Freitag, 8. Juni 2007

Aufregung um abgeschossenen Steinadler im Ennstal: Spaziergänger fand toten Vogel

  • Nationalpark setzte Belohnung auf Täter-Hinweise aus

Der Abschuss eines Steinadlers in Oberösterreich hat Besorgnis im Nationalpark Kalkalpen und in der Jägerschaft ausgelöst. Ein Spaziergänger hatte das tote Tier auf einer Schotterbank entdeckt, dem Vogel waren mehrere Körperteile abgetrennt worden. Der Steinadler ist streng geschützt, im Nationalpark gibt es derzeit drei bis vier Brutpaare.

Der tote Greifvogel lag auf einer Schotterbank der Enns, unterhalb der so genannten Kesselbrücke an der oberösterreichisch-steirischen Landesgrenze. Dem Steinadler wurden Kopf, Fänge, Teile der rechten Schwinge und die Flaumfedern abgetrennt. Eine Untersuchung der veterinärmedizinischen Universität Wien ergab, dass er im Sitzen erschossen worden ist.

Bei dem toten Steinadler handelt es sich um ein Weibchen, das etwa fünf Kilo wog und zwei Meter Flügelspannweite hatte. Es sei gut möglich, dass es Junge zu versorgen gehabt habe, erklärte Nationalparkdirektor Erich Mayrhofer im APA-Gespräch. Für den Nachwuchs würde kaum eine Überlebenschance bestehen.

Kein Hinweis auf Motiv
Das Motiv für den Abschuss bleibt rätselhaft. "Der Adler ist so ein majestätisches Tier", sagte Mayrhofer, er habe noch nie negative Äußerungen gehört, die darauf schließen lassen, dass jemand das Tier jagen würde. Einen Akt von Tierquälerei oder Vandalismus hält er für eher unwahrscheinlich, denn es sei sehr schwer, überhaupt einen Steinadler zu finden. Eher in Betracht kämen Trophäenjagd oder "irgendeine Kulthandlung". Ungewöhnlich sei, dass der Schütze nicht das ganze Tier mitgenommen, sondern durchaus wertvolle Teile zurückgelassen habe.

Ein gewilderter Steinadler sei ihm bisher noch nie untergekommen, sagte ein Ermittler des Landeskriminalamtes im APA-Gespräch. Die Polizei setzt vor allem auf Hinweise aus der Bevölkerung und der Jägerschaft. Der Nationalpark Kalkalpen hat für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt, der Oberösterreichische Jagdverband hat die Summe verdoppelt. (APA)

8.6.2007 15:27