Dienstag, 29. Mai 2007

Schröcksnadel nicht mehr Vizepräsident im ÖOC: 13 ÖSV-Betreuer für Olympia gesperrt

  • Konsequenzen aus Doping-Affäre und IOC-Drohung
  • MITREDEN: Ist der ÖSV-Boss Schuld an der Misere?

Die Doping-Affäre um sechs österreichische Langläufer und Biathleten bei den Winterspielen in Turin hat nun weitere Konsequenzen: ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel zieht sich als Vizepräsident des ÖOC zurück. Das ÖOC sperrte außerdem 13 ÖSV-Betreuer für Olympische Spiele.

ÖOC-Präsident Leo Wallner gab bekannt, dass Markus Gandler, Peter Baumgartl, Volker Müller, Alfred Eder, Walter Gapp, Walter Hörl, Heinz Mühlbacher, Stefan Rohrmoser, Emil Hoch, Andreas Eder, Gerald Heigl, Reinhard Neuner und Gerhard Urain keine Akkreditierung mehr für Olympische Spiele erhalten werden. Zudem wird auch der bis 2010 gesperrte Walter Mayer nicht mehr akkreditiert.

Rückzug von Schröcksnadel
Schröcksnadel hat die Konsequenzen aus dem Konflikt mit dem ÖOC gezogen. Der Präsident des österreichischen Ski-Verbandes zog sich als Vize-Präsident des ÖOC zurück. Der Tiroler hatte diese Funktion zuletzt ruhend gestellt.

"Ich habe erkannt, dass ich mich als Funktionär im ÖOC nicht eigne, zumal ich in dieser Funktion die Interessen des ÖSV und seiner Athleten nicht wie von mir gewohnt vertreten kann. Aus diesen Gründen habe ich mich entschlossen, mich als Vizepräsident des ÖOC zurückzuziehen", begründete Schröcksnadel in einer Presseaussendung unmittelbar vor der Dringlichkeitssitzung des ÖOC-Vorstandes seinen Schritt. Von Seiten des ÖSV wird auch niemand in den Vorstand des ÖOC nachnominiert.

Keine Vertrauensbasis mehr
Die massiven Differenzen hatten sich an der Doping-Affäre österreichischer Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin, wo ÖSV-Sportler 22 von 23 ÖOC-Medaillen gewonnen hatten, entzündet. Nun aber sah sich Schröcksnadel, der dem ÖSV seit Juni 1990 ehrenamtlich vorsteht und seit 2005 auch ÖOC-Vizepräsident war, nicht nur wegen der harten Sanktionen des IOC zum Rücktritt aus dem ÖOC veranlasst. Die Vertrauensbasis zwischen ihm und dem ÖOC sei nicht mehr gegeben, hieß es in der Aussendung des Skiverbands-Präsidenten.

Schröcksnadel erklärte auch, warum. "Vor kurzem wurden in Peking die beiden zurückgetretenen Biathleten sowie noch aktive Langläufer mit der lebenslangen Sperre für Olympische Spiele bestraft. Der ÖSV musste dies aus der Presse erfahren und hat bis heute, außer den Presseinformationen keinerlei Informationen aus der Verwaltung des ÖOC erhalten", bemängelte der ÖSV-Boss und fügte an: "Die Informationen über die wir verfügen, kamen ausschließlich aus dem Internet. Zur Verwaltung des ÖOC besteht daher aus meiner Sicht keinerlei Vertrauensbasis mehr und machtpolitische Überlegungen sind dort meinem Empfinden nach wichtiger als sportliche Interessen", erklärte der ÖSV-Präsident.

Der ÖSV habe sich in dieser Angelegenheit immer äußerst korrekt verhalten, nach Turin sofort die Trainer Mayer und Hoch entlassen und die Athleten Perner und Rottmann sofort suspendiert, betonte Schröcksnadel. "Gleichzeitig wurde, wie im Gesetz gefordert, die Disziplinarkommission einberufen, die nach eingehenden Erhebungen den Athleten Eder mit einer einjährigen Sperre belegt hat. Dieser Spruch wurde auch vom CAS bestätigt", so Schröcksnadel weiter.

Doping-Sünder nie mehr zu Olympia
Der Vorstand des ÖOC hat bei seiner Dringlichkeitssitzung wie erwartet das IOC-Urteil wegen der Dopingvorwürfe von Turin 2006 angenommen und einen rigorosen Maßnahmen-Katalog beschlossen. So wurden von Sportdirektor Markus Gandler und Arzt Peter Baumgartl abwärts insgesamt 13 ÖSV-Betreuer aus dem Turiner Langlauf- und Biathlon-Lager für immer von Olympia ausgeschlossen. Auch künftig gedopte Sportler werden vom ÖOC nie wieder für Spiele akkreditiert.

Das ÖOC wird zudem eine Million Dollar an das IOC überweisen und für den Kampf gegen Doping zur Verfügung stellen. Damit soll erreicht werden, dass die gleich hohen IOC-Förderungen, deren Einbehaltung das IOC als Strafe wegen der Turin-Vorkommnisse ausgesprochen hatte, nun doch fließen können. Der ÖSV hatte sich vor Kurzem bereit erklärt, dem ÖOC diese Summe zu überweisen.

IOC-Forderungen mehr als erfüllt
Damit hat das ÖOC die Forderungen des Internationalen Olympischen Comitees, das nach dem Vorkommnissen in Turin eine zu "lasche" Behandlung der Causa in Österreich kritisiert und mit drastischen Sanktionen wie den lebenslangen Olympia-Sperren für sechs Athleten reagiert hatte, sogar übererfüllt.

Damit glaubt das ÖOC seinen Part vorerst erfüllt zu haben. Er sei überzeugt, dass das IOC diese Maßnahmen honorieren werde, gab sich Wallner zuversichtlich. Immerhin seien alle Betreuer sanktioniert worden, "ob beteiligt oder nicht". Und die eine Million Dollar werde das IOC "glücklich" machen, davon sei er als Mitglied des dortigen Finanzausschusses überzeugt, so IOC-Mitglied Wallner.

(apa/red)

29.5.2007 17:26