Mittwoch, 30. Mai 2007

Brief aus dem Gefängnis

  • Geldmaschine: Kartnig hat bis zu 6,5 Millionen Euro privat in den Klub investiert

EXKLUSIV. Karting schreibt NEWS. Er gesteht Schwarzgelder an Spieler, beteuert aber seine Unschuld: Entlastungsmaterial sei verschwunden.

Ein schlichtes weißes Kuvert. Eine 1-Euro-Briefmarke, Motiv: Weststeirisches Bauernhaus Rossegg. Ein Poststempel: 8010 Graz, datiert mit 25. Mai 2007. Kein Absender auf der Rückseite. Beim Öffnen des Kuverts dann die Überraschung: ein handschriftlicher Brief von Hannes Kartnig aus der Untersuchungshaft an die NEWS-Redaktion. 25 eng beschriebene Zeilen, in denen der Ex-Sturm-Boss erstmals persönlich zum Gegenangriff übergeht: „Ich bin tief erschüttert über diese Vorwürfe, da ich nie meinen Verein SK Sturm in irgendeiner Weise geschädigt habe. Ich habe in all diesen Jahren ca. 80–90 Mio. ATS in den Verein investiert.“

Briefliches Geständnis. Und dann so etwas wie ein Geständnis: „Dass der Verein an Spieler Schwarzgeld geleistet hat, will ich keineswegs bestreiten.“ Dafür, weiß der am Abend des 7. Mai vor seinem Büro am Eggenberger Gürtel verhaftete Selfmade-Millionär, wandert man als Fußballfunktionär in Österreich normalerweise nicht in U-Haft.

Eine unfassbare Intrige gegen seine Person sei das Ganze. Namentlich erwähnt Kartnig den ehemaligen Sturm-Sekretär, von dem er sich im Streit getrennt hat und der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Und einen „Geschäftsführer bzw. Manager der Venus-Bar (Rotlicht)“. NEWS distanziert sich ausdrücklich von den von Kartnig erhobenen Vorwürfen.

Tatsächlich aber scheint der „Fall Kartnig“ inzwischen eine dramatische Wendung zu nehmen, seit immer mehr Unterlagen über das fast Schwindel erregende „Schwarzgeld-Karussell“ beim zweifachen österreichischen Fußballmeister und dreifachen Champions-League-Teilnehmer auftauchen, mit dessen Hilfe ehemalige Sturm-Stars wie Ivica Vastic oder Tomislav Kocijan offensichtlich jahrelang angeblich „steuerfrei“ bei Laune gehalten wurden.

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30.5.2007 15:53