Montag, 28. Mai 2007

Trotz Doppelsieg dicke Luft bei McLaren: Hamilton glaubt an Bevorzugung Alonsos

  • "Nichtangriffsbefehl" sorgt für Unmut bei Youngster
  • Viele Fehler: Räikkönen bei Ferrari unter Druck

McLaren-Mercedes hat mit einem souveränen Doppelsieg in Monaco vorerst wieder das Kommando in der Formel-1-WM übernommen. Weltmeister Fernando Alonso verkürzte mit dem Sieg vor seinem Stallgefährten Lewis Hamilton sowie Ferrari-Pilot Felipe Massa an Saisonsiegen gegen Ferrari auf 2:3 und übernahm die WM-Führung. Trotz des 150. GP-Sieges für McLaren herrschte bei den Silbernen dicke Luft, weil sich Hamilton benachteiligt fühlte.

Der überlegene Doppelsieg der beiden McLarens, die im Fürstentum bis auf den um über eine Minute distanzierten Massa das ganze Feld überrundeten und die Konkurrenz in Grund und Boden fuhren, schmerzte nicht nur Konkurrent Ferrari. Auch bei den Fans vor Ort und an den TV-Schirmen kam beim "Solo für zwei" wenig Freude auf, denn die Extra-Performance der Silberpfeile konnt die Langeweile über die zweistündige Prozession auf dem engen Stadtkurs, auf dem Überholen fast unmöglich ist, nicht würzen.

An Fakten stand am Ende des 65. Formel-1-Grand Prix von Monaco, der sich auch bezüglich Star-Rummel etwas spartanischer als sonst gab, der 150. GP-Sieg für McLaren. Und der 17. für Alonso, der wie im Jahr davor wieder von der Pole aus gewann. Diesmal sogar spielerisch leicht und mit dem "Hattrick" Pole, schnellste Rennrunde, Sieg.

Der Spanier, der mit Renault Doppelweltmeister geworden war, schaffte damit als erster Pilot seit Michael Schumacher 1994/1995 zwei Monaco-Siege in Folge. In der WM führt er dank seiner nun zwei Saisonsiege mit 38 Zählern vor dem punktgleichen Hamilton. "Das war sicher einer meiner leichtesten Siege. Das Auto war so richtig zum Genießen. Noch nie hatte ich einen so großen Vorsprung auf den Dritten", schwelgte Alonso.

"Nichtangriffsbefehl" sorgt für dicke Luft
Angesichts der Ereignislosigkeit auf der Piste wurde die McLaren-Stallregie, die Alonso bevorzugt hatte, zum Thema. Der 22-jährige Hamilton, der zuvor alle seine drei Rennen im Fürstentum (Formel 3 und GP2) gewonnen hatte und als jüngster WM-Leader aller Zeiten nach Monaco gekommen war, hätte liebend gerne auch sein erstes Formel-1-Rennen dort als Erster beendet. Dafür fuhr er derart couragiert, dass er mehrere Male die Leitplanken entlangschrammte.

Am Ende reichte es dennoch nur zu Platz zwei. Laut Hamilton deshalb, weil die Stallregie verboten habe, den Teamkollegen zu attackieren. Tatsächlich hatte McLaren-Teamchef Ron Dennis längst einen "Nichtangriffsbefehl" ausgegeben, als Hamilton 20 Runden vor Schluss bis auf 0,7 Sekunden an den führenden Alonso herangekommen war. Zuvor hatte man den voller betankten Hamilton auffallend schnell nach dem Stopp von Alonso an die Box geholt. Der dunkelhäutige Jungstar sah sich damit ebenfalls um die Chance gebracht, Alonso zu überholen.

"Das kam wirklich überraschend", monierte Hamilton, der sich trotz seines fünften Podestplatzes in Folge erstmals nicht wirklich über einen zweiten Platz freute. Der wohlerzogene Brite fand danach sogar eindeutige Worte. "Ich habe die Nummer zwei am Auto. Ich bin die Nummer zwei."

Dennis und Alonso beschwichtigten und klärten auf. Alonso habe Benzin gespart und sei deshalb später, Hamilton wiederum wegen einer möglichen Safety-Car-Phase früher als geplant an die Box geholt worden. "Wenn das Safety Car tatsächlich auf die Strecke gegangen wäre, hätte Lewis gewonnen", versicherte Dennis.

Prinzipiell stand Dennis aber zu seiner Strategie, also auch zum Nichtangriffs-Befehl am Ende, weil es zu riskant gewesen sei, seine beiden Piloten aufeinander los zu lassen. Das gelte aber ausnahmsweise nur für Monaco. "Auf den anderen Strecken haben sie wieder freie Fahrt. Ich würde nie zulassen, dass es bei uns unfair zugeht", versicherte er.

Zumindest mit dem Nichtangriffspakt hatte Hamilton Einsehen. "Nur ein verrücktes Manöver oder ein Fehler hätte mich da noch an Fernando vorbeigebracht. Aber mir war klar, dass er als Doppelweltmeister keine Fehler machen würde."

Räikkönen bei Ferrari unter Druck
Hat Alonso also zumindest auf dem Papier die Rangordnung bei McLaren wieder her gestellt, kommt bei Ferrari Kimi Räikkönen immer mehr unter Zugzwang. Der für Millionen als Schumacher-Nachfolger von McLaren zur Scuderia geholte Finne machte nach seinem Trainings-Patzer zwar im Rennen sieben Plätze gut, musste sich als Achter hinter dem Williams des Österreichers Alex Wurz aber mit einem WM-Zähler begnügen.

Der brasilianische "Ferrari-Billigpilot" Massa (33 Punkte) hat hingegen trotz mäßigem Saisonstart nun schon zehn Zähler mehr auf dem WM-Konto als Räikkönen (23). Nach zwei Siegen in Folge fuhr er auf den engem Stadtkurs mit dem längeren Radstand seines Ferrari aber hinterher. "Ich war chancenlos, McLaren war in Monaco unschlagbar", gab Massa zu.

Das kann aber schon bald wieder ganz anders sein, denn die Formel 1 verlässt nach nur zwei Rennen Europa bereits wieder. Weiter geht es mit den beiden Nordamerika-Rennen in Montreal (10. Juni) und Indianapolis (17. Juni) und schon auf der Low-Downforce-Strecke in Kanada ist die mechanische Haftung der Autos weit weniger wichtig als in Monaco. Zwischen Juli und September geht es dann mit sieben Europa-Rennen in Folge in die wohl heißeste Phase der WM 2007.

(apa/red)

28.5.2007 14:46
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