Nach ÖOC-Sperren ging Skiverband in sich: Jobs von Gandler & Co stehen vor Abschuss
- ÖSV-Disziplinarkommission nahm Arbeit wieder auf
- Sponsor Telekom will Verband weiterhin unterstützen
·Stickler: Doping-
Sperren gerechtfertigt
Lob für Schröcksnadel nach freiwilligem Rücktritt
·Schröcksnadel nicht mehr ÖOC-Vizeboss
PLUS: 13 ÖSV-Betreuer sind für Olympia gesperrt
·Ist Schröcksnadel der ÖSV-Sündenbock?
IHRE MEINUNG zum IOC-Rüffel gegen Österreich?
·Erklärung ÖOC-Präsident Wallner
KLICKEN: Betrifft den
ÖOC-Sitzungs-Beschluss
·Reaktionen auf die Entscheidung des ÖOC
Überharte Maßnahmen? Betroffene üben Kritik
·Die Funktionen der
13 ÖSV-Betreuer
KLICKEN: Von Gandler bis Peter Baumgartl
·Doping-Skandal: Eder beendet Karriere
Bitter: "Mir ist die Freude genommen worden"
·Olympia: ÖSV zahlt
1 Million Dollar an ÖOC
Skiverband offensichtlich um Beruhigung bemüht
·Das wurde bei ÖSV- Athleten gefunden
Auszüge aus dem IOC- Protokoll im Wortlaut
Einen Tag nachdem das Österreichische Olympische Comite wegen der "Causa Turin" das IOC-Urteil akzeptiert und 13 Betreuer des Österreichischen Skiverbandes lebenslang für Olympia gesperrt hat, nahm in Innsbruck die dreiköpfige Disziplinar-Kommission des ÖSV ihre Arbeit wieder auf. Praktisch alle betroffenen Turin-Betreuer und Sportler werden wegen der neuen Erkenntnislage nun vom Skiverband erneut befragt.
Das ÖOC hatte mit seinem Vorstands-Beschluss in Wien drei der vier Haupt-Forderungen des IOC nach der Dopingaffäre bei den Winterspielen 2006 in Turin erfüllt. Nicht auf der Basis von Schuldsprüchen oder Schuldeingeständnissen, sondern weil sich die betroffenen Personen während der Spiele in der Umgebung - sprich den Quartieren - befunden hatten, in der laut IOC gedopt worden war.
Zu den lebenslang für Olympia gesperrten Betreuern gehören u.a. Markus Gandler sowie Teamarzt Dr. Peter Baumgartl, aber auch Walter Mayer, einer der Hauptauslöser der bis zu den Spielen 2002 in Salt Lake City zurückreichenden Affäre. Das ÖOC meldete dem IOC damit 14 gesperrte "Teammitglieder", obwohl Mayer in Turin gar nicht akkreditiert gewesen war.
Zu erfüllen bleibt nun noch ein Punkt. Bis spätestens Ende Juni 2008 muss dem IOC ein glaubhaftes Konzept vorgelegt werden, dass auch im österreichischen Langlauf- und Biathlonlager Sauberkeit herrscht. Es käme also nicht überraschend, wenn sich der ÖSV von den für Olympia gesperrten Betreuern trennt. Seinerzeit hatte die Disziplinar-Kommission des ÖSV lediglich den mittlerweile zurückgetretenen Langläufer Johannes Eder für ein Jahr gesperrt.
Jobs von Gandler & Co wackeln
Auf Grund der neuen Beweislage hat der ÖSV deshalb nun seine unabhängige Disziplinar-Kommission unter dem Vorsitz von Dr. Arnold Riebenbauer erneut eingesetzt. Diese ÖSV-Kommission war - erstmals mit ÖOC-Mitglied Dieter Kalt als Beisitzendem - mit den Befragungen beschäftigt.
So glasklar sei die Sache nicht, hieß es aus Tirol. Immerhin könnten wegen der ÖOC-Sperren nun einige Menschen ihren Job verlieren, wurde zumindest angezweifelt, ob der "Privatverein" ÖOC tatsächlich abseits jeder Rechtslage agieren könne.
Das Ergebnis der neuerlichen ÖSV-Untersuchungen sowie die Ergebnisse der Einsprüche von vier gesperrten ÖSV-Langläufern beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne bilden die Basis für das weitere Vorgehen des ÖSV. Mit dem CAS-Urteil ist aber erst in einigen Monaten zu rechnen.
Ob sich der ÖSV im Zuge der neuen Erkenntnisse von Gandler und Co. trennt, bleibt abzuwarten. Während Gandler selbst sich damit schon abgefunden zu haben scheint, aber selbst den CAS anrufen will, kamen vom ÖOC diesbezüglich keine Vorgaben. "Das ist eine interne Sache des ÖSV. Wir können nicht sagen: 'Sperrt den Gandler!' Das wäre unkorrekt und unfair", sagte ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth. Der im Zuge der Maßnahmen als ÖOC-Vizepräsident zurückgetretene ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatte zunächst freilich gemeint, dass er nun keine weiteren Schritte mehr setzen werde.
Sponsor Telekom steht weiter hinter Verband
Zu Wort gemeldet hat sich auch ÖSV-Sponsor Telekom Austria. Man stehe trotz der Dopingaffäre zum Sponsoring-Engagement und werde diese "äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit" weiterführen, sagte TA-Chef Boris Nemsic.
Jungwirth jedenfalls ist überzeugt, dass man mit den aktuellen Maßnahmen dem IOC glaubhaft die Bemühungen um einen sauberen Sport in Österreich bestätigt habe. ÖOC-Präsident Wallner hatte Tags zuvor die Vorgehensweise mit der "reinigenden Wirkung" des seinerzeitigen Weinskandals verglichen.
"Damit ist der erste große Schritt des Aufarbeitens getan. Jetzt gilt es, im Biathlon und Langlauf eine saubere Truppe aufzubauen", sagte Jungwirth und ergänzte: "Ich glaube schon, dass das IOC unsere schwierige Situation erkannt hat und das jetzt honoriert."
Bleibt die Salzburger Olympia-Bewerbung 2014. Während nicht nur für Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka Österreichs Chancen nach dem Ausschluss der Betreuer sowie dem Schröcksnadel-Rücktritt "wieder intakt" sind, gibt es auch viele Zweifler. So berichtete die österreichische Tageszeitung "Kurier" zuletzt wiederholt, alle IOC-Mitglieder seien laut Insider-Informationen längst übereingekommen, Salzburg bei der Vergabe am 4. Juli in Guatemala City keine einzige Stimme zu geben.
(apa/red)
