Rom ist es zu Ausschreitungen gekommen. Einige Globalisierungsgegner bewarfen die Polizisten mit Steinen und Flaschen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit der Anwendung von Tränengas. Zu Krawallen kam es auch zwischen den Demonstranten. Einige Pazifisten-Gruppen versuchten, gewalttätige Anarchisten-Gruppen daran zu hindern, die Polizei mit Steinen zu bewerfen. Dabei wurden einige Personen verletzt.

Einige vermummte Globalisierungsgegner versuchten in eine Bank einzudringen. Sie beschädigten dabei den Eingang des Gebäudes. Zwei Reporter des italienischen Staatsfernsehens RAI wurden von Knallkörpern leicht verletzt.

Bush durch Autopanne aufgehalten
Zwischenfälle begleiteten den Besuch des US-Präsidenten auch auf andere Weise: Zum einen leistete Bush sich wieder einmal einen Versprecher und nannte Benedikt XVI. schlicht "Sir". Zum anderen blieb seine Staatskarosse mitten in Rom mit einer Panne liegen. Auf dem Weg vom Vatikan zur US-Botschaft musste Bush zusehen, wie ein Mechaniker minutenlang unter der geöffneten Motorhaube werkte, während der Begleittross an ihm vorüber fuhr, wie Bushs Berater Dan Bartlett bestätigte.

10.000 Polizisten im Einsatz
Rom befand sich wegen Bushs Besuch quasi im Ausnahmezustand. Zur Gewährleistung von Bushs Sicherheit waren in Rom rund 10.000 Polizisten im Einsatz. Hubschrauber überflogen die Stadt, der Petersplatz in Rom war für die Öffentlichkeit geschlossen und auch die Schulen im Zentrum der Ewigen Stadt blieben geschlossen. Auch mehrere Geschäfte in der Innenstadt blieben zugesperrt. Streng kontrolliert wurden Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen.

(apa/red)

9.6.2007 21:17