Samstag, 9. Juni 2007

Österreich-Pavillon als Tempel der Malerei:
Herbert Brandl bei 52. Biennale in Venedig

  • Österreicher zeigt seine sehr farbenprächtigen Bilder
  • Behutsamer Umbau mit Durchblick auf Wiesenbild

Der von Herbert Brandl bespielte Österreich-Pavillon in den venezianischen Giardini wird ein Tempel der Malerei, ein farbenprächtiger Ort der Ruhe und Kontemplation am Rande eines hektischen Besucherstroms, der sich über das Gelände der 52. Kunstbiennale Venedig ergießen wird.

"Gerade zum Zeitpunkt einer breiten Wiederentdeckung der Malerei in der aktuellen Kunst scheint es überfällig, diese herausragende Position heutiger Malerei im besonderen Rahmen der Biennale von Venedig vorzustellen", begründet Robert Fleck, Leiter der Hamburger Deichtorhallen und 2007 Kommissär des Österreich-Auftrittes, seine Entscheidung für den 48-jährigen gebürtigen Grazer. Brandl, der Anfang der 80er-Jahre mit Kollegen wie Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch und Hubert Scheibl als "Neue Wilde aus Österreich" international Furore machte, und nach seiner Venedig-Einladung alle Ausstellungsvorhaben absagte, um sich auf die Biennale zu konzentrieren, zeigt rund zwanzig meist großformatige neue Bilder.

"Im Vordergrund der Präsentation stehen die Möglichkeiten heutiger Malerei in unterschiedlichen Registern, wobei die Virtuosität und Mächtigkeit von Brandls Malerei durch Brüche und Grenzlinien in einem antidekorativen Sinn gehalten wird", heißt es in den Presseunterlagen. Das Gebäude von Josef Hoffmann wurde dafür von dem in der Lagunenstadt lebenden dänischen Architekten Troels Bruun nach Brandls Anweisungen behutsam umgebaut, um optimale Bedingungen für die Präsentation seiner Bilder zu erhalten. Torbögen wurden begradigt, Lichtverhältnisse verbessert, ein grauer Boden und wieder auf den Original-Zustand zurückgeführte Deckenlösungen schaffen ein ideales Umfeld für die gezeigten Kunstwerke.

Schon von weitem verweist der Pavillon auf seinen Inhalt: Im Innenhof hängt ein großes, grünes Gemälde, auf das der Blick des Besuchers durch den offenen Eingangsbereich schon bei seinem Weg zum Gebäudes fällt. Die Farben reflektieren auf verblüffende Weise die Rasenfläche vor dem Pavillon, und auch die sich auf dem Bild abzeichnende Wiese steht exemplarisch für Brandls zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen reinen Farbflächen und weiterentwickelter Landschaftsmalerei angesiedelten Bildern, für die nicht selten Fotografien als Anregung dienen. Auch für einen von violett bis orange grell schillernden Sonnenaufgang wurde Brandl von in Lanzarote aufgenommenen Fotos inspiriert.

Vor Grauschleier und Düsternis braucht sich der Besucher des Österreich-Pavillons nicht zu fürchten: Brandl zeigt keine Scheu vor kräftigen Farben. Zwar hat er seine in Venedig gezeigten Bilder extra für die Biennale gemalt, doch will er dabei "überhaupt nicht an den Pavillon gedacht" haben: "Ich bin nicht auf bestimmte Wände eingegangen", schildert er im Gespräch mit Robert Fleck, "ich dachte mir: Wir werden den richtigen Platz finden müssen. Das heißt, wir müssen es in Kauf nehmen, dass man - der Verzweiflung nahe - herumprobiert und eigentlich nicht weiß, wie es gehen soll. Dann gibt es das Erlebnis, dass es doch geht, und dann entsteht der Pavillon."

(apa/red)

9.6.2007 13:00