Freitag, 8. Juni 2007

Reaktion auf Putins Idee: Aserbaidschan will über alternatives US-Radar nachdenken

  • NATO und Tschechien reagieren jedoch skeptisch

Aserbaidschan steht dem vom russischen Präsidenten Putin vorgeschlagenen alternativen Standort für das von den USA geplante Raketenabwehrsystem scheinbar offen gegenüber. Die Regierung werde über Putins Vorschlag nachdenken, sagte der aserbaidschanische Außenminister Mamedjanow. Die NATO und Tschechien reagierten aus unterschiedlichen Gründen skeptisch.

Putin hatte am Tag zuvor auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm erklärt, bei einer Errichtung der geplanten US-Anlage in Aserbaidschan hätte seine Regierung keine Einwände. Dann würde er auch seine Drohung fallen lassen, russische Raketen erneut auf Europa zu richten, sagte Putin. Die USA wollen zehn Abfangraketen in Nordpolen aufstellen und eine zugehörige Radarstation in Tschechien errichten.

Die NATO reagierte unterdessen skeptisch auf den Vorstoß Putins. Es sei "ein bisschen früh" zu urteilen, ob die Station in Gabala tatsächlich für ein gemeinsames Raketenabwehrsystem genutzt werden könne, sagte der NATO-Generalsekretär Scheffer am Freitag.

Er sei "kein technischer Experte", doch scheine ihm der Standort in der Kaukasus-Republik "ein bisschen zu nah an den 'Schurkenstaaten'", gegen die sich der Schild wenden solle, so Scheffer.

Die tschechische Regierung widersprach der Ansicht Moskaus, dass das mögliche Betrieb einer Radaranlage in Aserbaidschan durch Russland und die USA eine in Mittelböhmen geplante US-Radarstation ersetzen könnte. "Auch falls Gabala beiden Ländern dienen würde, sollte das US-Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien verwirklicht werden", sagte Vize-Ministerpräsident Vondra am Freitag.

Verteidigungsministerin Parkanova betonte, der Vorschlag Putins ändere vorerst nichts: "Wir treffen uns wie vorgesehen nächste Woche mit US-Experten, um weiter über die Radaranlage zu verhandeln."

(apa/red)

8.6.2007 12:56