Mittwoch, 30. Mai 2007

ÖFB-Boss Stickler begrüßt Doping-Sperren:
Harte Maßnahmen des ÖOC gerechtfertigt

  • Sünder sollen "mit aller Strenge" bestraft werden
  • Lob für Schröcksnadel nach freiwilligem Rücktritt

In seiner Eigenschaft als Vize-Präsident des Österreichischen Olympischen Comitees hat Friedrich Stickler die Maßnahmen des ÖOC begrüßt, insgesamt 13 Athleten, Betreuer und Mediziner für Olympia zu sperren. "Da muss man mit aller Strenge reinfahren", erklärte der Chef des Österreichischen Fußball-Bundes.

Gedopten Athleten dürfe keinesfalls signalisiert werden, "dass vielleicht noch irgendwo ein Hintertürl offensteht", so Stickler, der im Zusammenhang mit der Doping-Problematik auch die Vorbild-Wirkung der Sportler auf die Jugend hervorhob.

Vor Schröcksnadel ziehe er auf Grund dessen Vorgangsweise den Hut. "Er hat mit seinem Rückzug eine Situation bereinigt, die ansonsten im Hinblick auf die Salzburger Olympia-Bewerbung nur schwer auszuhalten gewesen wäre."

Die Kritik des ÖSV am ÖOC stößt bei Stickler allerdings auf Unverständnis. "Zu sagen, das ÖOC vertritt Verbände nicht dementsprechend, ist für mich nicht nachvollziehbar." Von Verschwörungstheorien hält der ÖFB-Boss wenig. "Wir neigen grundsätzlich dazu, uns als Opfer zu sehen und nicht zuzugeben, dass wir Fehler gemacht haben. Opfer-Theorien helfen nur im eigenen Land, international interessiert das keinen."

Nicht nur das IOC, auch die internationalen Fußball-Verbände wollen laut Stickler mit aller Härte gegen Doping vorgehen. "Beim UEFA-Kongress in Zürich wurde das Doping ganz massiv angesprochen, es wurde ein klares Bekenntnis gegen Doping abgelegt." Stickler will nun die österreichischen Profi-Klubs mit den Inhalten der zuletzt überarbeiteten Anti-Doping-Bestimmungen der UEFA vertraut machen.

Kein Fall Mayrleb mehr
Auch der ÖFB selbst hat auf die jüngsten Ereignisse reagiert. "Nach einer vorgenommenen Reglement-Änderung wird es einen Fall Christian Mayrleb nicht mehr geben", versprach Stickler. Der Pasching-Stürmer war im vergangenen Herbst positiv auf das verbotene Verschleierungsmittel CoDiovan getestet, danach aber von sämtlichen österreichischen Instanzen freigesprochen worden.

Sticklers Linie in Sachen Doping deckt sich mit jener, die von Teamchef Josef Hickersberger nach den von der Österreichischen Anti-Doping-Agentur durchgeführten Tests an sechs Teamspielern vorgegeben wurde. "Jeder Spieler ist für sich selbst verantwortlich. Jeder muss wissen, wenn er gedopt ist, ist er weg."

"Wir stehen unter Beobachtung"
Auf Grund der Vorkommnisse rund um die Razzia in Turin und deren Folgen sowie angesichts der bevorstehenden Heim-EM haben die internationalen Doping-Jäger laut Stickler ein besonderes Auge auf Österreich im Allgemeinen und die Fußballer im Besonderen geworfen. "Wir stehen unter Beobachtung. FIFA-Chef Sepp Blatter hat mir beim UEFA-Kongress in Zürich gesagt, dass wir bei der WADA (Anm.: Welt-Anti-Doping-Agentur) nicht gut angeschrieben sind."

Allerdings ist generell das Verhältnis der WADA zum internationalen Fußball nicht ungetrübt. Die FIFA will den WADA-Code nicht annehmen und führt derzeit mit der Anti-Doping-Agentur Gespräche, an deren Ende ein eigenes, von der WADA anerkanntes Anti-Doping-System im Fußball stehen soll.

(apa/red)

30.5.2007 14:17