Keine Fortschritte im gewünschten Ausmaß:
Kehren jetzt Vastic & Co. ins Team zurück?
- Hickersberger vermisst bei den Jungen Fortschritte
Team-Coach mit 1. Hälfte unzufrieden, Ergebnis o.k. - Stürmermangel: Letzte drei Spiele ohne Torerfolg

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2007 Geschichte. 2008 wartet u.a. Deutschland
Ein Jahr vor der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land tritt Österreichs Nationalteam auf der Stelle. Dem 0:1 gegen Schottland folgte mit dem 0:0 gegen Paraguay im Hanappi-Stadion zwar ein akzeptables Ergebnis, von einer wirklichen EURO-Reife war aber in beiden Partien nichts zu sehen - das musste auch Teamchef Josef Hickersberger eingestehen. "Es gibt keine Fortschritte im gewünschten Ausmaß." Daher schließt Hickersberger auch die Rückkehr von Routiniers wie Vastic & Co. nicht mehr aus.
Der Niederösterreicher hatte seiner Mannschaft mit einem System mit nur einer echten Spitze und dafür einem zahlenmäßig verstärkten Mittelfeld auf den Platz geschickt, das Resultat war eine phasenweise inferiore Leistung in der ersten Hälfte. Vier Wechsel zur Pause und eine Rückkehr zum bisher praktizierten 4-4-2 brachte nach dem Seitenwechsel immerhin eine klare Steigerung.
"Taktisch spielen hat nicht funktioniert"
"Dass, was wir taktisch spielen wollten, hat überhaupt nicht funktioniert", erklärte Hickersberger. "Daher blieb mir keine Wahl, als einige Wechsel vorzunehmen. Mit dem gewohnten 4-4-2 hat das Spiel besser funktioniert und wir sind zu einigen Chancen gekommen, müssen aber auch zugeben, dass Jürgen Macho einige Bälle für uns gehalten hat."
Mit der Darbietung seiner Schützlinge vor dem Seitenwechsel ging der Teamchef hart ins Gericht. "In der ersten Hälfte hatten wir keine Aktion über drei, vier Stationen. Unser Kardinalfehler war, dass wir in solchen Situationen zu wenig lauffreudig sind, wenn der Gegner im Ballbesitz ist, und nicht so zur Sache gehen wie etwa ein Martin Stranzl."
Mit Resultat "halbwegs zufrieden"
Mit dem Resultat sei er aber halbwegs zufrieden. "Immerhin haben wir gegen ein Team gespielt, das an den drei letzten Weltmeisterschaften teilgenommen hat. Wir müssen zugeben, dass Paraguay die bessere, routiniertere Mannschaft war als Österreich."
Stürmermangel
Unterm Strich blieb wenigstens die erste Partie in der Ära Hickersberger II ohne Gegentor. "Darüber bin ich froh, das wollten wir schon lange erreichen. Auf der anderen Seite haben wir nach wie vor Probleme im Spiel nach vorn", meinte der 59-Jährige, dessen Mannschaft die vergangenen drei Testspiele ohne Torerfolg beendete.
Die jüngsten Ergebnisse sind laut Hickersberger "nicht so schlecht wie manche Phase in unserem Spiel." Beurteilt werde ein Trainer nach den Resultaten, "aber man muss auch die Leistung und die Umstände sehen." Besondere Umstände sind es, die dem Teamchef im Moment Kopfzerbrechen bereiten.
Spielpraxis fehlt
So verfügen viele aktuelle Teamspieler aus verschiedenen Gründen nicht über ausreichende Spielpraxis. "Die Partien gegen Schottland und Paraguay waren Spiele, wo ich schon bei der Kaderzusammenstellung gewusst habe, dass es ganz schwierig wird und keine guten Leistungen zu erwarten sind, weil viele Neulinge dabei waren und sogar Leute, die nicht einmal wirkliche Bundesliga-Erfahrung haben."
Viele wichtige Positionen in der heimischen Liga, vor allem im Angriff, werden von Ausländern besetzt, und von einem Umdenken der Klub-Betreuer geht "Hicke" nicht aus. "Es wäre eine trügerische Hoffnung, dass ein Vereinstrainer auf das Nationalteam Rücksicht nimmt. Wenn er mit lauter Österreichern verliert, ist er arbeitslos."
Rückkehr von Vastic & Co.
Auf Grund des mangelnden Angebots an teamreifen Kickern ist es nicht unmöglich, dass bei der EURO vielleicht doch noch auf Routiniers a la Ivica Vastic zurückgegriffen wird. "In Österreich kann man nichts ausschließen, so groß ist die Spielerdecke nicht. Aber wir haben den Plan, im Zweifelsfall die jungen Spieler einzusetzen und diese auch zu fördern."
Auch wenn er mit einigen Problemen konfrontiert ist, hat es Hickersberger nach eigenen Angaben nicht bereut, die Nationalmannschaft übernommen zu haben. "Die Sinnfrage habe ich mir noch nicht gestellt. Trotz der widrigen Verhältnisse bin ich mit Leidenschaft Fußball-Trainer. Aber ich habe es mir nicht so schwierig vorgestellt, geglaubt, dass mehr Spielermaterial vorhanden ist. Wir können im Moment keine Schlüsselspieler ersetzen", lautete die Diagnose des Teamchefs, dessen Zeit als Coach nach eigenen Angaben "absehbar" ist. "Ich weiß, wo ich nach der EURO arbeiten werde."
Bis dahin gilt es aber, eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. In diesem Zusammenhang setzt man laut Hickersberger "auf das Prinzip Hoffnung", eine Steigerung bis Juni 2008 sei aber allein schon deshalb zu erwarten, weil sich dann das Team im Gegensatz zum Paraguay-Match in einem weit stärkeren körperlichen Zustand befinden werde. "Wir werden nächstes Jahr eine viel bessere Mannschaft haben", versprach der Teamchef.
"Teamgeist, Fitness und Heimvorteil"
Die EURO-Hoffnungen von Hickersberger ruhen nach wie vor auf drei Säulen. "Wir haben keine Weltklassespieler, daher geht es nur über Teamgeist, Fitness und Heimvorteil." Nach den Hasstiraden gegen Kapitän Andreas Ivanschitz am Mittwoch stand das Publikum gegen Paraguay geschlossen hinter Österreich. "Das war heute eine ganz andere Stimmung. Ich bedanke mich bei den Zuschauern, dass sie uns so unterstützt haben. Das war vor allem in der ersten Hälfte nicht leicht."
Stickler lobt Fans und Hicke
Auch ÖFB-Präsident Friedrich Stickler freute sich über den Stimmungswandel im Hanappi-Stadion und sprach Hickersberger obendrein für dessen Austäusche in der Pause ein großes Lob aus. "Ich habe die Wechsel vom Teamchef sehr tapfer gefunden, das hätte sich vielleicht nicht jeder getraut. Da waren ja Spieler dabei, die bei ihrer Mannschaft in der Bundesliga noch kein Spiel durchgespielt haben", meinte der Lotterien-Boss etwa mit Blick auf den Rapidler Erwin Hoffer. (apa/red)










