Montag, 4. Juni 2007

"Pickerl" für Männer: Krebshilfe will mit
einer neuen Aktion an Vorsorge erinnern

  • Ärztliche Kontrollen bald wie Kfz-Überprüfungen?

Männer gelten als "Vorsorgemuffel" und liegen punkto Gesundheit in manchen Bereichen weit hinter dem weiblichen Geschlecht. Im Schnitt leben Frauen sechs Jahre länger. Auch bei Prostatakrebs gibt es schlechte Nachrichten: Die Diagnose musste in den vergangenen 20 Jahren doppelt so oft gestellt werden wie zuvor, so die Österreichische Krebshilfe. Mit einem "Pickerl" als Aufmacher soll eine neue Kampagne nun zum Arztbesuch animieren.

Ungesunder Lebensstil und Ignoranz gegenüber Gesundheitsrisiken würden zur kürzeren Lebenserwartung der Männer beitragen. Auch Vorsorgeuntersuchungen lasse das starke Geschlecht im Vergleich zu den Frauen vermehrt aus, sagte Krebshilfe-Präsiden Paul Sevelda. Dabei seien präventive Arztbesuche bei Prostatakrebs, dem häufigsten Karzinom bei Männern, besonders wichtig. Bis zu 90 Prozent der noch auf die Prostata beschränkten und damit heilbaren Krebserkrankungen könnten durch einen einfachen Bluttest entdeckt werden.

Früherkennungsmaßnahmen seien zwar bei einem überwiegende Teil der Männer bekannt, nur wenige nehmen sie allerdings in Anspruch. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2005 wissen 72 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 85 Prozent der über 50-Jährigen darüber Bescheid. 61 Prozent bzw. 28 Prozent haben trotz Kenntnis von den Methoden noch keine Untersuchung gemacht.

"Wir würden uns wünschen, dass Österreichs Männer so selbstverständlich zu Vorsorgeuntersuchungen gehen wie sie ihr Auto zum 'Pickerl' stellen", betonte Sevelda. Mit dem "Kfz-Pickerl", dass bei Fahrzeugen regelmäßige Kontrollen nachweist, soll eine neue Kampagne die Männer nun zu präventiven Arztbesuchen bewegen. Eine Broschüre klärt über Krebserkrankungen und Früherkennung auf. Angeboten wird auch ein Erinnerungs-E-Mail, dass auf regelmäßige Untersuchungen aufmerksam macht. Der ORF unterstützt die Krebshilfe mit der Ausstrahlung von Werbespots, in denen bis zum Vatertag ÖFB-Präsident Friedrich Stickler und Moderator Wolfram Pirchner an Vorsorgemuffeln appellieren.

Dass Männer früher sterben als Frauen, sei nicht naturgegeben, so der Mediziner Siegfried Meryn, Präsident der International Society for Men's Health & Gender (ISMH). Der Unterschied in der Lebenserwartung müsse auf Risikofaktoren zurückgeführt werden. Der biologische Altersunterschied zwischen den beiden Geschlechtern liege demnach unter einem Jahr. So gesehen hätten Männer ein enormes Aufhol-Potenzial.

(apa/red)

4.6.2007 11:08