Ganslwirt-Leiter stellt Drogensituation dar: Cannabis wird immer mehr zur Alltagsdroge
- Kokain verliert hingegen an Bedeutung für Polizei
- Oft gebrauchen Armeen Drogen als Aufputschmittel
·Bande gefasst: 60 kg
Kokain geschmuggelt
Suchtgift in Cornflakes-
Packerln aus der Karibik
Die Polizei versagt weltweit - auch in Österreich - beim Drogenproblem. Die angebliche "Edeldroge Kokain" wurde wie viele andere Suchtmittel in der jüngeren Vergangenheit immer billiger und ist in der Alpenrepublik längst in der Straßenszene etabliert. Ein hoher Prozentsatz der Österreicher verwendet Cannabis. Die aktuelle Situation beim Drogengebrauch stellte bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado der ärztliche Leiter des Wiener Drogen-Betreuungszentrums "Ganslwirt", Hans Haltmayer, in einem Seminar dar.
"Bei Ecstasy sind die Preise inflationsbereinigt um rund 50 Prozent gefallen, bei den Amphetaminen um 20 Prozent, bei Kokain um 22 Prozent, bei Heroin um 45 Prozent und bei Cannabis um zwölf bis 19 Prozent", sagte der Experte.
Fazit laut Haltmayer: "War vor einigen Jahren Kokain noch 'gehobenen Gesellschaftsschichten' vorbehalten, wurde die Substanz leistbar. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist diese Erreichbarkeit durchaus ein Faktor, der den Zugang zu einer Substanz erleichtert."
Weltweit beträgt die Kokain-Produktion nach UN-Angaben pro Jahr rund 700 Tonnen verwendbare Substanz. Härtere Polizeimaßnahmen greifen nicht. Haltmayer: "Nur ein verschwindend kleiner Teil der (produzierten, Anm.) Kokain-Mengen werden sicher gestellt. Seit der Vertreibung der Taliban in Afghanistan ist dort beispielsweise die Opium-Produktion explodiert.
Kokain verliert zunehmend an Bedeutung
Dabei gibt es - für Österreich - bezüglich Kokain eher beruhigende Informationen. Der Experte: "Was man sieht, ist, dass der Kokain-Konsum zugenommen hat, aber diese Kurve flacht ab." Ein Gramm Kokain kostet in der Alpenrepublik derzeit zwischen 70 und 100 Euro. Bei einem Bedarf von 0,2 Gramm pro "Trip" aber kann sich der Konsument das leisten. Polizeimaßnahmen haben offenbar weltweit auf den Preis kaum mehr Einfluss.
Wobei sich die Art der Anwendung geändert hat: Immer häufiger wird Kokain injiziert. Es hat dann einen Wirkungseintritt binnen sechs Sekunden und eine Wirkdauer von fünf bis zehn Minuten. Das traditionelle Schnupfen führt erst nach drei Minuten Minuten zum "High" und hält 30 bis 60 Minuten an. Je schneller die Anflutung erfolgt und je kürzer der Effekt anhält, desto höher ist das Suchtpotenzial. Es gibt auch Mischgebrauch, weil die Abhängigen die nach Kokain-Gebrauch eintretende Depression dadurch ausgleichen wollen. Umgekehrt soll Kokain den stark dämpfenden Effekt von Heroin ausbalancieren. Die rauchbare Kokain-Zubereitung "Crack", die mindestens genau so schnell und kurzzeitig wirkt wie injiziertes Kokain wird in Österreich nur sehr eingeschränkt verwendet.
Cannabis wird immer mehr zur Alltagsdroge
Ob es die österreichischen Politiker im Weinland Österreich akzeptieren wollen oder nicht, Hanfprodukte sind mittlerweile zu Alltagsdrogen geworden. Laut der von dem Wiener Experten Hans Haltmayer in Grado zitierten Wiengenerer Suchtmittelstudie haben 39 Prozent der 15- bis 29-Jährigen - also Personen bereits weitab der 68-Jahr-Generation - einmal in ihrem Leben Cannabis verwendet.
In den der Befragung voran gegangenen 30 Tagen ("aktueller Konsum") waren es fünf Prozent. Hier rangierten alle weiteren illegalen Drogen bei einer Häufigkeit des Konsums innerhalb des vergangenen Monats mit weniger als einem Prozent (Ecstasy, Methamphetamin, Kokain, Opiate) weit dahinter.
Dafür gaben 53 Prozent der Klienten von Wiener Betreuungsinstitutionen an, binnen der voran gegangenen 30 Tage Cannabis verwendet zu haben, 46 Prozent Heroin, 48 Prozent andere Opiate, 40 Prozent Kokain und 36 Prozent Benzodiazepine. Das sprach im Jahr 2004 für einen massiven Mischkonsum und auch für die Erhältlichkeit von Substitutionsmitteln auf dem Schwarzen Markt.
Das wissenschaftliche "Check-it" das seit rund zehn Jahren in Wien bei Rave-Parties Substanztestungen und Beratung während der Veranstaltungen durchführt, erfragte zwischen 1998 und 2003 den Drogenkonsum bei Klienten. Bei 513 Befragten zeigte sich unter den Cannabis-Konsumten ein Anstieg des Gebrauchs in den vergangenen 20 bis 30 Tagen von 25 auf 45 Prozent. Haltmayer: "Die Häufigkeit des Cannabis-Konsums stieg von sechs auf 15 Tage im Monat. Wir haben also einen relativ hohen Anteil an Personen, die Cannabis sehr häufig verwenden."
Immer wieder gebrauchen Armeen Drogen als Aufputschmittel
Nun mögen viele Staaten der Erde auf eine restriktive Drogenpolitik setzen und Abhängige oft auch kriminalisieren. Wenn es "passt" gibt es aber für bestimmte Zwecke vom Staat bereitgestellte Aufputschmittel. Amphetamin ("Pervitin") wurde ehemals von deutschen Chemikern im Dritten Reich entwickelt und bei Kampfpiloten zur Steigerung der Aufmerksamkeit verwendet. Der Wiener Drogenexperte Haltmayer: "Die US-Air Force hat im Irak-Krieg Amphetamin gezielt bei Piloten eingesetzt."
Das erfolgte unter kontrollierten Bedingungen, Wirkungseintritt von Amphetamin nach der oralen Einnahme: 30 Minuten. Sechs bis acht Stunden dauert dann die - in diesem Fall - " behördlich" verordnete Wirkung für den Kriegseinsatz.
(apa/red)
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