Europäische Kinder werden immer dicker: EU-Kommission droht Industrie mit Gesetzen
- Fast 22 Millionen junge Europäer haben Übergewicht
- "Auf Kinder abzielende Werbung künftig eindämmen"
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Autoren fordern Strafe für Eltern fetter Kinder
Wegen der zunehmenden Zahl dicker Kinder in Europa schlägt die EU-Kommission Alarm und droht der Nahrungsmittelindustrie mit Gesetzen. Die Eltern sind offensichtlich auch schlechte Vorbilder. Gesundheitskommissar Markos Kyprianou warnte in Brüssel vor einem "sprunghaften Anstieg" der Zahl übergewichtiger oder fettleibiger Europäer. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in den meisten EU-Ländern seien bereits betroffen. "Die Zahlen sind erschreckend", sagte Kyprianou.
Der Nahrungsmittelindustrie drohen nun Vorschriften aus Brüssel, sollten die Hersteller die Nährstoffe in ihren Produkten nicht deutlicher kennzeichnen, machte Gesundheitskommissar Kyprianou klar. Zucker, Salz und Fett müssten zudem gesenkt und auf Kinder und Jugendliche zielende Werbung eingedämmt werden. "Wenn wir nicht handeln, werden aus den übergewichtigen Kindern von heute die Herzinfarktopfer von morgen", warnte er.
22 Millionen Kinder mit Übergewicht
Knapp 22 Millionen Kinder in der EU seien Schätzungen zufolge übergewichtig, jährlich kämen etwa 400.000 dazu. Drei Millionen Schulkinder seien regelrecht fettleibig. "Sport muss wieder als Spiel und Spaß betrieben werden, nicht mehr nur als Wettbewerb", forderte Kyprianou. So spielten zu viele Kinder nicht mehr draußen, sondern nur noch mit dem Computer oder säßen vor dem Fernseher.
Die EU-Kommission will gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung in den kommenden Jahren zu einem Topthema der EU-Gesundheitspolitik machen. Aber auch andere Bereiche wie die Verkehrs- oder Regionalpolitik sollen einbezogen werden, indem beispielsweise der Ausbau von Fahrradwegen oder Sportstätten gefördert wird. Jeder dritte Europäer bewegt sich Studien zufolge in seiner Freizeit überhaupt nicht.
Bessere Information
Für seine Aufklärungskampagne setzt der EU-Kommissar auch auf bessere Informationen für Käufer. "Die Verbraucher entscheiden, was sie essen wollen, aber sie sollten in der Lage sein, ihre Entscheidungen kenntnisreich zu treffen und aus einem gesunden Angebot wählen zu können", sagte Kyprianou. Bis Ende des Jahres werde die Kommission Vorschläge für eine bessere Etikettierung vorlegen. Für die Werbewirtschaft seien strengere Verhaltensregeln notwendig. Daneben müsse es mehr Werbekampagnen von Sportverbänden geben. Dabei müssten Kinder besonders angesprochen werden.
Nach Angaben der EU-Kommission zählen Ernährungsfehler und mangelnde Bewegung zu den Hauptursachen für schwere Erkrankungen. Fettleibigkeit (Adipositas) ist ein Risikofaktor für schwere Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Schlaganfall und für sieben Prozent der Gesundheitskosten in der EU verantwortlich. (APA/red)
