Mittwoch, 6. Juni 2007

Gestohlene Stradivari-Geige ist gefunden: Millionen-Instrument in Wien sichergestellt

  • "Zufallstreffer" der Diebe: Sechs Georgier inhaftiert
  • Paket wird zum Verhängnis - Besitzer "überglücklich"

Der Millionendiebstahl der Stradivari von Stargeiger Christian Altenburger ist geklärt. In der Wohnung einer georgischen Einbrecherbande entdeckten Ermittler unversehrt das bis zu 2,5 Millionen Euro teure Musikinstrument. "Es ist so wie wenn ein Kind zurückkehrt", sagte der Musiker bei einer Pressekonferenz mit Polizei und Innenminister Günther Platter. Auf die Spur führte die Ermittler ein Postpaket mit Diebesgut aus Altenbergs Wohnung. Mit einem darauf sichergestellten Fingerabdruck wurden die mutmaßlichen Täter ausgeforscht.

Der Abdruck gehöre zu einem vorbestraften georgischen Asylwerber, berichtete Major Manfred Briegl von der Kriminaldirektion 1. Anhand von Lichtbildern und Observationen wurden sechs Verdächtige sowie die Wohnung mit dem Diebesgut ermittelt. Sechs Georgier wurden festgenommen. Sie sind nicht geständig und nur "wenig gesprächig", so die Polizei.

Die mutmaßlichen Täter im Alter von 21 bis 32 Jahren sind verdächtig, seit Mai insgesamt 21 Wohnungseinbrüche im innerstädtischen Bereich nach dem gleichen "Modus Operandi" durchgeführt zu haben. Dies und die Beute - mitgenommen wurden auch Kleidungsstücke, Schmuck und Alkohol - deuten laut Briegl im Fall der Stradivari auf einen Zufallstreffer hin. "Das entspricht keinem Auftragseinbruch", so der Kriminalist.

Auf die Spur führte die Ermittler ein Fingerabdruck auf einem aus Altenburgers Wohnung gestohlenen Koffer. Das Gepäck mit Diebesgut wollten die Einbrechern per Post nach Georgien verschicken. Die Polizei wusste, dass Pakete mit gestohlenen Gegenständen in den osteuropäischen Raum versendet werden und alarmierte Zollbehörden und Post. Den Bediensteten fiel dann tatsächlich der verdächtige, mit Klebeband verschnürte Koffer in die Hände. Im Gepäck befanden sich mehrere gestohlene Gegenstände, darunter neben Digitalkameras von anderen Einbrüchen auch Kleidung aus der Wohnung des Stargeigers.

Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen
Bei der kriminaltechnischen Untersuchung entdeckten die Ermittler auf einem Klebeband einen Fingerabdruck, der laut Briegl einem einschlägig vorbestraften Asylwerber und so Lichtbildern zugeordnet werden konnte. Bekannt waren allerdings lediglich Obdachlosenmeldungen, laut denen sich der Verdächtige in Hernals aufhalten könnte.

Die "komplette manpower" der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EDS) konzentrierte sich in einigen Bezirken auf die Fahndung nach den möglichen Tätern. "Es war schlichtweg die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen", schilderte Chefinspektorin Margit Wipfler von der EDS.

Anschließend wurden von einer Streife dann tatsächlich zwei der mutmaßlichen Einbrecher auf der Hernalser Hauptstraße entdeckt und observiert. Die Verdächtigten führten die Beamten zu einer Wohnung. Nach langen Beobachtungen wurde das Appartement im Erdgeschoss schließlich gestürmt. In einem Wandverbau entdeckten die Ermittler die unversehrte Stradivari sowie die ebenfalls gestohlene Vuillaume-Geige. Drei weitere Verdächtige hatten die Wohnung während der Überwachung verlassen. Beamten folgten den Asylwerbern und nahmen sie auf der Straße fest.

"Da kriegt ma fast an Herzinfarkt"
Die Täter dürften im Tresor vermutlich etwas ganz Anderes erwartet haben als Musikinstrumente, erklärte Briegl. Zumindest zu Beginn hätten sie vermutlich gar nicht gewusst, wie wertvoll die gestohlene Geige ist. Für diese Annahme sprechen laut Wipfler auch die Zertifikate der Instrumente, die in der Diebeswohnung verstreut gefunden wurden.

Innenminister Platter sprach von einem "großen Erfolg" und bedankte sich bei den Ermittlern. "Ich bin hocherfreut, dass die Polizei Wien in einer Woche einen Millionendiebstahl klären konnte." Auch bei der Polizei war die Aufregung groß. "Da kriegt ma fast an Herzinfarkt", schilderte Margit Wipfler den Moment, in dem die Stradivari in der Wohnung auf der Hernalser Hauptstraße entdeckt wurden.

"Geige ist ein Teil von mir"
"Ich bin natürlich überglücklich und erleichtert und übernächtigt vom Feiern. Das war ein unglaublicher Tag ", berichtete der sichtlich erfreute Stargeiger. "Ich habe noch nicht gespielt darauf, aber sie ist in Ordnung. Mein Geigenbauer hat sie untersucht."

Er habe nie zu hoffen gewagt, "dass es so schnell gehen würde", meinte der 49-jährige Musiker. "Die Geige ist ein Teil von mir. Man kann schon vergleichen - weiß ich nicht - wie wenn eine Entführung stattfindet."

"Ich möchte mich an erster Stelle bei den Ermittlern der Kriminaldirektion 1 bedanken", so Altenberger zu der raschen Aufklärung. Seine Wohnung werde ab sofort verstärkt abgesichert. Die wertvolle Stradivari soll zukünftig allerdings an einem anderen Ort aufbewahrt werde. "Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen", erinnerte sich der Musiker an die Nachricht vom Fund der Geige. "Mein Pulsschlag ist um einige Grade gestiegen."

(apa/red)

6.6.2007 12:35