Freitag, 1. Juni 2007

Cerberus auf Rot-Weiß-Rot: Stiasny und Tojer gründen jetzt neuen Austro-Fonds

  • FORMAT: Ziel sind Übernahmen im Mittelstand
  • Private-Equity-Gesellschaft heißt "Buy-Out Europe"

Ex-UIAG-Chef Kurt Stiassny und der Investor Michael Tojner gründen einen neuen Austro-Fonds. Das Ziel des Duos: Übernahmen im Mittelstand.

Autofreak Kurt Stiassny, der bis Mitte Mai Chef der Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft UIAG war, trauert seinem BMW nach. Mit dem Ausscheiden aus dem börsennotierten Unternehmen, das er siebzehn Jahre lang führte, gab er seinen Firmenwagen mit dem Kennzeichen "UIAG 1" zurück. "Jetzt nutze ich eben meinen privaten Volvo", sagt Stiassny. Sein Trost: Es ist nur eine Übergangslösung - bald darf er wieder ein Dienstauto fahren.

Denn Stiassny gründet eine neue österreichische Private-Equity-Gesellschaft. Deren Name zeigt Ambition: "Buy-Out Europe". Für Aufsehen in der Branche wird der neue Industriefonds mit Sicherheit sorgen, zumal sich Stiassny einen zweiten Promi der heimischen Private-Equity-Branche als Partner angelacht hat: Michael Tojner, Boss der Global Equity Partners (GEP). Tojner begründet das so: "Wir beide sind im Markt als Garanten für hohe Renditen bekannt."

Mehr als zwanzig Prozent Ertrag pro Jahr soll ihr neues Projekt abwerfen, versprechen die Neo-Partner ihren ausschließlich österreichischen Investoren, deren Namen - mit Ausnahme der Oberbank Linz als wichtigstem Bankenpartner - noch streng geheim sind. 100 bis 150 Millionen Euro wollen sie für den ersten "Buy-Out Central Europe"-Fonds bis Sommer einsammeln, rund die Hälfte haben sie bereits in der Tasche. Inklusive Kreditlinien ergibt sich damit ein Volumen für Übernahmen und Beteiligungen von satten 400 bis 600 Millionen Euro.

Der Zweck von "Buy-Out Europe": in mittelgroße Firmen einsteigen, ihren Wert maximieren und nach fünf bis sieben Jahren mit Profit wieder aussteigen, etwa per Börsengang. "Es wird der größte österreichische Fonds mit Fokus Mittelstand", sagt Stiassny, der auch dem Ausverkauf des Landes entgegenwirken will. Akquirierten zuletzt große "Heuschrecken"-Fonds heimische Unternehmen, etwa US-Finanzinvestor Cerberus die Bawag, so wollen Stiassny und Tojner den Spieß umdrehen. Ins Visier nehmen sie Familienbetriebe mit dreißig bis 200 Millionen Euro Umsatz aus Österreich, der Schweiz, Süddeutschland und Osteuropa. Stiassny: "In vier Jahren wollen wir zehn bis fünfzehn Firmen im Portfolio haben."

In der aktuellen "Heuschrecken"-Diskussion würden die beiden damit wohl ebenfalls unter den 2005 vom deutschen SPD-Politiker Franz Müntefering geprägten, negativ besetzten Begriff fallen - allerdings sehr zu ihrem Missfallen. Tojner: "Diese Titulierung wäre weit hergeholt."

"Ich fühle mich nicht als Heuschrecke, sondern als Unterstützer. Wir schaffen Wachstum", assistiert Stiassny und legt beim Gespräch mit FORMAT eine Broschüre mit den Erfolgen der Vergangenheit auf den Konferenztisch im GEP-Büro in der Wiener Mariahilfer Straße.

Demnach hat die UIAG in den 17 Jahren der Ära Stiassny unterm Strich mehr als 25 Prozent Rendite pro Jahr erzielt - "nicht durch Filetierung von Firmen, sondern durch Wertsteigerung", wie er betont. So etwa zwischen 1997 und 1998, als die UIAG an der Elektrokette Niedermeyer beteiligt war. Jahresrendite: 127,30 Prozent. Kranhersteller Palfinger brachte zwischen 1996 und 1999 40,30 Prozent, Andritz zwischen 1999 und 2004 immerhin 21,30 Prozent.

Als Beispiel dafür, dass er mit Tojner gut zusammenarbeiten kann, nennt Stiassny das gemeinsame Engagement bei Bene. Der Büromöbelhersteller sah sich vor drei Jahren einem schwierigen deutschen Absatzmarkt gegenüber und brauchte Kapital. Stiassnys UIAG und Tojners GEP stiegen zusammen ein, um die Firma im November 2006 mit Gewinn an die Börse zu bringen. Stiassny: "Heute ist Bene dabei, europäischer Marktführer zu werden."

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1.6.2007 09:44