Endzeitstimmung in Israel vor 40 Jahren: Der Sechs-Tage-Krieg veränderte Nahost
- Am 5. Juni 1967 begann Krieg Israels mit Arabern

In den Parks von Tel Aviv und Ramat Gan wurden Massengräber ausgehoben. Fußballfelder wurden geweiht, um als Friedhöfe zu dienen. Außenminister Abba Eban bezeichnete die nur 15 Kilometer breite "Wespentaille" nördlich von Tel Aviv zwischen Mittelmeer und Jordanien als "Auschwitzgrenze". Rundum waren arabische Armeen aufmarschiert. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser erklärte am 26. Mai 1967: "Unser Ziel ist die Zerstörung Israels. Das arabische Volk ist bereit, zu kämpfen."
Zu dem verbalen Säbelrasseln der Araber gesellten sich konkrete Provokationen. Ägypten sperrte die internationale Wasserstraße von Tiran und unterbrach so Israels Versorgung mit Erdöl aus dem Iran. Dies war ein Verstoß gegen internationales Recht, den Israel später als "casus belli" darstellen sollte. Der ägyptische Truppenaufmarsch im entmilitarisierten Sinai war ein Bruch der Abkommen nach dem Sinai-Feldzug von 1956. Nasser forderte zudem die UNO auf, ihre UNEF Beobachter abzuziehen.
Seit 1965 gab es Angriffe palästinensischer "Fedajin" vom ägyptischen Gazastreifen aus auf Israel. 1967 stieg die Zahl dieser Terroranschläge an. Zudem beschossen die Syrer immer wieder den Norden Israels von den Golanhöhen aus. Am 7. April 1967 schoss die israelische Luftwaffe vier syrische MiG-21 über Jordanien und zwei weitere über den Vororten von Damaskus ab.
Die Zeichen standen auf Krieg. Viele Israelis glaubten, ihr Ende sei gekommen. Bis heute ist umstritten, ob die Araber diesen Krieg wirklich wollten. Die israelischen Forscher Isabella Ginor und Gideon Remez behaupten in ihrem neuen Buch "Foxbats (MIG-21) über Dimona", dass die Sowjetunion einen arabischen Krieg gegen Israel provozieren wollte, um den Atomreaktor bei Dimona zu zerstören. Gerüchteweise produzierte Israel dort seine ersten Atombomben.
Die Amerikaner waren damals im Nahen Osten kaum engagiert. Sie schickten das Spionageschiff "Liberty" vor die Küste Israels. Vermutlich wegen eines Irrtums wurde das Schiff von der israelischen Luftwaffe angegriffen. 34 amerikanische Offiziere und Seeleute starben. Das Rückgrat der israelischen Armee bildeten französische Mirage Jets und britische Sherman Panzer. Das strategische Militärbündnis zwischen Israel und den USA, die politische Nähe und die US-Finanzhilfe entwickelten sich erst ab 1970.
In Ägypten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Syrien erklärte seine Truppen kampfbereit. Jordanien, Kuwait, Irak und Sudan mobilisierten. Algerien, Irak und Saudiarabien verlegten Panzerverbände bis an die Grenzen Israels. Angesichts der kampfbereiten arabischen Übermacht zog Israel seine Reservisten ein, um das winzige stehende Heer von 50.000 Mann zu verstärken. Da Israel eine Mobilisierung seiner Reservisten nicht lange durchstehen konnte, war es nur eine Frage der Zeit bis zum Kriegsausbruch, oder auch, bis bei den entnervten Israelis die Sicherungen durchgingen, wie der Historiker Tom Segev meint.
Am 5. Juni um 8:45 Uhr ägyptische Zeit, 15 Minuten vor Arbeitsbeginn in ägyptischen Ämtern, als Generale und Piloten auf dem Weg zu ihren Büros waren, starteten israelische Kampfflugzeuge mit der aufgehenden Sonne im Rücken ihren kriegsentscheidenden Überraschungsangriff auf Militärflughäfen im Sinai. In 24 Stunden hatten sie 416 arabische Kampfflugzeuge am Boden zerstört.
Israel schuf mit taktischen Manövern punktuelle Überlegenheit. Wegen eines ägyptischen Funkspruchs über vermeintliche Siege, obgleich die ägyptische Luftwaffe schon ausgeschaltet war, bombardierte Jordanien Tel Aviv und Jerusalem. Am 6. Juni, dem zweiten Tag, zog auch Syrien in den Krieg, ebenso verleitet durch ägyptische Siegesmeldungen. Die große israelische Offensive gegen Syrien begann jedoch erst am Freitag, den 9. Juni, nachdem Ägypten geschlagen und das Westjordanland mitsamt Jerusalem erobert waren. Der Rest ist Geschichte.
(APA/red)
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