Österreich einer der größten Empfänger: Marshallplan machte Wiederaufbau möglich
- US-Hilfsprogramm ging am 5. Juni 1947 an Start

Das unter dem Namen Marshall-Plan bekannt gewordene US-Hilfsprogramm hat wesentlich zum erfolgreichen Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen. Lebensmittel und Brennstoffe, besonders Kohle, wurden in den späten 1940er Jahren im Rahmen dieses Programms in das kriegsgeschüttelte Land gebracht; ab etwa 1950 verlagerte sich die Hilfe auf Investitionsgüter wie Traktoren und Maschinen. Später, in der letzten Phase des Programms, floss Geld in Grundstoffindustrien, Energieversorgung, Exportindustrie und den Fremdenverkehr.
Das Europäische Wiederaufbauprogramm (ERP), so der offizielle Name, wurde am 5. Juni 1947 ins Leben gerufen. Österreich trat ein Jahr später bei, am 2. Juli 1948. Damit verbunden war auch der Beitritt zur Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), die für die Durchführung des Plans verantwortlich war und aus der die heutige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris hervorgegangen ist.
Betrachtet man den Hilfsumfang pro Kopf, war die Alpenrepublik einer der größten Empfänger der Wiederaufbauhilfe: Rund 97 Dollar Direkthilfe pro Kopf erhielt das Land damals, mehr als das Doppelte des OEEC-Niveaus. Zu den anderen hoch dotierten Ländern nach diesem Schlüssel zählten Island, Norwegen, Griechenland und die Niederlande.
Insgesamt erhielt Österreich bis 1953 Hilfslieferungen aus den USA im Wert von damals rund 962 Millionen Dollar, einige liefen noch bis 1955. Der Großteil der Hilfe bestand aus Warenlieferungen; knapp ein Drittel machte die indirekte Hilfe in Form von Dollarbeträgen aus.
Weil Österreich vom Krieg besonders hart getroffen war, erhielt das Land - ebenso wie Griechenland - die ganze US-Hilfe in Form von Schenkungen, während die übrigen europäischen Empfängerländer diese Hilfe später teilweise zurückzahlen mussten. Dafür musste das Land für Währungsstabilität und einen ausgeglichenen Staatshaushalt sorgen.
Die Alpenrepublik war aber auch in anderer Hinsicht ein Sonderfall: die Marshall-Plan-Hilfe kam auch der sowjetischen Besatzungszone des Landes zugute - was in Deutschland nicht der Fall war. Den übrigen Ländern im sowjetischen Einflussbereich hatte Moskau den Genuss der US-Hilfe völlig verwehrt.
Die Hilfslieferungen wurden der Bundesregierung übergeben, die sie im Inland gegen Schillingwährung zum Verkauf gab. Die Erlöse daraus wurden auf ein so genanntes Counterpart-Konto (Gegenwert-Konto) bei der Nationalbank eingezahlt - auf diese Weise konnte das Geld aus der Marshall-Plan-Hilfe zur Eigenfinanzierung des Wiederaufbaus verwendet werden. Zinsgünstige Kredite wurden vergeben; nach ihrer Rückzahlung wurde das jeweilige Geld für neue Kredite verwendet.
Die Verwaltung des daraus entstandenen Fonds stand bis Anfang der 1960er Jahre unter der Kontrolle der Amerikaner; erst mit dem ERP-Fonds-Gesetz vom 1. Juli 1962 ging die alleinige Verfügungsgewalt an Österreich über. Der Fonds entwickelte sich zur bedeutendsten Institution für die Förderung der Industrie und zur Strukturverbesserung in Österreich, der noch heute besteht.
(APA/red)
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