Mittwoch, 30. Mai 2007

Kartnig-Geständnis kostet müdes Lächeln:
Ex-Sturm-Präsident war bereits überführt

  • Schwarzgeldzahlungen haben für Kicker ein Nachspiel
  • Finanzdelikte? Ex-Spieler Schopp, Vastic & Co zittern

Wenig beeindruckt hat sich die Staatsanwaltschaft Graz vom Teilgeständnis des ehemaligen Sturm-Graz-Präsidenten und derzeitigen Untersuchungs-Häftlings Hannes Kartnig gezeigt. Die langjährige Lichtgestalt des steirischen und österreichischen Fußballs hatte schon in der vergangenen Woche bei einer richterlichen Anhörung Schwarzgeldzahlungen an Spieler, Trainer und Angestellte sowie damit in Verbindung stehende Abgabenhinterziehung zugegeben.

Kartnigs Anwälte Richard Soyer (Wien) und Michael Pacher (Graz) gingen mit dieser neuen Entwicklung auch öffentlich in die Offensive. Die Juristen erhoffen sich eine baldige Enthaftung ihres prominenten Mandanten, da die Gründe der Verabredungs- und Verdunkelungsgefahr nun weggefallen wären.

Manfred Kammerer, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, sieht dies anders und relativierte Kartnigs Kooperationsbereitschaft: "Die Sachverhalte sind nicht vom Tisch. Er hat sich nur in Punkten geständig gezeigt, in denen er schon klar überführt war."

Man sehe im Zugeben von Taten, die durch Unterlagen und Belege klar nachgewiesen wurden, keine große Leistung, betonte Kammerer gegenüber der APA. Abgesehen davon, dass man dem gefallenen Sturm-Zampano neben der Abgabenhinterziehung auch noch Veruntreuung, Untreue, betrügerische Krida und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen zur Last legt, sei die Anklage in der jüngsten Hauptverhandlung auch noch auf das "Verbrechen des schweren Betrugs" ausgeweitet worden. Bis zur nächsten Verhandlung in drei Wochen werde laut Kammerer daher unverändert weiter erhoben.

Schwarzgeldzahlungen haben für Kicker ein Nachspiel
Ein äußerst unangenehmes Nachspiel könnte das Geständnis der Schwarzgeldzahlungen für ehemalige Sturm-Kicker, Trainer oder andere Bezieher von anonymen Sparbüchern und sonstigen an der Finanz vorbeigeschleusten Zahlungen haben.

Kammerer erklärte dazu auf APA-Anfrage: "Die gerichtliche Zuständigkeit beginnt in solchen Fällen ab 75.000 Euro. Nun gilt es die Frage zu klären, ob Spieler oder Trainer diese Grenze überschritten haben." Zunächst werde die Finanzbehörde tätig.

Einigen Akteuren aus der "goldenen" Sturm-Ära, als Ivica Vastic, Markus Schopp, Hannes Reinmayr, Mario Haas und Co. in der Champions League "geigten", blühen also voraussichtlich unangenehme Befragungen.

Es stellt sich wohl in erster Linie die Frage, ob die Zahlungen von den Empfängern versteuert wurden oder nicht. Im zweiten Fall wäre dies ein Finanzdelikt.

Kartnig-Anwälte "irritiert" von Staatsanwaltschaftsaussagen
"Irritiert" von den Aussagen der Staatsanwaltschaft Graz über das Teilgeständnis von Kartnig haben sich dessen Anwälte Richard Soyer und Michael Pacher gezeigt. Die Äußerungen seien Wertungen, die die Unschuldsvermutung verletzen würden, erklärte Soyer der APA.

Soyer betonte auch, dass sich die Untersuchungshaft auf Informationen aus einem Schlussbericht der Finanz stützen würde, die Kartnig und seinen Rechtsvertretern noch immer nicht zugänglich gemacht worden seien. "Wenn die Staatsanwaltschaft nun erklärt, das Geständnis unseres Mandanten sei nicht viel wert, ist das eine Wertung, die wir strikt zurückweisen. Es liegt eine umfassende Mitwirkung vor, der aber Grenzen gesetzt sind, wenn wir keine Einsicht bekommen", so der Anwalt. Kammerer hatte am Mittwochvormittag gemeint, man sehe im Zugeben von Taten, die durch Unterlagen und Belege klar nachgewiesen wurden, keine große Leistung. (apa/red)

30.5.2007 19:43