Sonntag, 3. Juni 2007

"Es tut uns mehr als Leid!": Organisator der G8-Demo entschuldigt sich bei Rostockern

  • Zehn Gewalt-Hauptverdächtige bleiben in Haft
  • Merkel: "Die Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen"

Der Attac-Organisator Werner Rätz hat sich bei den Rostockern für die Ausschreitungen am Rande der Demonstration gegen den G8-Gipfel am Samstag entschuldigt. "Wir müssen uns entschuldigen. Was geschehen ist, hätte so nicht passieren dürfen. Es tut uns mehr als Leid", sagte Rätz, der für die Organisation der Kundgebung in Rostock mitverantwortlich war.

Die Schwierigkeiten beim Umgang mit den Linksautonomen würden von vielen unterschätzt, sagte Rätz weiter. Er räumte ein, dass die in Attac zusammengefassten Globalisierungskritiker kaum wüssten, wie sie mit den militanten G-8-Gegnern zurecht kommen sollen: "Ein konkretes Konzept gibt es nicht". Rätz warnte aber davor, den schwarzen Block auszugrenzen: "Dann kommen die erst recht", sagte er.

Zehn Hauptverdächtige bleiben in Haft
Die zehn Hauptverdächtigen der Krawalle von Rostock bleiben in Haft. Das teilte Oberstaatsanwalt Peter Lückemann mit. Das Amtsgericht Rostock habe neun Haftbefehle erlassen, die nun eine Gerichtsverhandlung im so genannten beschleunigten Verfahren ermöglichen.

Der zehnte Tatverdächtige bleibt wegen anderer Anordnungen in Haft. Gegen ihn wird laut Lückemann ein gesondertes Verfahren eröffnet, da ihm wegen früherer Taten nach Einschätzung des Haftrichters eine längere Freiheitsstrafe droht.

Die neun übrigen Täter sollen im beschleunigten Verfahren in den nächsten Tagen verurteilt werden. Dieses Verfahren ist zulässig, wenn die Beweislage eindeutig ist und eine Verurteilung sicher erscheint. Die Staatsanwaltschaft hat laut Lückemann Zeugenaussagen und Videos darüber, dass alle zehn Personen Steine auf die Polizei geworfen haben. Den neun Personen aus dem besonderen Verfahren droht Haft bis zu einem Jahr.

Unterdessen räumte die Polizei Probleme beim Einsatz am Samstag ein: Der zuständige Unterabschnittsleiter sei zeitweise nicht über Funk zu erreichen gewesen. Daraufhin habe dessen Vorgesetzter direkte Befehle an die Einheiten gegeben, sagte ein Sprecher der G-8-Sondereinheit Kavala. Damit reagierte die Polizei auf einen Bericht des "Tagesspiegel", wonach der Unterabschnittsleiter während der laufenden Krawalle abgesetzt worden sei.

Merkel: Gewalt nicht zu rechtfertigen
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Krawalle scharf verurteilt. "Die Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen", sagte sie in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Sie fügte hinzu: "Ich bin froh, dass die Veranstalter der friedlichen Demonstration sich klar distanziert haben.

Das Bild, dass von Deutschland in die Welt geht, wird davon abhängen, dass die Bürgerinnen und Bürger in großer Mehrheit sagen: Gewalt ist kein Mittel, seine Ziele durchzusetzen und das muss ganz klar sein." Im Sender n-tv sagte Merkel, sie habe Verständnis für die Anliegen der friedlichen Demonstranten. "Sie geben uns wichtige Anregungen." (APA/red)

3.6.2007 22:56